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Artensterben : Droht der biologischen Vielfalt der Kollaps?

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Tödlicher Countdown im Tierreich: Jede fünfte Wirbeltierart ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Doch es gibt auch Hoffnung - dank Maßnahmen zum Schutz.

Auf meinen Reisen in die Naturparadiese der Welt bin ich vielen Tieren begegnet. Auch solchen Arten, deren Zukunft am seidenen Faden hängt. Den Waldelefanten im Kongobecken zum Beispiel, die durch Abholzung und Wilderei bedroht sind. Den Oryxantilopen in Saudi Arabien, die von Trophäenjägern fast ausgerottet wurden. Und den Sibirischen Schneekranichen, deren Lebensraum großflächigen Entwässerungen zum Opfer fiel. Manche dieser faszinierenden Kreaturen werden bald unwiederbringlich verschwinden. Die rücksichtslose Ausbeutung und Zerstörung der Natur zwingt die Vielfalt der Arten in die Knie.
Ein Team von Wissenschaftlern der Weltnaturschutzunion IUCN hat nun akribisch den Status von fast 26.000 Wirbeltieren analysiert. Die Ergebnisse wurden im Oktober 2010 auf der UN Artenschutzkonferenz in Nagoya/Japan vorgestellt. Selbst erfahrene Naturschutz-Experten waren schockiert: Jede fünfte Art ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht, bei den Amphibien sogar 41 Prozent. Ein Ende des tödlichen Countdowns ist bisher nicht in Sicht: Alljährlich müssen auf der Gefährdungsskala der Roten Liste etwa 50 Arten hochgestuft werden. "Jeder kleine Schritt nach oben ist ein riesiger Sprung Richtung Aussterben", bedauert der berühmte Ökologe Edward O. Wilson, "Das Rückgrat der biologischen Vielfalt löst sich auf". Einige Wissenschaftler sehen gar die Gefahr eines Massenaussterbens - ähnlich der Katastrophe, die vor Millionen Jahren die Hälfte aller Tierarten, darunter die Saurier, auslöschte.
Die Studie der Weltnaturschutzunion macht jedoch auch Hoffnung: Die Situation von 64 Säugetier-, Vogel- und Amphibienarten hat sich dank gezielter Schutzmaßnahmen deutlich verbessert. Naturschutz funktioniert! Ohne Artenschutz wäre es um die Biodiversität noch um 20 Prozent schlechter bestellt, betont Dr. Simon Stuart, einer der Autoren. Auch der erfolgreiche Abschluss des UN Artenschutzgipfels gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Die 193 teilnehmenden Staaten haben sich auf ein Abkommen zum Schutz gefährdeter Tiere und Pflanzen geeinigt. 20 Ziele sollen bis 2020 erreicht werden, darunter die Ausweitung und Neuschaffung von Schutzgebieten. Entwicklungsländer werden zukünftig mehr Mittel für den Schutz ihrer biologischen Ressourcen, z.B. der Regenwälder, erhalten. Bleibt die Hoffnung, dass es der Weltgemeinschaft doch noch gelingt, den globalen Artenschwund zu stoppen - bevor es endgültig zu spät ist.

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erstellt am 08.Nov.2010 | 04:00 Uhr

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