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Fische : Der Stör soll zurückkommen

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Störe gelten fast überall in Europa als ausgestorben. Erste Sichtungen nähren die Hoffnung, dass Wiederansiedlungsaktionen den Fisch in Schleswig-Holstein wieder heimisch machen können.

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erstellt am 17.Mai.2013 | 06:58 Uhr

Tönning/Rostock | Als "urtümlichen Knochenfisch" bezeichnet ihn der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), als "sozusagen lebendes Fossil". Da ist etwas dran, denn die ehemals in Nord- und Ostsee heimischen Störe gelten seit Jahrzehnten in Schleswig-Holstein, Deutschland und weit darüber hinaus als ausgestorben. Doch das könnte sich dank intensiver Bemühungen zu ihrer Wiederansiedlung ändern. Erste Beobachtungen nähren die Hoffnung auf einen Erfolg.
Störe gehören zur Klasse der Knochenfische. Sie sind überwiegend Meeresbewohner, die aber, wie etwa auch Lachse und Meerforellen, zum Laichen in Süßgewässer aufsteigen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren sie in deutschen Nord- und Ostseezuflüssen weit verbreitet.

Besatzaktionen der Gesellschaft zur Rettung des Störs


Heutzutage dagegen gibt es die Störarten, die hierzulande heimisch waren, mit Ausnahme einer kleinen Restpopulation in Frankreich nirgendwo mehr in Europa. "Gewässerverbauung und -verschmutzung mit dem damit einhergehenden Verlust an Lebensräumen und jahrzehntelange Überfischung haben zum Niedergang der Bestände geführt", heißt es zur Begründung im Bundesumweltministerium.
Die 1994 gegründete Gesellschaft zur Rettung des Störs gehört zu denen, die sich intensiv für die Wiederansiedlung engagiert - unter anderem durch Besatzaktionen wie erst kürzlich im Odergebiet und mehrfach in der Elbe und Nebenflüssen. 2012 habe die Elbe "mehr Störe gesehen als in den letzten 100 Jahren zusammen", berichtet die Gesellschaft. Dank deutsch-französischer Zusammenarbeit konnten 8500 Jungstöre besetzt und nachfolgend in ihrem Verhalten in der neuen Umgebung untersucht werden.

10.000 Exemplare jährlich in der Elbe - 350 in der Eider


Und einige haben sich offenbar zwischen Nord- und Ostsee gut eingelebt. So berichtete das Multimar Wattforum in Tönning (Kreis Nordfriesland) im Herbst vergangenen Jahres über einen Krabbenfischer, der vor dem Eidersperrwerk einen Stör in seinem Netz fand. Er informierte das Multimar, das den Fisch untersuchte und anschließend wieder aussetzte. Dabei sei anhand einer Markennummer festgestellt worden, dass das Tier aus dem oben genannten Besatzprogramm stammte.
Offenbar war der 27 Zentimeter große Jungfisch von der Stör in die Elbe gewandert, diese dann abwärts geschwommen und im Nationalpark Wattenmeer entlang der Dithmarscher Küste bis zur Eidermündung gelangt, vermuten die Biologen im Multimar Wattforum. Nach Angaben der Gesellschaft zur Rettung des Störs war dieses bereits die dritte Meldung eines Fundes an der deutschen Nordseeküste.
Störe lebten den Angaben zufolge früher in großer Zahl im Wattenmeer. Doch da der der Störfang recht einträglich war, wurden sie im 19. Jahrhundert in großer Zahl aus dem Wasser gefischt, nach Multimar-Informationen "bis zu 10.000 Exemplare jährlich in der Elbe, bis zu 350 jährlich in der Eider".
Im 20. Jahrhundert war die Eider der letzte Fluss, den Störe als Brutgebiet und Kinderstube nutzen konnten. Im August 1969 sei hier der letzte Stör gefangen worden. Jetzt scheinen die Chancen gut zu stehen, dass der Knochenfisch bald wieder zu den Bewohnern schleswig-holsteinischer Gewässer gehört.
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