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Zugvögel : Fliegende Glücksbringer

vom

Jedes Jahr legen Schwalben viele tausend Kilometer zurück,

um bei uns zu brüten. Doch die größte Herausforderung

steht ihnen bei der Ankunft erst noch bevor.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 05:49 Uhr

Sie sind wunderschön, die Flugkünstler mit ihrem blauschwarz glänzenden Gefieder und ihrem langen Gabelschwanz. Es sind Rauchschwalben. Ihre Halbschalen-Nester findet man bevorzugt in Unterständen, Garagen und bei manchen Vogelfreunden sogar im Hausflur. Anders die Mehlschwalben, die nahezu geschlossene Nester hoch oben an der Hauswand bauen. Jedes Jahr kommen die Schwalben zu uns, um hier zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen. Als Langstreckenzieher, die immerhin bei jeder Reise von Südafrika kommend rund 10.000 Kilometer zurücklegen, sind sie darauf programmiert - sie können einfach nicht anders.
Die Ankunft jedes Jahr variiert höchstens um wenige Tage. Man kann es sich im Kalender anstreichen und ihre Ankunft erwarten oder über www.ornitho.de verfolgen - Meldungen sind übrigens willkommen. Sind sie erst einmal heil angekommen, sind Partnersuche und Nestbau ihre ersten Aktivitäten. Mehlschwalben brüten gern in Kolonien, Rauchschwalben dagegen haben gern einen gewissen Abstand zu ihren Artgenossen. Für den Nestbau benötigen Schwalben Lehmpfützen, die allerdings zunehmend fehlen, weil immer mehr Plätze und Wege befestigt sind. Wer Schwalben also helfen möchte, bietet ihnen Lehmpfützen oder alternativ Kunstnester an. Richtig angebracht, werden auch sie gerne angenommen. Ein kleines Kotbrettchen darunter verhindert die Beschmutzung der Umgebung. Eine weitere Möglichkeit ist, Melhschwalben Schwalbenhäuser anzubieten. Auch Unterkünfte für Fledermäuse passen da noch mit hinein. Schwalben sind übrigens gesetzlich geschützt und selbst die mutwillige Entfernung der Nester außerhalb der Brutzeit ist eine Ordnungswidrigkeit.

Fluginsekten als Wegweiser


Pro Brutsaison gibt es - je nach Nahrungsangebot und Witterung - zwei, in seltenen Fällen sogar drei Bruten mit je drei bis sechs Jungen. Das ist ohne Fleiß nicht zu schaffen, aber das allein reicht nicht. Es müssen auch genügend Insekten vorhanden sein. Früher gab es in jedem Dorf Ställe und Misthaufen und damit auch viele Insekten. Das hat sich geändert. Heute sind Ställe steril und abgeschottet, Misthaufen sind Güllebehältern gewichen, und wenn dann noch im Sommer Kältephasen mit viel Regen dazukommen, ist es innerhalb kürzester Zeit um die Jungen geschehen. Die Eltern stellen die Fütterung ein und die Kleinen sterben. Sind die Bedingungen aber normal, sind die Eltern täglich 15 Stunden unterwegs auf der Jagd nach Fliegen, Mücken und Blattläusen.
Schwalben orientieren sich bei ihrer Flughöhe am Vorkommen ihrer Beutetiere, den Fluginsekten. Diese befinden sich je nach Luftdruck in höheren oder tieferen Luftschichten, und deshalb ist der Flug der Schwalben seit jeher ein Erkennungszeichen für Wetteränderungen. Jungvögel werden bei ihren ersten Flugübungen von ihren Eltern und anderen erwachsenen Vögeln begleitet und abends wieder ins Nest zurückgeführt. Beim so genannten "Hassen" führen sie in Gruppen Scheinangriffe auf Feinde aus und verteidigen so ihre Jungen oder die Kolonie.
Früher waren Schwalben massenhaft in unseren Dörfern vorhanden und galten als Glücksbringer. Heute gibt man sich viel Mühe, ihre Nester zu entfernen, nur um keinen Dreck im oder am Haus zu haben. Und so mühen sich manche Schwalbenpaare den ganzen langen Sommer über, ein Nest zu bauen - oft vergeblich. Sie ziehen dann ohne Bruterfolg wieder in den Süden. Im nächsten Jahr versuchen sie es wieder - sie können nicht anders.
Die Autorin arbeitet in der Abteilung Naturschutz und Forst im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

Schwalben - Fakten


Arten in Mitteleuropa: Rauchschwalben, Mehlschwalben, Uferschwalben

Nahrung: Alle fliegenden Insekten

Fressfeinde und sonstige Todesursachen: Greifvögel, Spechte und gelegentlich Säugetiere Schlechtwetterperioden mit Kälte und Nahrungsmangel

Fortpflanzung: Für Rauchschwalben ist eine dauerhafte Paarbindung üblich. Männchen müssen sich allerdings jedes Jahr neu beweisen.

Lebenserwartung: Durchschnittlich zwei Jahre. Für Mehlschwalben sind für Einzeltiere auch 10 bis 14 Jahre belegt.

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