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Wattbewohner : Im Watt ist der Wurm drin

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Überall im Watt findet man sie: seltsame Sand-Häufchen. Verantwortlich dafür ist einer der bekanntesten Bewohner des Wattenmeeres - der Wattwurm.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 01:55 Uhr

Wennigstedt | Das Watt sieht aus, als wäre man auf dem Mond gelandet: graubrauner Sand, wohin man blickt. Vor Kurzem noch war hier überall Wasser. Doch jetzt ist Ebbe und vom Meerwasser sind nur ein paar Pfützen übrig. Ansonsten liegt der Meeresboden frei - eine weite, flache Fläche, auf der man spazieren gehen kann. Doch Moment: So flach ist es im Watt dann doch nicht. Unzählige Häufchen türmen sich auf dem feuchten Boden. Sie sehen aus wie Spaghetti aus Sand.
Wer im Watt wandern war, ist garantiert schon auf solche Sand-Häufchen getreten. "Die Spaghetti sind Ausscheidungen von Wattwürmern - also Wattwurm-Kacke", sagt Werner Mansen. Er lebt auf der Nordsee-Insel Sylt. Bei Ebbe führt er Besucher über den Meeresboden. Er erklärt ihnen, welche Tiere und Pflanzen im Watt zu Hause sind. Der Wattwurm gehört zu den bekanntesten Watt-Lebewesen - obwohl man das Tier selbst eher selten zu sehen bekommt.

Sand als Nahrungsgrundlage


"Wattwürmer leben im Boden", erklärt Werner Mansen. Er hat eine Forke dabei. Damit gräbt er den Boden um - und zwar genau dort, wo ein Spaghetti-Türmchen zu sehen ist. Dann sucht er mit den Fingern im dunklen Sand - und zieht einen langen Wurm heraus, einen Wattwurm. Das Tier ähnelt einem Regenwurm. Es ist aber dicker und länger. "Ein Wattwurm kann mehr als 20 Zentimeter lang werden", sagt Werner Mansen. An der Körpermitte der Tiere stehen Kiemen ab. Damit atmen sie unter Wasser - wie ein Fisch.
Neben den Kiemen liegen kleine Borsten. "Mit ihnen kann der Wurm sich in seiner Röhre bewegen", weiß der Watt-Experte. Oder sich darin festhalten. Wattwürmer sitzen nämlich etwa 20 bis 30 Zentimeter unter der Oberfläche. Dort graben sie sich einen Tunnel, der aussieht wie ein J oder ein U. Durch ihre Röhre pumpen die Würmer Wasser in den Boden. So reichern sich mikroskopisch kleine Tierchen und Pflanzen im Sand an. Den Sand fressen die Wattwürmer. "Die Würmer nehmen mit ihren Rüsseln den Sand auf. Aus diesem filtern sie dann die klitzekleinen Tierchen und Pflanzenteile. Davon ernähren sie sich."

Keine Angst vor den Türmchen


Irgendwann aber ist der Wurm voller Sand. Den muss er natürlich loswerden. Das passiert etwa alle 40 Minuten. "Wenn der Wattwurm muss, kriecht er an der anderen Seite des Tunnels nach oben, steckt sein Schwanzende an die Oberfläche und scheidet den Sand aus", sagt Werner Mansen. Mit etwas Glück kann man das sehen. Begeistert von den Sand-Türmchen sind viele Besucher aber erst mal nicht. "Wenn ich erzähle, dass es sich dabei um Wattwurm-Kacke handelt, rufen viele erst mal: Igitt!", berichtet Werner Mansen. Eklig sei das Ganze aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil. "Der Wattwurm hat ja alle Reste aus dem Sand herausgefiltert", erklärt der Experte. Der Spaghetti-Sand ist deswegen sehr sauber. Auf die Häufchen kann man also ohne Bedenken drauftreten.
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