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Schleswig-Holstein : Düstere Aussichten

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Der Brachvogel ist der Charaktervogel unserer schleswig-holsteinischen Moore und Feuchtwiesen. Doch seine Zukunft ist ungewiss.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 06:26 Uhr

Wer mit offenen Augen durch die Natur Schleswig-Holsteins streift, der entdeckt ihn mit etwas Glück auch heute noch: Den Großen Brachvogel, einen der typischen Vögel der Moore und Feuchtwiesen. Im Frühjahr, zur Balzzeit, klingt sein melodischer Gesang über die weite Landschaft. Mit unverkennbarem Flöten und Trillern markiert der Brachvogel sein Revier.
Auch optisch ist er kaum zu verwechseln. Sein langer Schnabel ist an der Spitze deutlich nach unten gekrümmt. Die dünnen Beine kennzeichnen ihn als Schnepfenvogel. Das unscheinbare Gefieder ist in hellen und dunklen Brauntönen gestrichelt.

Im Februar sind Große Brachvögel wieder in Brutgebieten


Brachvögel ernähren sich von Insekten, Larven, Asseln und anderem kleinen Getier. Im Wattenmeer, während des Winters, fressen sie auch kleine Krebstierchen und Muscheln. Mit dem spitzen Schnabel greifen sie zu wie mit einer Pinzette oder stochern ihre Nahrungstiere aus dem Boden. Im Schlick der Feuchtgebiete orten die Brachvögel ihre Beute mit dem Tastsinn des Schnabels. Während sie langsam voranschreiten, führen sie mit der empfindlichen Schnabelspitze suchende "Probebohrungen" durch. Blitzschnell greifen sie zu, wenn sie Nahrung erfühlen und ziehen die Beute aus dem Schlamm.
Im Februar kehren die Großen Brachvögel aus ihren Winterquartieren an den Küsten Europas in ihre Brutgebiete zurück. Meist in die gleiche Region, in der sie auch im Vorjahr gebrütet haben. Ab Mitte März besetzen sie ihre Brutreviere. Mit dem Nestbau geben die Brachvögel sich keine große Mühe. Das Männchen scharrt eine flache Mulde am Boden und polstert sie mit trockenem Gras. Drei bis fünf grünlich gesprenkelte Eier legt das Weibchen im Abstand von etwa zwei Tagen. Vier Wochen lang wird das Gelege bebrütet, dann schlüpfen die plüschigen Jungen.

Bestandsrückgang des schönen Schnepfenvogels


Ihr Dunenkleid ist rahmfarben bis hellbraun, der Schnabel noch kurz und unauffällig. Sie sind Nestflüchter und ziehen schon wenige Stunden später mit den Eltern davon. Bereits im Alter von fünf bis sechs Wochen sind die Jungen flügge und kommen ohne die Altvögel zurecht. In Schleswig-Holstein war der Brachvogel einst in Mooren und Feuchtwiesen weit verbreitet. Heute ist er selten geworden. In Deutschland brüten nur noch wenige Tausend Paare.
Der Brachvogel gilt als stark bedroht und ist in fast allen Roten Listen gefährdeter Vogelarten in Mitteleuropa verzeichnet. Die Ursache für den starken Bestandsrückgang des schönen Schnepfenvogels ist die Verschlechterung oder der Verlust geeigneter Brutgebiete. Auf traditionellen Mähwiesen erfolgte ehemals der erste Schnitt nicht vor Juni. Ideale Bedingungen für den Brachvogel, denn vor der ersten Mahd hatte er sein Gelege längst ausgebrütet. Die Jungen waren groß genug, um vor der Mähmaschine flüchten zu können.
Seit der Intensivierung der Grünlandnutzung jedoch wird das Gras viel früher im Jahr geschnitten. Viele Jungvögel fallen den Kreiselmähern zum Opfer. Und durch den Umbruch von Grünland in Ackerland verschwinden weitere Flächen, in denen die Küken der Brachvögel überleben könnten. An vielen Orten, wo die Brachvögel in Schleswig-Holstein noch brüten, ist ihr Ende absehbar. Es sind meist überalterte Populationen, die bisher aufgrund ihrer Brutorttreue alljährlich zurückkehren. Ihr Bruterfolg jedoch ist zu gering, um die Bestände langfristig zu erhalten. Düstere Aussichten für den Charaktervogel der Moore und Wiesen.

Der Große Brachvogel (Numenius arquata) ist der einzige Vertreter der Familie der Brachvögel, der in Mitteleuropa brütet.

Nahrung
Überwiegend tierische Nahrung, auf dem Festland zu geringem Anteil auch Pflanzliches.

Größe
Bis 60 Zentimeter lang und 1 Kilo schwer. Flügelspannweite 80 bis 100 Zentimeter.

Verbreitung
Weit verbreitet über große Teile Europas und Asiens.

Zug
Kurzstreckenzieher, zum Teil Standvögel.

Gefährdung
Verlust geeigneter Lebensräume, vor allem von Brutgebieten, durch Intensivierung der Landwirtschaft. Auch der Klimawandel, der zu Änderungen in der Landschaft führt, bedroht den Brachvogel.


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