Tierwelt Schleswig-Holsteins : Frühlingsgefühle

Ausdauernd zwitschert der Star sein Hochzeitslied. Foto: Schulz
1 von 6
Ausdauernd zwitschert der Star sein Hochzeitslied. Foto: Schulz

Der Frühling ist da. In Bergenhusen klappern die ersten Störche, auf Nordstrand kommen die Osterlämmer zur Welt. Holger Schulz hat das Erwachen der Tierwelt mit der Kamera beobachtet.

shz.de von
04. April 2010, 01:35 Uhr

Von Tag zu Tag gewinnt die Sonne mehr Kraft. Lila blühen die Krokusse, und gelbe Winterlinge drängen ans Licht. Die Natur erwacht – der lange Winter ist endlich vorbei. Pfeifend und zwitschernd begrüßen die Vögel den Frühling. Energisch umwerben die Spatzenmänner ihre Weibchen, während Kohl- und Blaumeisen bereits Grashalme und Moos in die Nistkästen tragen. Über den Wiesen und Mooren trillern die Brachvögel, und die ersten Störche klappern auf den Dächern.
Pünktlich, wie in jedem Jahr, stehen in der Vogelwelt die Zeichen auf Hochzeit. Frühlingsgefühle überall, als hätte die Natur einen Schalter umgelegt. Aber woher wissen die Gefiederten, dass es Zeit ist, mit dem Brutgeschäft zu beginnen? Der wichtigste Faktor ist die Dauer der Tageszeit, auch Photoperiode genannt. Sie steuert das jahreszeitliche Leben der Vögel und vieler anderer Lebewesen. Die zunehmende Tageslänge im zeitigen Frühjahr regt die Produktion von Sexualhormonen an. Der scheinbar so fröhliche Gesang der Vögel ist in Wirklichkeit eine ernste Sache: Er signalisiert den Partnern die Bereitschaft zur Paarung und hält Rivalen aus dem eigenen Revier fern. Bald darauf liegen die ersten Eier im Nest.
Aber was, wenn trotz "passender" Tageslänge wegen schlechten Wetters das Futter für die Jungen noch fehlt? Dann greift das "Feintuning", das die Brutzeit mit der vorhandenen Nahrung synchronisiert. So nisten z.B. unsere Gartenvögel am frühesten dort, wo während des Winters ausgiebig gefüttert wurde. Einige Vogelarten haben sich sogar weitgehend vom Taktgeber Tageslänge gelöst. Der Fichtenkreuzschnabel schreitet nur dann zur Brut, wenn Fichtensamen, seine wichtigste Nahrung, verfügbar sind. Manchmal zahlt es sich eben aus, flexibel zu sein.
Und wir Menschen? Dank Kunstlicht, Pille und Freiheit der Liebe hat unsere Fortpflanzung mit der Tageslänge nur noch wenig zu tun: Die meisten Babys werden nicht etwa im Wonnemonat Mai gezeugt, sondern im späten Herbst, wenn es drinnen warm und kuschelig ist. Trotzdem sind auch bei unseren Frühlingsgefühlen Hormone im Spiel: In der dunkleren Jahreszeit hat uns das Schlafhormon Melatonin fest im Griff. Im Frühjahr dagegen, mit zunehmender Helligkeit, steigt der Pegel des Glückshormons Serotonin – und das lässt uns den Frühling spüren.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen