zur Navigation springen

Frohes Osterfest : "Der Albtraum ist überstanden"

vom

Schäfer Bernd Kröger verlor im vergangenen Jahr 120 Lämmer durch ein Virus. Jetzt ist die Freude an der Zucht zurückgekehrt: Über 650 Lämmer kamen gesund zur Welt.

Neuendorf | Der Schock aus dem vergangenen Jahr ist noch nicht verdaut. 120 Lämmer und zehn Mutterschafe hat Bernd Kröger durch das Schmallenberg-Virus verloren. Der wirtschaftliche Schaden für den Züchter aus Neuendorf ist immens. 30.000 Euro haben ihn Verdienstausfall, Arztrechnungen und Medikamente gekostet - gut ein Drittel seines Jahresumsatzes. Doch Kröger und seine Frau Sabine, mit der er die Schafzucht auf dem Hof in Moorhusen seit mehr als 20 Jahren betreibt, blicken optimistisch in die Zukunft.

Als die ersten Lämmer dieser Saison kurz vor Weihnachten zur Welt kamen, hatte Kröger ein mulmiges Gefühl. "Wir hatten natürlich die Hoffnung, dass wir den Albtraum überstanden haben. Sicher konnten wir uns aber nicht sein", erzählt der 49-Jährige. Als dann aber die ersten gesunden Lämmer geboren wurden, fiel eine Last von der Züchterfamilie ab. "Die Erleichterung war riesig", beschreibt Kröger seine Gefühle. Inzwischen haben 500 seiner 800 Muttertiere gelammt. Über 650 Lämmer kamen gesund zur Welt. Jedes der Tiere wird beim Verkauf an einen Großhändler etwa 150 Euro einbringen.

"Als Schafzüchter ist es finanziell ganz schön eng"

Und das Virus? Das gibt es noch. Allerdings ist die Zahl der infizierten Tiere verschwindend gering. "Bisher hatten wir lediglich vier tote Lämmer mit Missbildungen", berichtet Kröger.

Eine zweite Katastrophensaison hätte der Züchter vermutlich nicht überstanden. "Als Schafzüchter ist es finanziell ganz schön eng. Wir verdienen durch unsere Milchviehhaltung mit 35 Kühen noch etwas dazu", sagt der 49-Jährige. Gehofft hatte er auf eine Entschädigung aus dem Tierseuchenfonds. Doch daraus wurde nichts. Das macht Kröger heute noch sauer. "Wir zahlen jedes Jahr 2500 Euro ein. Und wenn dann etwas passiert, werden wir im Stich gelassen", beschwert sich der Neuendorfer. Er und seine Familie hätten sich durch den hohen Verlust finanziell ziemlich einschränken müssen. "Auch an Investitionen in den Betrieb ist nicht zu denken", berichtet Kröger.

Und Ostern ist gerettet

Trotz des heftigen Einschnitts haben Bernd Kröger und seine Frau ihren Optimismus nicht verloren. In den nächsten drei Jahren wollen sie ihren Betrieb ausbauen. "Um als Züchter finanziell gut über die Runden zu kommen, braucht man heute schon etwa 1000 Muttertiere", berichtet der 49-Jährige. Die Erweiterung wird möglich, da ein Schäfer die direkt an Krögers Deichbereich angrenzende Fläche abgibt. So werden die Schafe des Neuendorfers in Zukunft auf rund 140 Hektar entlang des Deiches zwischen Kollmar und dem Störsperrwerk grasen. Die Fläche hat er vom Land Schleswig-Holstein gepachtet. Innerhalb von drei Jahren muss er nun seine Zucht auf etwa 1500 Muttertiere aufstocken, um den Bereich vernünftig bewirtschaften zu können. "Mein Sohn wird eines Tages den Betrieb übernehmen, daher macht diese Erweiterung Sinn", erläutert Kröger.

Nachdem das letzte Osterfest für die Züchterfamilie zu einem Albtraum wurde, freuen sich die Krögers nun umso mehr auf Ostern. Lamm wird dann allerdings nicht serviert. "Das ist mir viel zu teuer. Bevor ich mir 150 Euro auf den Tisch stelle, esse ich lieber etwas anderes und verkaufe das Lamm", sagt der Züchter schmunzelnd.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Mär.2013 | 05:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen