zur Navigation springen

Buntstörche : Die Clowns unter den Fischjägern

vom

Mit rauen, nasalen Bettelrufen recken sie sich dem Altstorch entgegen. Die kleinen Buntstörche im indischen Nationalpark sind gierig nach Fischen.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2009 | 04:20 Uhr

Gemächlich gleitet unser kleiner Holzkahn durch die ausgedehnten Seerosenfelder. Aus dem Wäldchen vor uns dringt der Lärm Tausender Vogelstimmen. Und dann fahren wir hinein in die riesige Brutkolonie. Über unseren Köpfen tummeln sich Reiher und Löffler, und auf den stärkeren Ästen trocknen Kormorane und Schlangenhalsvögel ihre ausgebreiteten Flügel. In der größten Akazie haben sich die prächtigen Buntstörche eingerichtet. Mit ihren orangeroten, nackten Köpfen sind sie die Clowns unter den gefiederten Fischjägern.
Wir sind im Keoladeo Nationalpark im Norden Indiens. Das 29 Quadratkilometer große Labyrinth aus Sümpfen und Überschwemmungswäldern hat ein Maharadscha einst für die Jagd auf Enten künstlich angelegt. Vor etwa 30 Jahren wurde es zum Nationalpark erklärt. Bis zu 4000 Buntstörche brüten – neben mehr als 300 anderen Vogelarten - in diesem "Vogelparadies der Maharadschas". In Jahren mit kräftigem Monsunregen finden sie im seichten Wasser Nahrung in Hülle und Fülle. Wissenschaftler haben berechnet, dass alleine die Störche in einer Brutsaison bis zu 60 Tonnen Fisch erbeuten.

Raue, nasale Bettelrufen
Wir haben inzwischen unser Boot an einem der Koloniebäume festgemacht. Gebannt verfolgen wir hautnah das Familienleben der Buntstörche. In den meisten Nestern sind die Jungen bereits geschlüpft. Manche sind erst ein paar Tage alt und tragen noch ihr weißes Daunenkleid. Ältere Küken sind braun befiedert, mit nacktem, dunklem Kopf. Lethargisch liegen sie in den Nestern aus ineinander verschachtelten Ästen und Zweigen. Erscheint aber einer ihrer Eltern, dann werden die Kleinen schlagartig munter. Mit rauen, nasalen Bettelrufen recken sie sich dem Altstorch entgegen. Der würgt die erbeuteten Fische in die Nestmulde, wo die Jungen sie gierig aufnehmen und am Stück verschlingen.
Wir vergessen die Zeit, in dieser Wildnis voll üppigen Lebens. Doch das Idyll ist bedroht. Die Bauern, die im Umfeld des Schutzgebiets siedeln, benötigen immer mehr Wasser für ihre Felder. Bleibt dann auch der Monsunregen aus, dann fallen die Sümpfe trocken. Aber noch gibt es Hoffnung für das "Vogelparadies der Maharadschas": Naturschützer und Ingenieure arbeiten fieberhaft an einer Lösung. Dämme werden gebaut, Wasser muss her - damit Buntstörche und Co. auch in Zukunft ihre Jungen aufziehen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen