zur Navigation springen

Geschäft mit Babyblick: Tierschutz warnt vor Online-Welpenhandel

vom

Dortmund (dpa) - Kulleraugen und Samtfell: Wer kann den Werbebildern für Hundebabys widerstehen? Sollte man aber, mahnen Tierschützer. Mit einer Kampagne gehen sie gegen Anbieter von Billigwelpen vor.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Dortmund (dpa) - Kulleraugen und Samtfell: Wer kann den Werbebildern für Hundebabys widerstehen? Sollte man aber, mahnen Tierschützer. Mit einer Kampagne gehen sie gegen Anbieter von Billigwelpen vor.

Flauschig und mit treuem Welpenblick - noch dazu reinrassig mit Impfpapieren: Das Inserat im Internet mit dem zum Verlieben niedlich dreinschauenden Hundebaby passt so gar nicht zu den Bildern, die Tierschützer zeichnen, wenn sie vor den dubiosen Geschäften der «Welpenmafia» warnen.

«Was wie eine Anzeige einer privaten Zucht aussieht, führt dann zu einem Parkplatz», schildert Martina Stephany von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Im Kofferraum würden duzende Hundewelpen zum Verkauf angeboten. Sie stammten nicht selten von bandenmäßig organisierten Händlern aus Osteuropa, schwerpunktmäßig aus Polen, Tschechien, Rumänien und Ungarn.

Dort würden sie oft in viel zu kleinen, unhygienischen Verschlägen «massenweise produziert», sagt Stephany. Dabei werden sie den Beobachtungen der Tierschützer zufolge häufig viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Spätere Verhaltensauffälligkeiten können die Folge sein. «Den süßen Welpen sehen sie nicht an, dass sie später einmal aggressiv gegen Familienmitglieder werden können», sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH).

Vier Pfoten und der VDH sind gemeinsam mit weiteren Tierschutzorganisationen Partner der Kampagne «Wühltischwelpen, nein danke», die im Vorfeld der Messe Hund & Heimtier (10. bis 12. Mai in Dortmund) vorgestellt wurde.

Was Züchtern, Tierärzten und Hundeliebhabern ebenso Sorge bereitet: Eine Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Welpenhandel unter über 300 Hundebesitzern hat ergeben, dass rund die Hälfte der zum Spottpreis angebotenen Hündchen so krank ist, dass sie von einem Tierarzt behandelt werden müssen.

So wird aus dem Billighund plötzlich ein echter Kostenfaktor, der einige Spontankäufer überfordert: Behandlungskosten bis 2500 Euro sind laut VDH keine Seltenheit. «Veterinäre, die uns beraten, befürchten außerdem die Rückkehr von gefährlichen Krankheiten wie Staupe und Tollwut», berichtet Stephany. «Wir müssen weg von dieser Schnäppchen-Mentalität», mahnt Udo Kopernik vom Hundeverband VDH. Farbe oder Promi-Faktor zählten für viele Hundekäufer mehr als die Frage, ob der Hund zum Halter passe. «Einen seriösen Züchter erkennen sie auch daran, dass er Sie mit Fragen löchert», sagt Kopernik. Im Gegensatz zum dubiosen Händler, dem nur am schnellen Geld gelegen sei und nicht am Tier, sorge sich ein guter Züchter immer auch darum, dass sein Hund in die richtigen Hände komme.

«Es ist ein wachsender Markt. Und es ist ein Millionengeschäft», sagt Stephany von Vier Pfoten. Genaue Zahlen über das Ausmaß des Welpennetzwerkes gebe es nicht. «Deshalb fordern wir eine europaweite Registrierungspflicht», sagt sie. In der Intransparenz gedeihe das Geschäft mit dem flauschigen Nachwuchs bestens. Wären Hunde mit einem Chip ausgestattet, so Stephany, der Herkunft und Impfstatus speichert, wäre es leichter, die Aufzuchtbedingungen zu kontrollieren und illegalen Machenschaften einen Riegel vorzuschieben.

Homepage von Hund & Heimtier

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen