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Unsicherheit durch dänisches Hundegesetz : Hundeurlaub in Dänemark

vom

Die Deutschen sind weiterhin zu einem Dänemarkboykott bereit. Touristen dürfen ihre Hunde am Strand frei laufen lassen, müssen sie aber unter Kontrolle haben.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2013 | 06:03 Uhr

Apenrade/Aabenraa | Deutsche, die in Dänemark mit Hund Urlaub machen, sind angesichts des neuen dänischen Hundegesetzes verunsichert und haben Angst, ihre Ferien im nördlichen Nachbarland zu verbringen. Schuld ist der Fall des Hundes Thor, der einen anderen Hund angegriffen hatte und von der dänischen Polizei erst in Verwahrung genommen und dann später ohne juristische Prüfung eingeschläfert wurde. Bei deutschen Hundefreunden sorgt diese Praxis weiterhin für Unverständnis und Wut.

Die Polizei hatte den Verdacht, dass Thor das Blut eines American Staffordshire Terriers in sich trug - eine von 13 Hunderassen, die im neuen dänischen Hundegesetz von 2010 als Kampfhunde eingestuft werden. Das Gesetz besagt, dass wenn Hunde dieser Rassen - oder ein Mischling, der Gene dieser Rassen in sich trägt - vor dem 17. März 2010 angeschafft wurden, Besitzer ihren Vierbeiner an einer maximal zwei Meter langen Leine führen müssen. Außerdem ist ein Maulkorb Pflicht. Hunde dieser Rassen, die nach März 2010 angeschafft wurden, sind generell verboten.

Belohnung von 30.000 Kronen auf 400.000 Kronen erhöht

Thor und sein Besitzer bekamen Unterstützung von dem Verein "Fair Dog", der darauf hinwies, dass der tote Hund keiner verbotenen Rasse angehörte und Thor zunächst in einer Hundepension unterbrachte. Eine Gruppe, die sich selbst "Thors Freunde" nennt, stahl den Hund und entzog damit "Fair Dog" die Möglichkeit, aus Thor einen juristischen Präzedenzfall zu machen. "Fair Dog" wies unter anderem darauf hin, dass der Polizist, der die Entscheidung für die Einschläferung traf, nur sehr wenig von Hunden verstand.

Der Verein will deshalb Thor gerne zurück haben und hat eine Belohnung von 30.000 Kronen ausgesetzt. Mittlerweile ist der Kampf gegen das dänische Hundegesetz auch südlich der Grenze angekommen: Auf einer deutschen Facebookseite wird rege über den Fall und das Gesetz diskutiert.

Das führte dazu, dass ein anonymer Hundefreund die Belohnung auf 50.000 Kronen erhöht hat. Doch auch andere Deutsche haben sich eingeschaltet und Hinweise, die zum Fund des kleinen Hundes führen, werden nunmehr mit 400.000 Kronen honoriert - bis dato blieb die Suche aber ohne Erfolg. "Das Angebot ist absolut seriös und zeigt, wie ernst die Sache in Deutschland verfolgt wird. Wir Deutschen sind stinksauer und bereit, Dänemark zu boykottieren. Und das bezieht sich nicht nur auf die Tourismusbranche, sondern auch auf dänische Firmen wie beispielsweise Lego", sagt Sabine Gradischig von "Fair Dog".

"Man erschießt nicht einfach Hunde von Touristen"

Auch die deutsche Organisation "Tasso" warnt seine Mitglieder davor, ihren Hund mit nach Dänemark in Urlaub zu nehmen. Das Hundegesetz sagt nämlich auch, dass Hunde von Touristen, die einen anderen Hund beißen oder sogar zerfleischen, eingeschläfert werden dürfen. Der dänische Botschafter in Berlin hat auf die Unruhen der deutschen Hundehalter reagiert und einen Text auf die Homepage gestellt, in dem er unterstreicht, dass nur ganz wenige Hunderassen von dem Gesetz betroffen seien und gewöhnliche Touristen keine Angst haben müssten, ihren Hund mit nach Dänemark zu nehmen.

Eine Einschätzung, die Jan Haapanen, Chef der Firma Novasol, die Ferienhäuser vor allem an Deutsche vermietet, so nicht stehen lassen will: "Man erschießt nicht einfach Hunde von Touristen und man soll schon gar nicht damit drohen!" Haapanen setzt sich vehement dafür ein, dass das Gesetz auf den Prüfstand kommt und gegebenenfalls geändert wird.

Helle Lundberg, Pressesprecherin von Syd- og Sønderjyllands Politi, erklärte allerdings gegenüber dem Nordschleswiger, dass die Polizei keine Kontrollen am Strand durchführt, wenn Touristen mit ihren Hunden spazieren gehen. "So etwas tun wir nicht und wir werden auch erst aktiv, wenn ein konkreter Fall vorliegt, also ein aggressiver Hund auffällig geworden ist und einen Menschen oder ein anderes Tier verletzt hat." Wichtig sei, dass die Hundebesitzer ihre Hunde unter Kontrolle haben, damit niemand zu Schaden kommt und keine Gefahr besteht. Dann gebe es auch keine Probleme, wenn Hunde am Strand von der Leine gelassen werden, betonte Lundberg. Allerdings hätten gerade Familien mit Kindern oftmals Angst vor freilaufenden Hunden.

Dass das Hundegesetz zu Irritationen geführt hat, räumt mittlerweile auch Ministerin Mette Gjerskov (Soz.) ein und überlegt nun, ob man das Gesetz noch einmal genau unter die Lupe nimmt - Änderungen am Gesetz sind nicht auszuschließen. Derweil geht der Widerstand gegen die dänische Verordnung weiter. Auch in Südschleswig, wo am Sonnabend, 30. März, der Verein "Dogsguard"von 10 bis 17 Uhr auf dem Rathausplatz in Kappeln über das Ausmaß der Proteste und die Möglichkeiten des Widerstands informieren will.

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