Tiere : Die Basstölpel von Helgoland

Basstölpel auf Helgoland: Schmale Flügel mit etwa 1,80 Meter Spannweite - Basstölpel sind gute Flieger und Segler. Foto: Schulz
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Basstölpel auf Helgoland: Schmale Flügel mit etwa 1,80 Meter Spannweite - Basstölpel sind gute Flieger und Segler. Foto: Schulz

Bevölkerungsexplosion bei den Basstölpeln. Aus wenigen Paaren Anfang der 90er ist auf Helgoland eine große Kolonie geworden.

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20. September 2008, 06:53 Uhr

Am äußersten Zipfel Helgolands, nahe der legendären "Langen Anna", stürzt die Insel mehr als 50 Meter senkrecht ins Meer. Zwischen den roten Steilwänden hallen die Rufe tausender Seevögel wie in einer gigantischen Kathedrale. Eissturmvögel, Trottellummen, Dreizehenmöwen und andere Luftakrobaten landen auf schmalen Felsvorsprüngen, füttern ihre zeternden Jungen und fliegen mit schrillem Gekreische zurück aufs Meer.
Viele Fotografen und Vogelbeobachter auf dem Inselrundweg jedoch haben nur Augen für die eleganten Basstölpel. Gänsegroß, mit blassgelbem Kopf und langen, schmalen Flügeln, sind sie die Stars auf Deutschlands einzigem Vogelfelsen.
Vögel bauen Fischernetze in ihre Nester

Dr. Ommo Hüppop, der Leiter der Inselstation des Instituts für Vogelforschung, nimmt das Fernglas von den Augen und zeigt auf einen der engen Brutsimse in der steilen Wand: "Häufig tragen die Vögel Reste von Fischernetzen heran und verbauen sie im Nest." Und tatsächlich: Aus den Seetang-Fetzen und anderem Nistmaterial winden sich bunte Plastikschnüre. "Ein Dutzend oder mehr Basstölpel strangulieren sich in jedem Jahr an solchem Müll", erklärt der Ornithologe. Selbst hier, im Naturschutzgebiet "Lummenfelsen Helgoland", leben die Vögel gefährlich.
Mehr als 300 Paare

Dabei steht es keineswegs schlecht um die Helgoländer Basstölpel. Seit der ersten Ansiedlung im Jahr 1991 ging es mit der Kolonie rapide bergauf. Heute brüten hier mehr als 300 Paare. Den Ornithologen ist diese "Bevölkerungsexplosion" noch ein Rätsel. "Möglicherweise liegt es an den zunehmend stärkeren Westwinden, die mehr klares Nordseewasser in die Deutsche Bucht drücken", meint Vogelforscher Dr. Hüppop. "Vor 20 Jahren hatte das Wasser vor Helgoland eine Sichttiefe von etwa fünf Metern, jetzt sind es schon sieben Meter." Die gefiederten Sturztaucher, die ihre Beute im Flug anvisieren, können Sandaale, Heringe und Makrelen dadurch nun besser erkennen. Verdankt die Basstölpel-Kolonie auf Helgoland ihre Existenz vielleicht dem Klimawandel? Verkehrte Welt.

Selbst am Abend sind die Vogelfreunde am Klippenrand unterwegs, um sich am Treiben der Basstölpel zu erfreuen. Als die Sonne schließlich tiefrot im Meer versinkt, tönen die Schreie der Seevögel noch immer aus den Felsen. Die Menschen vor der "Langen Anna" jedoch sind ruhig geworden - verzaubert von der herben Natur auf Deutschlands roter Hochseeinsel.

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