Ostseeküste : Kompromiss für Schweinswale

Lärm und Fischerei setzen dem Schweinswal zu. Foto: dpa
Lärm und Fischerei setzen dem Schweinswal zu. Foto: dpa

Schweinswale und Tauchenten sollen künftig besser vor einem qualvollen Tod in Stellnetzen geschützt werden. Schleswig-Holsteins Umweltminister gerät dabei zwischen die Fronten.

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25. Juni 2013, 11:50 Uhr

Kiel | Im Konflikt zwischen Fischern und Umweltverbänden um einen besseren Schutz von Schweinswalen und Seevögeln in der Ostsee setzt Umweltminister Robert Habeck (Grüne) auf einen Kompromiss. Danach sollen drei Gebiete entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste mit Einschränkungen für die Stellnetzfischerei belegt werden. Dies sieht eine geänderte Fischereiverordnung vor, die im Herbst in Kraft treten soll.
Naturschutzverbände pochen auf ein Komplettverbot der Stellnetzfischerei. Der ungewollte Beifang führt nach Darstellung des Nabu "erwiesenermaßen zu hohen Verlusten, die eine Erholung der Bestände verhindern." Fischereiverbände halten schon die Forderung nach Einschränkungen für überzogen. Vor allem kleine Betriebe seien in ihrer Existenz bedroht. "Die Fronten sind extrem verhärtet", sagte Habeck.

Stellnetze zwischen Geltinger Birk und Fehmarn verboten

Beide Seiten drohten mit Blick auf den Entwurf der neuen Verordnung mit Klagen. Danach soll das Ausbringen von Stellnetzen in Gebiete rund um die Geltinger Birk sowie nördlich und westlich von Fehmarn bis auf jeweils acht Wochen im Frühjahr und Herbst ganzjährig untersagt werden. In der östlichen Ostsee gibt es noch 600 Schweinswale. Die Population der westlichen Ostsee ist seit Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts um gut ein Drittel auf 18000 gesunken. Schleswig-holsteinische Gewässer werden je nach Jahreszeit von rund 1000 (Herbst) und 2000 Tieren (Sommer) aufgesucht.
Als Gründe für den Rückgang der Population nannte das Ministerium den zunehmenden Lärmpegel unter Wasser durch Schiffsverkehr, die Schadstoffbelastung der Ostsee oder den Bau von Fundamenten für Windkraftanlagen. Unstrittig sei nach Expertenmeinung die Gefährdung der Art durch die Stellnetzfischerei. So könne das Sonarsystem der Wale solche Netze nicht erkennen. Insbesondere Jungtiere endeten seit 2005 immer häufiger so als Beifänge in den Netzen.

Alternative Fangmethoden erproben und fördern

Um Tauchenten besser zu schützen, will Habeck die Stellnetzfischerei in drei Gebieten am Ausgang der Kieler Förde vom 15. November und 15. April sperren. Um das Beifangproblem zu mindern, will Habeck zudem alternative Fangmethoden erproben und fördern. "Wenn wir das hinkriegen, können wir der Fischerei und dem Land einen Imagegewinn verschaffen", sagte Habeck und fügte hinzu, die Fischerei gehöre zu den Küstenregionen.

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