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Urteil : Hunderettung mit Bewährungsstrafe

vom

Aufruhr in Dänemark: Ein Polizist wollte einen Schäferhund vor dem Tod bewahren – Die Richter halten dies aber für ein Dienstvergehen.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2013 | 06:42 Uhr

Helsingør | 60 Tage Gefängnis auf Bewährung für den Entführer von Schäferhund Thor, so das Urteil des Gerichtes in Helsingør. Der Angeklagte legte sofort Berufung ein, denn wenn das Urteil gültig wird, verliert er seinen Job: Ein spektakulärer Gerichtsprozess, der auch im Ausland - besonders unter Tierfreunden in Deutschland große Beachtung, aber auch Empörung gefunden hat - fand gestern Vormittag in Helsingør statt.
Es ging um den Schäferhund Thor, der von dem inzwischen landesweit bekannten Polizeiassistenten Lars Bo Lomholt im Mai dieses Jahres kurz vor seinem Tod an einen bisher unbekannten Ort entführt worden war. Die Verteidigerin Karoline Normann plädierte einleitend auf Straffreiheit und verglich den Fall mit der Tamilenaffäre, die Anfang der 90er die Schlüter-Regierung kippte. Hier sei die Sache ganz anders, denn hier gebe es einen Beamten, der Courage gezeigt habe. Der habe nicht länger mitspielen wollen.

Alles sei geplant gewesen

Der 42-jährige Lomholt selbst gab zu, seine Dienstpflicht verletzt und Urkundenfälschung begangen zu haben, als er Thor entführte. Das habe er getan, weil er die Bearbeitung der Sache bei der Polizei als unsachlich empfunden habe. Das sei ihm aufgegangen, als er auf der Wache in die Akten schaute.
Das Gericht stellte aber fest, dass dies schon ein schwerwiegendes Vergehen gewesen sei. Lomholt habe zudem als Polizist und mit Dienstwagen agiert. Und alles sei genau geplant und mit anderen abgesprochen gewesen, so Richter Mikael Rasmussen. Der Richter stellte auch fest, dass es sich ja anfangs nicht um einen Protest gegen das Hundegesetz gedreht habe, sondern lediglich darum, den Hund zu entfernen. Rund 40 Tierfreunde waren vor dem Gericht erschienen. Nur sieben fanden Einlass aber mehr als 100.000 haben per Unterschrift Lomholt unterstützt. Thor hätte im Januar getötet werden sollen.
Als ein Polizeibeamter ihn abholte, schien alles wie geplant zu laufen. Aber es war Lomholt, der aus Protest gegen das umstrittene dänische Hundegesetz Thor aus dem Hundeheim in Hillerød in Sicherheit brachte und dabei in Polizeiuniform die Unterschrift bei der Auslieferung mit einem anderen Namen fälschte. Seine Verteidigerin verwies auf den Gewissensnotstand.

Wie alles begann

Der Fall Thor begann im September, als Thor bei einem Spaziergang mit seiner Besitzerin einen kleinen Hund angegriffen und gebissen haben soll, der dabei eine Entzündung erlitt. Der Besitzer meldete den Vorfall bei der Polizei, die zunächst eine Geldstrafe gegen die Besitzerin von Thor verhängte, die auch prompt das Bußgeld bezahlte. Doch einige Monate später tauchte die Polizei bei ihr auf und beschlagnahmte den Hund unter Hinweis auf das Hundegesetz, das eine solche Maßnahme vorsieht, wenn ein Hund ein anderes Tier angegriffen und gebissen hat. Die Möglichkeit, den Fall vor Gericht prüfen zu lassen, gab es nicht. Die Entscheidung lag allein bei den Juristen der Polizei, die das Todesurteil gegen Thor verhängten.
Doch am Abend vor der Vollstreckung tauchte Lomholt auf und rettete den Schäferhund. Die unabhängige Polizeibehörde griff ein und erhob Anklage gegen den Polizeibeamten, der auch gleich von seinem Dienst bei Nordsjællands Politi suspendiert worden war. Seit Einführung des umstrittenen Hundegesetzes sind in Dänemark insgesamt 300 Hunde getötet worden.

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