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Tierwelten : Ist der Tiger noch zu retten?

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Vor knapp hundert Jahren lebten in Asien noch 100.000 Tiger. Als dann der Raubbau an den Wäldern begann, wurde es für die prächtigen Großkatzen eng.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2010 | 01:07 Uhr

Allein in den letzten zehn Jahren verloren sie fast die Hälfte ihres Lebensraums. Und trotzdem werden Tiger noch immer erbarmungslos bejagt. Mit den Beständen geht es steil bergab. Ergebnisse neuester Zählungen haben die Naturschützer alarmiert: Gerade mal 3200 Tiger streifen noch durch die verbliebene Wildnis. "Das ist weniger als die Anzahl Menschen in einem größeren deutschen Dorf", bedauert Volker Homes vom WWF.
Der Artenschutzexperte hat die weltweite Situation des Tigers analysiert: Sechs Unterarten haben bis heute überlebt. Am schlimmsten steht es um den Südchinesischen Tiger - wenn es ihn denn überhaupt noch gibt. Denn seit fast 20 Jahren wurde er in freier Wildbahn nicht mehr gesehen. Auch der Sumatratiger, die kleinste Unterart, ist vom Aussterben bedroht. So richtig gut sieht es für keine der Populationen aus. Amur-, Malaysia- und Indochinesischer Tiger gelten als stark gefährdet, und selbst der Bengalentiger, das Wahrzeichen Indiens, sieht düsteren Zeiten entgegen. Die verbliebene Restpopulation aus knapp 1850 Tieren wird von Jahr zu Jahr kleiner.

Aberglaube In einigen seiner Verbreitungsländer steht der Tiger unter Schutz. Aber solange sich mit den prächtigen Katzen Geld verdienen lässt, sind auch Gesetze oft hilflos. Zwar spielt in der offiziellen chinesischen Medizin der Tiger kaum noch eine Rolle. In der Bevölkerung jedoch ist der Aberglaube an die heilende Wirkung seiner Körperteile immer noch weit verbreitet. "In den illegalen Hinterhofapotheken werden weiterhin Tigerprodukte verkauft", erklärt Volker Homes, "Und die lukrative Wilderei ist im Mafiastil organisiert".
Im chinesischen Kalender gilt 2010 als das Jahr des Tigers. Es könnte zum Schicksalsjahr der bedrohten Großkatzen werden. Um ihr Aussterben zu verhindern, hat der WWF sich ein hohes Ziel gesteckt: In den nächsten zwölf Jahren soll sich die Zahl der wildle-benden Tiger verdoppeln. Große Hoffnung setzt man dabei auf den geplanten "Tiger-Gipfel" im September 2010. Dort soll in einem Treffen der Staatschefs aller Verbreitungsländer der Schutz der gestreiften Katzen verbindlich festgeschrieben werden. "Scheitern dürfen wir nicht", mahnt Volker Homes. "Denn würden Tiger bald nur noch in Zoos überleben, dann wäre das eine Katastrophe für den Naturschutz insgesamt."
Sibirische Tiger beobachten im Tierpark Hagenbeck:
Tierpark Hagenbeck, Lokstedter Grenzstraße 2, 22527 Hamburg. Ganzjährig täglich ab 9 Uhr geöffnet.

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