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Holger Schulz Tierwelten : Japans Schneeaffen im Höllental

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Rotgesichtsmakaken nennen Zoologen sie: Holger Schulz hat die besser als "Schneeaffen" bekannten Tiere in den japanischen Alpen besucht.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2010 | 07:45 Uhr

Winter in den japanischen Alpen. Tagelang hat es geschneit. Die Bäume beugen sich unter der weißen Last. Mit schwerem Kameragepäck sind wir unterwegs, über steile Hänge und durch dunkle Wälder. Bei jedem Schritt knirscht der Schnee unter den Stiefeln, und immer wieder brechen wir ein bis zur Brust. Endlich erreichen wir unser Ziel: Jigokudani, das "Höllental", ist eine mystische Landschaft. Die zwischen schneebedeckten Bergen tief eingeschnittene Schlucht trägt ihren Namen zu Recht. Heiße Quellen brodeln am Rand eines Bächleins, in dem das Wasser trotz beißender Kälte nicht gefriert. Dampfschwaden wabern über den Boden und schweben wie flüchtige Geister durch den Wald.
Plötzlich poltert Schnee von einem der Bäume. Irgend etwas bewegt sich dort oben im Wipfel: In schwindelnder Höhe turnt eine Gruppe Affen durchs Geäst. Aus den wuschelig braunen Fellbündeln leuchten die unverwechselbar roten Köpfe. Wir haben sie gefunden, die berühmten "Schneeaffen". Die Rotgesichtsmakaken, wie die Zoologen sie nennen, sind von den Küsten bis ins Hochland Japans zu Hause. Hier, im Norden ihres Verbreitungsgebiets, verbringen sie auch den Winter im Gebirge. Die putzigen Affen haben Wege gefunden, der Kälte zu widerstehen. Ihr dichtes Fell wärmt besser als jede Daunenjacke, und dicht aneinander gekuschelt überstehen sie die eisigen Nächte.
Ein Macho mit starken Armen
Am gegenüberliegenden Hang bahnen sich ein paar Affen den Weg durch den Tiefschnee. Mühsam nur kommen die Tiere voran, aber zielstrebig arbeiten sie sich runter ins Tal. Eines der Weibchen trägt sein Junges auf dem Rücken. Festgekrallt ins Fell seiner Mutter schaut der Kleine vergnügt in die Welt. Das ist doch was, so ein Ritt durch die Schneelandschaft. Auch andere Affengruppen kommen jetzt aus dem Wald. Irgend etwas dort hinten im Tal zieht die Tiere wie magisch an. Wir heften uns an die Fersen der wolligen Vierbeiner. Nach einer letzten Biegung des Weges trauen wir kaum unseren Augen. Mehr als zwanzig Affen sitzen in einer mit dampfendem Wasser gefüllten Senke zwischen den Felsen. Inmitten der eisigen Winterlandschaft genießen sie wohlig die Wärme des tierischen Thermalbads.
Vorsichtig nähern wir uns, Schritt für Schritt und immer in Sorge, die Tiere zu verschrecken. Aber die haben keine Scheu. Als wir schließlich direkt am Rand des Affenpools stehen und die Kameras auspacken, kommt ein starkes Männchen heran. Aus nur einem Meter Entfernung blickt es uns neugierig an und gleitet dann gemächlich zurück ins Wasser. Die Arme am Beckenrand aufgestützt, lässt der Macho uns nicht aus den Augen. Zwei Weibchen gesellen sich zu ihm und sammeln hingebungsvoll die Läuse aus seinem Fell. Ganz in der Nähe balgen sich kreischend ein paar Jungtiere. Dann jagen sie wild über die Felsen am Rande des Bads. Und als eines der Tiere vor uns das Wasser aus seinem Fell schüttelt, tropft es auch von den Kameras.
Weltberühmt im eigenen Pool
Die Schneeaffen haben hier im Höllental schon immer die heißen Quellen besucht. Auch für die Menschen in Japan hat das Bad im Thermalwasser Tradition. In einem Ryokan, einem kleinen Gasthaus am Rande des Höllentals, gibt es für Wanderer und andere Gäste ein Freiluft-Bad. Was die Menschen dürfen, das können wir auch, dachten die Affen. Und bald leisteten die Vierbeiner ihren nackten Verwandten im warmen Wasser Gesellschaft. Nicht jeder war glücklich über die tierischen Besucher. Erst, als man den Affen an einer entfernteren Quelle ihren eigenen Pool anstaute, blieben die Menschen wieder für sich. Seitdem besuchen die Schneeaffen im Höllental täglich ihr Becken. Weltberühmt sind sie damit geworden, und die Region wurde zum Nationalpark erklärt.
Obwohl inzwischen starker Schneefall eingesetzt hat und die Kälte bereits durch unsere Thermobekleidung kriecht, können wir uns nicht von den Affen trennen. Ein Jüngling schnipst mit dem Finger Luftblasen ins Wasser, um sie dann blitzschnell zu fangen. Andere tauchen unermüdlich zum Boden des Pools und suchen dort nach Fressbarem. Beim Auftauchen wird erst mal das Wasser vom Kopf geschüttelt und mit dem Finger aus den Ohren gepuhlt. Besonders viel Spaß machen den Affen die Sprünge vom Beckenrand. Als ein besonders mutiger Bursche eine Art "Arschbombe" vorführt, bei der das Wasser hoch aufspritzt, müssen wir lauthals lachen. Unsere Bilder haben wir im Kasten. Und vergessen werden wir die drolligen Gesellen wohl nie.

Schneeaffen
Die Schneeaffen oder Rotgesichtsmakaken (Macaca fuscata) aus der Familie der Meerkatzenverwandten sind die am nördlichsten lebenden Affen. Sie messen bis zu 57 cm, bei einem Gewicht von bis zu 8 kg. Verbreitet sind Schneeaffen in ganz Japan, mit Ausnahme der Insel Hokkaido. Sie leben in Wäldern bis 3180 m Höhe.


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