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Tierschutz : Hoffnung für Problemhunde

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Im Lissi-Lüdemann-Haus des Deutschen Tierschutzbundes werden Hunde mit Verhaltensproblemen therapiert. Dies setzt eine intensive "Kennenlernphase" voraus.

Kappeln | Duncan ist ein Pitbull, "ein eigentlich lieber Hund, der aber mit Erregungssituationen nicht zurechtkommt", wie Katrin Umlauf es beschreibt - zudem Angehöriger einer Rasse, die in Schleswig-Holstein unter das Hundegesetz fällt, mit entsprechenden Auflagen für seine Haltung. Turbo stammt aus einem Animal Hoarding-Fall, kam als Welpe her, ohne Umwelterfahrung und Sozialisation. Duncan und Turbo sind zwei der derzeit 17 vierbeinigen Bewohner des Lissi-Lüdemann-Hauses im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld in Kappeln. Eines Hauses, in dem der Deutsche Tierschutzbund Hunden mit Verhaltensproblemen eine zweite Chance ermöglicht.
Mal handelt es sich um behördlich beschlagnahmte Tiere, mal um welche, die ausgesetzt oder in einem Tierheim abgegeben wurden. Immer sind es Hunde, die die örtlichen Tierheime nicht mit gutem Gewissen an neue Besitzer vermitteln können, weil sie sich verhaltensauffällig zeigen, überängstlich etwa oder gar aggressiv gegenüber Artgenossen oder Menschen. Im nach seiner Stifterin benannten Lissi-Lüdemann-Haus werden die Tiere zunächst über einen längeren Zeitraum beobachtet um zu erkennen, in welchen Situationen und auf welche Reize sie kritisch reagieren. Dann erstellt Katrin Umlauf, wissenschaftliche Leiterin der Einrichtung, einen individuellen Therapieplan. Die Verhaltenskorrektur kann beginnen. Beschäftigung und Gehorsamsübungen, Zuwendung, Spiel, Leinentraining, alles verbunden mit viel Lob und Belohnung, gehören dazu.

Intensiver Gesundheitscheck für Neuankömmlinge

Ob Cane Corso Ernie, der sich nicht mit Artgenossen vertragen wollte, oder Deutsch Drahthaar Fletscher, der jahrelang fast täglich allein in einer Wohnung eingesperrt war und sich aus Verzweiflung drinnen als Möbelzerstörer, draußen als Jogger-Jäger betätigte: "Meist resultiert das Fehlverhalten der Hunde aus dem Fehlverhalten oder Unwissen der Züchter oder früheren Besitzer", weiß Katrin Umlauf. Gar nicht selten sind auch unerkannte gesundheitliche Probleme.
Darum werden Neuankömmlinge in Weidefeld immer zuerst einem gründlichen Gesundheitscheck unterzogen. Ernie, Fletscher und viele andere haben es geschafft. Sie leben nach erfolgreicher Therapie heute in einem neuen Zuhause bei erfahrenen Menschen.
Seit Gründung der Einrichtung im Jahr 2002 wurden 21 Hunde, die zuvor als unvermittelbar galten, wieder eingegliedert. "Fast jeder Hund ist therapierbar", ist Verhaltensbiologin Umlauf überzeugt. Aber nicht immer gelingt die Vermittlung. Der 14 Jahre alte Kai etwa ist seit 2006 in Weidefeld, wegen eines ungeklärten Beißunfalls. Umlauf vermutet Schmerzen als Ursache. Denn der Schäferhund-Collie-Mix, der sich hier freundlich und souverän zeigt, litt schon bei seiner Ankunft an Hüftgelenksdysplasie. Seine Betreuer geben die Hoffnung nicht auf. "Aber auch bei uns geht es ihm gut, er liebt seine Rituale", sagt Tierpflegerin Madeleine Kulpe. Ziel der Arbeit aber bleibt die Wiedereingliederung - bleibt ein neues Zuhause für die therapierten Hunde.

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erstellt am 23.Jun.2013 | 06:45 Uhr

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