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Leuchtkäfer : Ein Irrlicht in der Nacht

vom

Glühwürmchen scheinen im Dunkeln. Mit dem Leuchten locken sie

Partner oder Beute an und verjagen Fressfeinde.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2013 | 02:33 Uhr

Man entdeckt sie nur in stockfinsterer Nacht, meist mitten im Sommer - Glühwürmchen. Dabei sieht man gar nicht sie selbst, sondern nur ihren Lichtschein. Einen leuchtenden Punkt in der Dunkelheit, mal irgendwo im Geäst, dann wieder als Irrlicht, das unberechenbar durch die Nacht gaukelt. Ein Wurm, der fliegt? Irgendwas anderes muss das doch sein. Und tatsächlich sind Glühwürmchen keine Würmer, sondern Käfer. Etwa 2000 Arten sind auf der Welt verbreitet, aber nur drei leben bei uns in Deutschland. Lampyridae, Leuchtkäfer, heißt die Insektenfamilie, die die Menschen fasziniert und manchmal auch ängstigt.
Wie aber kommt es dazu, dass Tiere leuchten? Als Biolumineszenz bezeichnen die Wissenschaftler die Fähigkeit von Lebewesen, durch chemische Reaktionen in ihrem Körper Licht zu erzeugen. Meist findet dieser Vorgang in speziellen Leuchtorganen statt, manchmal aber auch, besonders bei Einzellern und Bakterien, im Zellplasma. Leuchtet das Tier selbst, so spricht man von primärem Leuchten. Andere Lebewesen dagegen, manche Fische zum Beispiel, beherbergen in ihrem Körper symbiontische, leuchtende Bakterien. Ihr Leuchten wird als sekundär bezeichnet.

Leuchtzellen mit Salzkristallen

Biolumineszenz: Die Lichtquelle der Zukunft? Was kompliziert und wie das Ergebnis von Laborexperimenten anmutet, ist in Wirklichkeit ein Resultat der Evolution. Im Falle der Leuchtkäfer und vieler anderer Insekten ist es ein Enzym, ein biochemischer Katalysator, das den Prozess des Leuchtens anschiebt. Die sogenannte Luciferase setzt den Stoff Luziferin, unter Zuhilfenahme von Sauerstoff, chemisch um. Dabei wird Energie in Form von Licht freigesetzt. Dieser chemische Vorgang kann von den Käfern gezielt gesteuert werden. Die Insekten können ihre Lampe quasi ein- und ausschalten. Die Effizienz, das heißt die Energieausbeute der "tierischen Lampen", liegt bei bis zu 95 Prozent - sie ist somit um ein Vielfaches höher als alles, was wir Menschen bisher als Lichtquelle erfunden haben.
Erzeugt wird das Leuchten bei den Käfern in speziellen Leuchtzellen. Diese "Laternen" sitzen oft unter transparenten "Fenstern". Zum Körperinneren hin sind sie mit reflektierenden Salzkristallen besetzt, die die Leuchtkraft weiter verstärken. Wozu aber dient dieser ganze Aufwand? Die meisten Insekten sehen zu, dass sie möglichst unauffällig bleiben, um Feinden nicht zum Opfer zu fallen. Leuchtkäfer nutzen ihre Lichtsignale für vielerlei unterschiedliche Zwecke. Viele locken damit ihre Paarungspartner an.
Bei manchen Arten in den Tropen kommt es dabei zu regelrechten "Leucht-Choreographien": Ganze Schwärme von Käfern blinken synchron. Andere Arten senden komplexe Leuchtmuster, blinken mal schnell, mal langsam und teilen auf diese Weise ihren potentiellen Partnern so manches Geheimnis mit. Manche Leuchtkäfer nutzen ihre körpereigenen Lampen zum Beuteerwerb. Sie locken damit Nahrungstiere heran, die sie dann verspeisen. Und wieder andere signalisieren durch das Blinken ihren Fressfeinden, sie seien ungenießbar. Unsere drei Leuchtkäferarten in Mitteleuropa, das Johanniswürmchen, das Große Glühwürmchen und der Kurzflügel-Leuchtkäfer, sind da bescheidener. Ihnen kommt es in erster Linie auf die Partnerfindung an. Und so werden sie auch im kommenden Sommer wieder, in warmen, dunklen Nächten, die Menschen mit ihren Blinksignalen erfreuen.

Daten und Zahlen

Die Leuchtkäferarten In Mitteleuropa leben drei Leuchtkäferarten:

Der Große Leuchtkäfer (Lampyrus noctiluga), auch Großes Glühwürmchen genannt, ist wahrscheinlich die auffälligste Art in Mitteleuropa. Vor allem die Weibchen leuchten von Juli bis August.

Der Kleine Leuchtkäfer (Lamprohiza splendidula), das Johanniswürmchen, ist von Juni bis Juli unterwegs. Die Weibchen leuchten im Sitzen, die Männchen im Flug. Der Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) leuchtet nur schwach und selten und lebt extrem versteckt. Er wird nur sehr selten beobachtet.

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