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Vogelkunde : Der gesellige Starimitator

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Er macht Hühner, Katzen und Handy-Klingeltöne nach - der Star begeistert mit seinen Stimmkünsten. Grund genug sich den Vogel einmal genauer anzusehen.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 03:07 Uhr

Als Starimitator muss man ihn bezeichnen - unseren heimischen Star (Sturnus vulgaris). Mäusebussard, Kiebitz, das Gegackere aus dem Hühnerhof, das leise Miauen seines ärgsten Feindes, der Hauskatze, selbst Wecker- oder Handyklingeltöne - markante Geräusche aus seiner Umgebung imitiert der Star perfekt und baut sie in sein von Schnalzen, Pfeifen, Schwätzen und Klappern unterbrochenes Gesangrepertoire ein. Gerade jetzt im Frühjahr zur Brutzeit überzeugt er durch echte Star-Qualitäten. Diese beeindruckende Fähigkeit zur Imitation führte sogar schon zu einer urheberrechtlichen Auseinandersetzung.
Welche Bedeutung die Lautimitationen haben, darüber rätseln die Wissenschaftler jedoch noch. Ein geselliger Typ ist unser Star. Ob bei der Nahrungssuche, beim Brüten oder auf dem Flug ins Winterquartier - immer sucht er die Nähe seinesgleichen. Legendär sind die Wolkenbilder, die zigtausende Stare in den Abendhimmel malen, wenn sie sich im Spätsommer und Herbst zum Flug ins gemeinsame Nachtquartier sammeln. Schlafplätze mit mehr als zehn Millionen Vögeln wurden schon beobachtet. Diese Masse gibt ihnen Sicherheit vor ihren gewandten Räubern, den Baum- und Wanderfalken.

Ein faszinierendes Bild für den Menschen


In der Gemeinde Aventoft, ganz im Norden von Schleswig-Holstein, kann man diesem Spektakel beiwohnen. Millionen Vögel aus Skandinavien und dem Ostseeraum sammeln sich hier im Herbst vor dem Abflug in die Überwinterungsgebiete am Mittelmeer. Und aus ganz Dänemark reisen die Menschen an, um die "Sort Sol", die Schwarze Sonne, wie die Dänen das faszinierende pulsierende Ballett der Stare kurz nach Sonnenuntergang treffend bezeichnen, zu betrachten.
Trotz seiner Geselligkeit ist der Star streitbar, wenn es um die Wahl des Brutquartiers geht und verteidigt erbittert den einmal gewählten Platz in einem Nistkasten oder einer Spechthöhle. Jetzt in der Brutzeit hat er sein schwärzliches Schlichtkleid mit den beigeweißen Federspitzen gegen ein brillant in violetten und grünen Metalltönen schillerndes Prachtgefieder vertauscht. Mit etwas Übung lassen sich die Männchen von den Weibchen durch die bläuliche Basis des ansonsten zitronengelben Schnabels und das etwas prächtigere Gefieder unterscheiden. Stare führen eine saisonale Einehe ("Brutehe"), es kommen aber auch Verpaarungen eines Männchens mit mehreren Weibchen vor.

Die Lebenssituation des Stars wird immer schwerer


Brut und Schlupf verlaufen streng synchron. Je nach Witterung und Nahrungssituation beginnen ab Anfang April alle Stare einer Region mit der Brut. Vier bis acht hellblaue Eier werden gelegt und gemeinsam von beiden bebrütet. Nach 12 bis 13 Tagen schlüpfen die Jungen. Bis zu 17 Stunden sind die Eltern täglich auf der Suche nach Würmern, Insekten und anderem wirbellosem Getier, damit die lautstark nach Futter bettelnden Jungen nach etwa drei Wochen flügge werden. Auch wenn der Star für seine Kirschenliebe bekannt und daher bei Obstbauern nicht gern gesehen ist, während der Zeit der Jungenaufzucht ist energiereiche Eiweißkost gefragt.
Früher nutzte man diese Vorliebe zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Ganze Batterien von Starenkästen wurden aufgehängt, um in den Grünlandniederungen die bei Landwirten so gefürchtete Tipula, wie die Wurzeln fressende Larvenform der Wiesenschnake genannt wird, zu bekämpfen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute sind größere Kolonien brütender Stare bei uns zur Seltenheit geworden. Denn die Nahrungsbeschaffung fällt dem Star wie vielen anderen Vögeln, die auf artenreiches Grünland angewiesen sind, immer schwerer. Weiden mit grasenden Rindern, in deren kurzem Gras Würmer und Mistkäfer in Dungfladen als Leckerbissen warten, sind selten geworden. Stattdessen dominieren auf den Feldern blütenarmes Einheitsgrün und Monokulturen und hier reichen selbst Starqualitäten nicht aus, um satt zu werden.

Die Autorin Inke Rabe arbeitet beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein; Abteilung Naturschutz und Forst.

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