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Tierpark Arche Warder : Kuscheln auf der Eselkoppel

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In Europa gibt es nur noch 500 Exemplare: Die Poitou-Eselfohlen im Tierpark Arche Warder möchten diesen Zustand ändern und für Nachwuchs sorgen.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2013 | 10:45 Uhr

Warder | Ihre großen Ohren haben sie noch nicht so richtig unter Kontrolle, und wenn sie sich an der mütterlichen Milchbar gestärkt haben, legen sie erstmal eine kleine Siesta ein, bevor weiter gespielt und gegrast wird: Die Poitou-Eselfohlen "DArtagnan", "Denny" und "Dorin" sind der ganze Stolz der Arche Warder. Drei kleine Poitous auf einen Streich sind nämlich etwas ganz Besonderes, wenn man berücksichtigt, dass es in Europa insgesamt nur etwa 500 reinrassige Poitous gibt.
"In den 70er-Jahren war diese Rasse fast ausgestorben", weiß Arche-Tierpfleger Thomas Petersen, "dann wurde in Frankreich ein Erhaltungszuchtprogramm gestartet, an dem auch die Arche Warder teilnimmt." "DArtagnans" Mutter "Ulote" ist zum Beispiel eine Leihgabe aus Frankreich, die zu Zuchtzwecken in Warder zu Gast ist. "Ulote war die letzte Stute, die unser 2012 verstorbener Hengst de Gaulle belegt hat", erklärt Petersen. "DArtagnan" ist also der letzte Nachkomme von "de Gaulle". "DArtagnan" ist auch das älteste der drei Poitou-Hengstfohlen im "Esel-Land" der Arche Warder und war die schwerste Geburt von den dreien.

Wenn Esel Kinder kriegen

Eine Esel-Schwangerschaft dauert 11,5 bis 13 Monate, und die damit verbundene Terminunwägbarkeit sorgt in der Endphase immer für erhebliche Nervosität bei den Tierpflegern. "Wir hatten schon ein paar Nachtschichten hinter uns, als es schließlich soweit war", berichtet Petersens Kollegin Sabrina Cornils. Das Problem: "DArtagnan" lag verkehrt herum in "Ulote". "Die Beine waren nach hinten verklemmt - den hätten wir nie allein herausbekommen." Tierärztin Viola Wolf eilte zu Hilfe.
Das nächste Problem: Mutter "Ulote" erlitt bei der anstrengenden Geburt einen Bluterguss und konnte nicht mehr aufstehen und infolgedessen auch nicht als Milchbar für ihren Sprössling dienen. "Das erste Mal Trinken ist ganz wichtig, weil die sogenannte Colostralmilch Vitamine und Abwehrstoffe enthält, welche die Fohlen zum Überleben brauchen", erläutert Petersen. Die nötige Milch wurde von einem Haflingergestüt besorgt, während "Ulote" und "DArtagnan" in die Pferdeklinik nach Wahlstedt verfrachtet wurden. "Die Chancen stünden 50:50, meinte der Pferdearzt", berichtet Petersen, der auf dem Pferde-OP-Tisch sein Nachtquartier bezog und alle zwei Stunden den kleinen "DArtagnan" mit frisch von der Mutter abgemolkener Milch versorgte. "Das hat gut funktioniert", bilanziert "Esel-Amme" Petersen, der es dann auch noch schaffte, "DArtagnan" das eigenständige Trinken bei "Ulote" beizubringen.

2013 - Namen mit "D"

Sechs Wochen nach "DArtagnan" kam sein Spielkamerad "Denny" zur Welt. "Da gab es überhaupt keine Komplikationen", vermerken die Geburtshelfer Cornils und Petersen, "wir haben Mutter Pauline gut zugeredet, und dann kam ihr Fohlen gut heraus." Die Geburt von Poitou-Fohlen Nr. 3 verpasste das Tierpflegerduo. Petersen war mit den Poitou-Junghengsten "Charles" und "Chiron" in Hamburg, um zwei Wochen lang bei den Aufführungen des Theaterstücks "Balthasar" mitzuwirken, und Sabrina Cornils weilte bei einer Stutenschau in Oldenburg. Als die beiden nach Warder zurückkamen, hatte Poitou-Mutter "Tadjine" schon alles allein geregelt und in einem Waldstück ihren "Dorin" zur Welt gebracht.
"In diesem Jahr fangen bei uns alle Fohlennamen mit D an", erläutert Petersen, "Dorin ist der Oberzwerg aus Der Herr der Ringe." Dass der Vater von "Denny" und "Dorin" "Prosper" heißt, ist eine wesentliche Information im sogenannten "Equiden-Pass", den alle drei Poitou-Fohlen bereits ausgestellt bekommen haben. "Wir haben die Drei auch schon gechipt, und wir haben ihnen Blut abgenommen und nach Frankreich geschickt", erklären Cornils und Petersen, "auf der Grundlage der Blutwerte wird festgestellt, welcher Poitou mit wem verpaart werden kann." Fest steht bereits, dass "DArtagnan" als Sprössling der französischen Leihgabe "Ulote" nach Frankreich abgegeben wird.
Voraussichtlich im Oktober oder November werden Cornils und Petersen "DArtagnan" in einer privaten Eselzuchtstation an der französischen Atlantikküste abliefern. Für "Denny" will man in Schleswig-Holstein ein neues Zuhause finden, und "Dorin" soll in die Junghengstgruppe der Arche Warder integriert werden.
Vom Tierpark-Wanderweg kann man die idyllische Mutter-Kind-Gruppe ganz gut beobachten.

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