Arche Warder : Ein "lebendes Museum"

Direktor Kai Frölich zusammen mit den Turopolje Schweinen, die akut vom Aussterben bedroht sind. Foto: dpa
Direktor Kai Frölich zusammen mit den Turopolje Schweinen, die akut vom Aussterben bedroht sind. Foto: dpa

Statt brüllender Löwen und trampelnder Elefanten gibt es tauchende Schweine und quakende Enten: Der Tierpark Arche Warder zeigt exotische Haustiere.

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10. Juni 2013, 12:20 Uhr

Als Kai Frölich das Gatter betritt, glaubt man, in einer anderen Welt zu sein. Fette Schweine trotten friedlich grunzend einen Hügel hinab auf ihn zu, Enten watscheln mit lang gestrecktem Hals hinter ihm her. Und etwas weiter weg stolziert ein bunter Hahn mit lautem Krähen. In diesem Moment präsentiert sich der Tierpark Arche Warder als eine Bauernhof-Idylle, die es so eigentlich nur in alten Kinderbüchern gibt. "Der Park soll als lebendes Museum fungieren", erklärt Warder-Chef Frölich. Auf dem 40 Hektar großen Areal ist fast alles künstlich angelegt: Die Seen und Teiche ebenso wie der Wasserfall, der Bach ist renaturiert.
Auch die Zäune sind nicht einfach in die Landschaft "gestellt", sondern zum Teil bewusste Kombinationen aus Holz- und Stein-Elementen. In anderen Fällen sollen sie mit ihrer Umgebung möglichst unsichtbar verschmelzen - wie der Elektrozaun im Gehege der scheuen Walachenschafe, erklärt Frölich. So habe man nicht das Gefühl, in einem Tierpark zu spazieren.Arche Warder sei "eine Kultur-nahe Naturlandschaft", meint Frölich. Man solle nicht nur zum Tiere gucken kommen, sondern auch die Landschaft auf seinen Spaziergängen genießen, erklärt der Tierpark-Chef sein Konzept.

Die Gesundheit der Tiere steht im Vordergrund

Besonders stolz ist Frölich auf die Schweine-Gehege. "Die Idee kam mir beim Film "Herr der Ringe"", erzählt er. Jetzt wohnen die Arche-Schweine in Höhlen unter geschwungenen Hügeln mit eigenem "Pool", eigenem Sandbereich und einer Schlamm-Suhle. Ein Fünf-Sterne-Gehege für Schweine, in denen es keinen Platz gibt für Verhaltens-Anomalien. "Das bedeutet nicht: Die Tiere nur laufen lassen, sondern eine sehr durchdachte tiermedizinische Versorgung." Denn in der freien Natur gibt es viele Erreger, die man auf einem hygienischen Fußboden nicht findet. Also müssen sie geimpft und entwurmt werden. Das gilt auch für die robusten Turopolje-Schweine.
Die friedlichen Tiere stammen aus den Flussauen der Save in Slowenien und Kroatien und unterscheiden sich grundsätzlich von allen anderen Schweinerassen, erzählt Frölich. Sie haben Schwimmhäute und tauchen in ihrer Heimat nach Muscheln. Die Turopolje-Schweine waren früher die wohl typischste Schweinerasse an der oberen Save-Niederung. Durch indirekte Folgen des 1991 ausgebrochenen Krieges in Kroatien wurde der Bestand der bis zu 250 Kilogramm schweren Tiere jedoch stark dezimiert. So gab es 1993 nur noch einen einzigen Hirten mit etwa 20, 30 reinrassigen Turopolje-Schweinen, erzählt Frölich.

Manche Tiere benötigen mehr Aufmerksamkeit als andere

Wichtig sei ihm, für die Menschen einen Freiraum zu schaffen in einer natürlichen Umgebung mit den Tieren. Dazu gehört auch ein kleiner Nutz- und Blumengarten mit zum Teil alten Pflanzen. Er ist nicht nur für Kinder gedacht, denn einige Menschen haben Erbsen oder Kartoffeln noch nie als Pflanze gesehen, erklärt Gärtnerin Irmgard Fillbrandt. Wer will, darf auch pflücken und probieren - zum Beispiel den Guten Heinrich, ein aromatisches Wildgemüse, das im Mittelalter auch als Heilpflanze und zum Färben genutzt wurde. Vier Stunden dauert eine Runde durch den Park im Schnelldurchgang, schätzt Frölich. Zu lange für einen Pfleger, der schnell zu seinen Tieren muss, erzählt Thomas Petersen.
Wegen einer Regenwolke am Horizont "zuckelt" er gerade auf einem Elektro-Fahrrad zu den Poitou-Eseln. "Das Fell der Eselfohlen ist noch sehr weich und fluffig", erzählt er. "Wenn sie nassgeregnet sind, und es kommt noch ein kalter Wind, können sie eine Lungenentzündung bekommen. Deshalb müssen wir die Poitou immer sehr bemuttern." Warum der Mensch bei der Zucht helfend eingreifen muss? "Es sind Haustiere, und keine Wildtiere", erklärt Frölich. "Die sind domestiziert worden und brauchen zum Überleben die Obhut des Menschen." Deshalb übernachten die Tierpfleger in der Arche, wenn die Tiere hoch tragend sind, und überwachen die Geburt. "Komplikationen können immer auftreten. Dann muss der Tierarzt kommen und Geburtshilfe leisten", sagt Frölich.

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