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Tiere

17. Dezember 2017 | 17:28 Uhr

Mantrailer : Die Spürnasen

vom

Eine Jugendliche ist verschwunden. Arés macht sich auf die Suche. Der Tier Courier hat den Rettungshund mit der feinen Nasebegleitet.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2013 | 03:14 Uhr

Ladelund | Rettungshund Arés steht aufrecht auf dem Bahnsteig, der kalte Wind lässt die langen Schlappohren wehen, während er um sich blickt. Als sein Frauchen, Dr. Babette Höfling, einen durchsichtigen Plastikbeutel öffnet und dem Vierbeiner hinhält, wirkt dieser sofort hoch konzentriert. Er drückt sogleich seine extrem lange Schnauze in den Beutel und schnuppert intensiv an dem darin befindlichen Taschentuch, das der 17-jährigen Gesa Limbrecht gehört. Die Schülerin kam am Tag zuvor mit dem Zug im Niebüller Bahnhof an, verschwand jedoch auf dem Weg zur Schule spurlos.

Doch nur scheinbar spurlos, denn Arés ist mit seinen über 225 Millionen Riechzellen in der Lage, noch bis zu drei Monate nach dem Verschwinden einer Person deren Weg zu folgen. Der Rüde von der Rasse der Grand Bleu de Gascogne ist ein ausgebildeter Mantrailer ("man" – Mensch und "trail" verfolgen) und gehört der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Ladelund an. Seit fünf Jahren ist es sein Alltag, bei der Suche nach vermissten Personen wie Gesa Limbrecht zu helfen. Nur einen kurzen Moment braucht er, um sich den gesuchten Geruch einzuprägen, zieht anschließend seine Nase aus dem Beutel mit Gesas Taschentuch und dreht schnuppernd den Kopf in alle Richtungen. Der Körper ist stockgerade, die Rute ist aufgestellt und alle Muskeln scheinen angespannt. An einer langen Schleppleine läuft er den Bahnsteig ab, teils mit tief hängendem Kopf, teils in der Luft schnuppernd. Plötzlich bleibt Arés stehen und hebt eine Vorderpfote in die Luft: Er hat Witterung aufgenommen und setzt sich zielstrebig in Richtung Ausgang in Bewegung. Dr. Babett Höfling folgt mit großen Schritten, die Spürnase immer fest im Blick, um jede Bewegung des Tieres richtig zu deuten.

Eine feine Nase

Duftmoleküle und auch Hautzellen, die jeder Mensch zu tausenden pro Tag verliert, bilden eine Fährte, an der der Hund entlang läuft. Als Mantrailer ist er in der Lage, einen bestimmten Geruch von allen anderen Aromen getrennt wahrzunehmen. Die einzigen Voraussetzungen hierzu sind, dass die Suche an einem Ort beginnt, an dem die vermisste Person definitiv gesehen wurde und dass das Tier zuvor an einem Geruchsträger des vermissten Menschen schnuppern konnte.

Vor dem Gebäude läuft Arés zwischen den parkenden Autos umher und schnüffelt den schneebedeckten Bürgersteig ab. Hier gestaltet sich die Aufnahme der Witterung etwas schwieriger für ihn, weil die Gerüche von vorbeifahrenden Autos in der Umgebung zerstreut wurden wie vom Wind herumgewirbeltes Laub. Doch nach einem Moment scheinbar orientierungslosen Herumlaufens hat der Mantrailer die Fährte wieder aufgenommen und trabt zielsicher geradeaus.

Leberwurst als Belohnung

Vorbei an Fahrradständern und Passanten geht es mit gehobener und gesenkter Nase immer weiter.

Am Eingang eines Klinikgeländes verlangsamt der Rüde kurz, aber nur um gleich darauf das Tempo anzuheben. Dr. Babett Höfling folgt ihrem Vierbeiner im Dauerlauf, der über das Gelände sprintet und schließlich freudig an einer Person hochspringt, die sich hinter einem großen Schild versteckt hielt. Es ist die gesuchte 17-Jährige. Was Arés nicht weiß, ist, dass Gesa Limbrecht nie wirklich verschwunden war. Die Schülerin, die selbst ein großer Hundefan ist, stand der Rettungshundestaffel Ladelund für eine Übung zur Verfügung. Froh darüber, seine Arbeit erfolgreich erledigt zu haben, schleckt er Gesa schnell einmal mit seiner feuchten Zunge über die Wange, bevor er die Leberwurst genießt, die sie ihm zur Belohnung gibt.

Rettungshunde: Die Ausbildung
Die Ausbildung eines Mantrailers nach Statuten des deutschen Feuerwehrverbandes, wie sie die Hunde der Rettungshundestaffel Ladelund absolviert haben, dauert zwischen zwei und drei Jahren. Die Ausbildung steht jeder Rasse offen. „Bloodhounds“ und anatomisch ähnliche gebaute Hunde haben sich allerdings einen besonders guten Ruf als Mantrailer gemacht. Sie haben sehr große Hautfalten, die sich den Hunden während des Schnupperns vor die Augen schieben und zudem extrem lange Schlappohren, die die Nasen gegen Fremdgerüche abschirmen. Der Hund konzentriert sich dadurch komplett auf den Geruchssinn, wodurch man diesen Rassen einen gewissen Vorteil bei der Witterungsaufnahme zuspricht.

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