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Überraschungsfang : Fischer zog Zuchtstör aus der Ostsee

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Ein Hiddenseer Fischer hat einen kapitalen Stör in der Ostsee gefangen. Das Tier stammt vermutlich aus einer Zuchtanlage und ist dort offenbar bereits als Jungtier ausgebüxt.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 04:18 Uhr

Ein Fischer von der Insel Hiddensee hat einen kapitalen Stör aus der Ostsee gezogen. Die Fische gelten zwar in der Ostsee als ausgestorben, doch so groß wie erst angenommen war die Sensation dann doch nicht . Das 1,60 Meter lange Tier war dem Dorschfischer am 8. Mai vor der Darß-Küste ins Stellnetz gegangen.
Experten des Deutschen Meeresmuseums haben das Tier am Donnerstag untersucht. Danach handelt es sich um einen Hybrid - vermutlich aus den Störarten Sterlet und Hausen -, einen sogenannten "Bester", sagte der Wissenschaftliche Kurator Timo Moritz. Hybriden würden in der Regel in Aquakulturen gehalten.

Fisch lebte schon länger in Freiheit


Nach Angaben des Wissenschaftlers ist das mindestens sieben Jahre alte Tier offenbar ein "Gefangenschaftsflüchtling". Dieser sei bereits als Jungtier aus Teichen über Zuflüsse in die Ostsee gelangt und lebte seiner Einschätzung zufolge schon länger in der Ostsee. Das Beispiel zeige, dass es keine hundertprozentige Sicherheit in Zuchtanlagen gebe, sagte Moritz.
Vor rund drei Jahren war in der Ostsee ein Sternhausen gefangen worden. Auch er stammte vermutlich aus einer Zuchtanlage. Dass der Stör ausgesetzt wurde, hält Moritz für unwahrscheinlich."Die Tiere haben einen enormen Wert."
In der Branche gebe es einen Markt für Störe. Das Tier stammt auch nicht aus der Anlage des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Kaviarproduzenten, Russian Sturgeon. "In Demmin werden keine Hybriden gehalten", sagte der Chef des zuständigen Veterinäramtes, Guntram Wagner.

Störe gelten in der Ostsee als ausgestorben


Ursachen für das Aussterben des Kaviar-Fisches seien Umwelteinflüsse, die fehlende Durchlässigkeit an Gewässern für den Wanderfisch und die Überfischung. Die letzte Vermehrung des heimischen Störs hatte nach Angaben der Forscher um 1950 stattgefunden. Der letzte lebende Fisch war 1996 vor Estland gefangen worden. Seit 1998 wird er auf der Roten Liste als verschollen oder ausgestorben geführt
.Inzwischen setzt die Gesellschaft zur Rettung des Störs mehrmals im Jahr kleine Störe im Einzugsgebiet von Oder, Weichsel sowie in der Ostsee aus. Fischexperte Moritz schloss aus, dass das Tier aus diesem Stör-Wiederansiedlungsprojekt stammt. Denn die typische Marke, die "Ostseestöre" tragen, fehlte.

Gutes Zeichen: Stör konnte in der Ostsee überleben


Moritz konnte dem Fund aber auch positive Seiten abgewinnen: Das Tier habe vermutlich bereits mehrere Jahre in der Ostsee überlebt und gute Lebensbedingungen vorgefunden. Der Stör galt als gut genährt. Nach Angaben des Meeresmuseums hatte der Fischer nach dem ungewöhnlichen Fang umgehend die Fischereiaufsicht informiert, die wiederum das Deutsche Meeresmuseum in Kenntnis gesetzt hatte.
Der Stör habe zwar zunächst noch gelebt, sei aber bereits schwer geschädigt gewesen, so dass er keine Überlebenschance hatte. Die kleinen Knochenplättchen seien typisch für Sterlets, während das kurze Maul und die abgeflachten Barteln typische Merkmale des Hausen seien.
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