zur Navigation springen

Vogelbabys : Falsche Tierliebe gefährdet Wildvögel

vom

Jungtiere sind während der Brutzeit nicht so hilflos, wie viele denken. Katzen jedoch bedrohen die heimischen Vögel.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2013 | 11:59 Uhr

Eckernförde | Besorgte Tierfreunde sammeln immer öfter Wildvogel-Jungtiere auf, obwohl die Tiere gar keine Hilfe brauchen. Diese falsch verstandene Tierliebe gefährdet die noch nicht flugfähigen Vögel mehr, als wenn sie am Boden blieben. Doch auch Hauskatzen stellen eine Bedrohung dar.
Bereits sechs Wildvogel-Junge sind in der Kleintierpraxis von Dr. Charlotte Trede an der Noorstraße in dieser Brutsaison abgegeben worden - viel mehr als sonst. "Die Tiere wurden unnötigerweise aufgelesen", sagt Tierärztin Stefanie Knaup, die in der Praxis arbeitet. Alle Vögel befanden sich im Ästlingsalter, in dem die Jungtiere bereits voll befiedert sind, aber noch nicht fliegen können. Sie verlassen das Nest eigenständig und werden von ihren Eltern auch am Boden versorgt. "In diesem Alter sehen die Vogelbabys zwar hilfebedürftig aus, sind es aber nicht", sagt Stefanie Knaup. Wer so einem Vögelchen begegne, solle es zunächst beobachten. Erst wer sicher sei, dass es nicht versorgt wird, kann es aufsammeln und zum Tierarzt oder zur Vogelauffangstation in Weidefeld bringen.
Dort werden die Tiere artgerecht aufgezogen und ausgewildert. Sie warnt vor dem Versuch, sie selbst aufzuziehen. "Sie sind schwer zu versorgen, weil sie bereits eine natürliche Aversion gegen den Menschen ausgebildet haben." Deshalb sind bereits drei der sechs abgegebenen Vögel in der Praxis gestorben. Zurzeit zieht Tierarzthelferin Lilli Silz einen Spatz und zwei Dohlen auf.

Katzen holen Vögel aus Nestern

Leichter seien Nestlinge zu versorgen - aber auch nur für Experten. Diese Entwicklungsphase finde laut Stefanie Knaup vor dem Ästlingsalter statt. Die Vögel seien dann noch nicht voll befiedert. Am Boden außerhalb des Nestes seien sie völlig hilflos und kühlten aus. Ihr Rat für Finder: Wenn ein Nest zu sehen ist, sollten Finder es wieder hineinsetzen und beobachten. Wenn die Eltern es wieder hinauswerfen, sollte das Tier zum Arzt oder zur Auffangstation gebracht werden. Dort bekommt es das richtige Futter, das Laien der Tierärztin zufolge nicht korrekt auswählen können.
Ob Nestling oder Ästling - Hauskatzen wittern leichte Beute, wenn sie noch flugunfähige Vögel auf dem Boden erspähen. Grausige Funde mache Gerhard Müller nach eigenen Angaben regelmäßig im Garten seiner Tochter an der Sonderburger Straße. Vögel mit abgebissenen Köpfen oder aufgerissenen Rücken habe er bereits gesehen. Sein Verdacht ist, dass Katzen die Vögel sogar aus den Nestern holen.
Auch der Naturschutzbeauftragte der Stadt, Michael Packschies, hat von ähnlichen Fällen gehört, in denen junge Amseln von Katzen gerissen wurden, einen auch selbst gesehen. "Es gibt eben viele Katzen. In der Brutzeit ist der Konflikt damit vorherbestimmt", sagt er. Die Stadt erkenne jedoch keine Tendenz, dass Katzen die heimischen Vogelarten in ihrem Bestand bedrohen.
Gerhard Müller fordert: "Besitzer sollten ihre Katzen während der Brutzeit einsperren." Vorsichtiger formuliert es Jürgen Schmidt vom Naturschutzbund: "Auch wenn es schwierig ist, sollten Katzenhalter ein Auge auf ihre Lieblinge haben und versuchen, sie auf dem eigenen Grundstück zu halten." Stefanie Knaup empfiehlt, von Katzen gefangene Vögel zum Tierarzt zu bringen, sofern sie nicht zu schwer verletzt sind. "Die meisten sterben nach einem Angriff aber am Schock."
Auffangstation Weidefeld: Tel. 04642/987253a

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen