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Poitou-Esel : Dumm gelaufen für "De Gaulle"

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Braune Rasta-Locken und große Ohren: Die französischen Poitou-Esel sind sehr extravangant. Auch im Liebesleben. Für die Paarung nutzen sie gern eine Hanglage.

De Gaulle ist ein Esel. Aber nicht irgendeiner. Er ist ein Poitou-Hengst. Ein Großesel aus der gleichnamigen Region im Westen Frankreichs. Die stämmigen Tiere mit dem schwarzbraunen, zotteligen Fell wurden dort für die Feldarbeit gezüchtet. Bis irgendwann Traktoren ihren Job übernahmen. Als vor 30 Jahren schließlich nur noch 44 der robusten Langohren übrig waren, beschloss die französische Regierung, zu handeln.
Ein nationales Zuchtprogramm wurde gestartet, und inzwischen gibt es wieder 400 reinrassige Poitou-Esel. Sechs davon leben im Tierpark Arche Warder.
Schon im 18. Jahrhundert kreuzte man Poitous mit französischen Mulassier-Pferden. Die Langohren gehören zwar zu den größten Eseln der Erde, für die kräftigen Kaltblut-Stuten sind sie aber eigentlich trotzdem zu klein. "Zum Decken hat man die Stute etwas tiefer gestellt. Wenn die Tiere frei liefen, gingen sie zur Paarung in Hanglage", weiß Susanne Kopte von der Arche Warder und fügt lachend hinzu: "Not macht eben auch Poitou-Esel erfinderisch." Das Ergebnis der Kreuzung waren bärenstarke Maultiere mit großer Trittsicherheit. Auf Napoleons Feldzügen zogen sie die Kanonen und Haubitzen. Ein Glückspilz, wer zu dieser Zeit einen Poitou-Hengst besaß.
Stute gesucht
Maultiere sind unfruchtbar, und für jedes Fohlen kamen die Eselhengste erneut zum Zug. Gegen eine gesalzene "Deckprämie", versteht sich. Potenz war gefragt, und die kam angeblich aus dem langen Fell. Viele Jahre lang war für De Gaulle, den 17-jährigen Haudegen, die Welt in Warder in Ordnung. Dann, vor einem Jahr, kam Prospèr und brachte alles durcheinander. Um Inzucht zu vermeiden, soll zukünftig der "neue" Macho bei den vier Stuten für Nachwuchs sorgen. So will es das Zuchtbuch - aber Verständnis hat der Alte dafür nicht. Verärgert wartet er auf seiner Koppel auf die Chance, dem Rivalen eine Abreibung zu verpassen. Susanne Kopte hofft, das bald zu ändern: "Wir suchen jetzt eine nette Stute für De Gaulle. Vielleicht beruhigt er sich dann wieder."
Prospèr hat sich inzwischen als würdiger Deckhengst gezeigt, und jetzt hofft man im Tierpark Arche Warder auf knuffigen Poitou-Nachwuchs. Auch Eseldame Ina ist wieder trächtig. Dem früheren Herdenchef weint sie keine Träne nach. Als sie einmal nicht so wollte wie er, hat De Gaulle ihr das rechte Ohr kaputt gebissen - seitdem hängt es schlapp herunter. Das hat Ina dem alten Recken bis heute nicht verziehen.

Tierpark Arche Warder, Langwedeler Weg 11, 24646 Warder, ganzjährig täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, im Winter bis Einbruch der Dunkelheit.


Poitou-Esel
Poitou-Esel sind eine Rasse des Hausesels (Equus asinus asinus). Sie sind seit dem 11. Jahrhundert bekannt, wahrscheinlich aber schon früher entstanden. Mit einem Stockmaß von bis zu 156 Zentimetern und bis zu 400 Kilogramm Gewicht gehören sie zu den größten Eseln der Erde.
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erstellt am 04.Mai.2009 | 01:33 Uhr

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