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Traumjob Landwirtin : Knochenarbeit in Männerdomäne

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Die Suche nach einer Lehrstelle war schwierig: Eine 20-Jährige aus Westre lässt sich sich zur Landwirtin ausbilden – als einzige Frau.

Westre/Tinningstedt | Mit Gummistiefeln knöcheltief im Mist zu stehen, macht Anne Edlefsen nichts aus. Die 20-Jährige aus Westre ist Auszubildende im dritten Lehrjahr zur Landwirtin und in diesem Jahr in Nordfriesland die einzige zur Prüfung zugelassene Frau. Dabei war es für sie problematisch gewesen, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen. "Ich habe mich bei vielen Betrieben beworben, aber in den Gesprächen kam immer durch, dass sie einer Frau die Arbeit nicht zutrauen." Bei Milchbauer Hauke Heesch hat sie ihre Chance bekommen. Denn bei dem Tinningstedter hatte ein Lehrling abgesagt.
Anne Edlefsen kann nicht nur kräftig zupacken, sondern ist mit den Aufgaben und dem Alltag auf einem Bauernhof von Kindesbeinen an vertraut. Als sie einmal bei einer Kuh einen Kaiserschnitt miterlebt hatte, erzählte sie am nächsten Tag aufgeregt von diesem Erlebnis "mit viel Blut" im Kindergarten. "Die Kindergärtnerin rief daraufhin meine Mutter an und fragte, ob das pädagogisch wertvoll sei", erinnert sie sich lachend.

Schriftliche Prüfung schon bestanden

Bevor sich Anne Edlefsen für die Landwirtschaft entschied, hatte sie über Praktikumsstellen zwei andere Berufe "ausprobiert": Verkäuferin und Sekretärin. Beides gefiel ihr nicht. Schließlich gestand sie sich ein, dass sie eigentlich schon immer Landwirtin werden wollte. Von Freunden erhielt sie sofort Unterstützung. Denn in ihrem Kreis habe jeder direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft zu tun. "Da murrt keiner, wenn ich sage, dass ich nicht mitfeiern gehe, weil ich am nächsten Tag früh aufstehen und Silo machen muss."
Geschont wird sie nicht bei der täglichem Arbeit auf ihrem Lehrbetrieb. Silohaufen mit Reifen abzudecken, sei zwar eine "ganz schöne Knochenarbeit", aber die falle zum Glück nur vier- bis fünfmal im Jahr an. "Da muss ich eben die Zähne zusammenbeißen", sagt die Auszubildende. Tauschen würde sie ihren Beruf trotzdem gegen nichts auf der Welt. Am Abend zu sehen, was man geschafft hat, das sei ein großartiges Gefühl und zudem sei sie gerne an der frischen Luft und mit den Kühen zusammen.
Nach der Prüfung - die schriftliche hat Anne Edlefsen bereits erfolgreich bestanden - fängt sie auf einem Achtruper Hof als Herdenmanagerin an und trägt dann die Verantwortung für 200 Kühe - angefangen bei der Klauenpflege bis zur Fruchtbarkeitsüberwachung. Ihr Traum bleibt es aber, eines Tages einen eigenen Betrieb zu haben - "das wäre toll".

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erstellt am 23.Jun.2013 | 06:40 Uhr

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