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Eutin : Jagdverbot nach Massentötung auf Texel

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Große Gänseschwärme durchziehend den Nordosten nach ihrem Winteraufenthalt.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 06:41 Uhr

Eutin | Gänse an der Nordseeküste: Sie sind die letzten Zugvögel, die die kalte Jahreszeit zu einem Großteil in unserem Bundesland verbrachten und nunmehr Schleswig-Holstein verlassen werden, da erst in den letzten Mai- und ersten Junitagen ihre benötigten Brutbedingungen in Sibirien erträglich geworden sind. Es handelt sich dabei um mehr als 60.000 Ringelgänse und die doppelte Anzahl Weißwangengänse. Auch in den Marschen Niedersachsens finden sich große Schwärme dieser Gänsearten ein, die aus ihrem Winteraufenthalt an den englischen, französischen und niederländischen Küsten nunmehr durchziehend nach Nordosten aufbrechen.
Diese Meeresgänse haben sich im Watt, auf den Grünländereien der Köge und der Naturschutzgebiete gut ernähren können, so dass sie den weiten Flug von 2000 Kilometern – nonstop – bis zu einer Zwischenrast am Weißen Meer südöstlich der russischen Halbinsel Kola überstehen. Die auch dort noch einmal angefressenen Fettreserven werden für ihren 3000 Kilometer langen Weiterflug an die arktische Küste beziehungsweise in das Delta der sibirischen Lena benötigt. Die neu austreibenden, jungen Gräser sind besonders eiweißreich und damit hervorragend geeignet, als Fett im Muskelfleisch der Tiere eingelagert zu werden.

Drei Arten der Ringelgänse


Die geschilderten Wintergäste Schleswig-Holsteins zeigen an der Nordseeküste unseres Bundeslandes vergleichsweise wenig Scheu vor uns Menschen. Die Jagd ruht bis auf gelegentliche Vergrämungsmaßnahmen, und so kann man die nicht überaus scheuen Vögel in den Kögen, besonders aus dem Auto, und auf den Inseln und Halligen recht nahe beobachten und fotografieren.
Es gibt drei Arten unter den Ringelgänsen: Die dunkelbäuchige Unterart fliegt aus Deutschland in ihr bevorzugtes Brutgebiet auf der Taimyr-Halbinsel, während die hellbäuchige Ringelgans in Dänemark sowie auf den britischen Inseln überwintert und ihr Brutgebiet auf Spitzbergen sowie im Osten Grönlands anfliegt. Beide Arten tragen ein dunkles Gefieder, ein weiß leuchtendes "Heck" und im ausgewachsenen Alter einen weißen Halsring, der ihnen den Namen verlieh. Eine dritte Unterart nennt sich die pazifische Ringelgans, die in Ostsibirien und im Nordwesten Nordamerikas lebt, jedoch nur als Ausnahmeerscheinung in Europa gilt.

Landwirte erhalten eine Entschädigung für Schädigungen


Der Bestand der unter den EU-Vogelschutzrichtlinien stehenden dunkelbäuchigen Ringelgänse hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Von nahezu 330.000 Vögeln vor 20 Jahren zählen wir heute nur noch unter 200.000 Individuen. Möglicherweise haben die nachlassende Bejagung der Polarfüchse und mehrere ungünstige Schlechtwettereinbrüche in ihren Brutgebieten dazu beigetragen, dass die fast vierwöchige Brut nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Es gibt Jahre, in denen die Ringelgänse sogar ganz ohne Nachwuchs im Herbst bei uns erscheinen. Durch Ringelgänse geschädigte Landwirte erhalten bei uns eine Entschädigung aus dem sogenannten, kurios anmutenden Bergbauernprogramm, für das die einzelnen Bundesländer zuständig sind.
Ganz anders hat sich die Population der Weißwangengänse entwickelt, die vor 60 Jahren nur noch 20.000 Vögel aufwies. Seitdem setzte eine stürmische Entwicklung ein, und heute rechnet man mit 800.000 Gefiederten dieser Meeresgans, die in drei getrennten Gebieten brüten, nämlich in Nordwestrussland, auf Spitzbergen und auf Grönland. Erstaunlich ist, dass mittlerweile 20.000 Paare im baltisch-skandinavischen Raum brüten, und auch in Dänemark und Schleswig-Holstein haben Weißwangengänse erfolgreich Brutreviere besetzt.
Von einem "Gänsenotstand" auf den Grünländereien durch mehr als 6000 Paare hörte man in Belgien und in den Niederlanden, wo im Jahre 2008 auf der Insel Texel 4500 Weißwangengänse während ihrer Mauser eingefangen und vergast wurden. Der sich anschließende Aufschrei der Bevölkerung führte zu einem totalen Verbot der Gänsejagd in diesen Ländern.
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