zur Navigation springen

Eisige Ostsee : Dauerkälte lässt Vögel hungern

vom

Bei Dauerfrost und scharfem Ostwind ist der Hafen von Eckernförde in Eis erstarrt. Für die Vögel am einzigen offenen Wasserloch ist der Traumwinter zum Alptraum geworden.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2010 | 07:14 Uhr

Blauer Himmel und glasklare Luft - ein herrlicher Wintertag am Hafen von Eckernförde. Aber noch immer herrscht Dauerfrost, und ein beißender Ostwind pfeift übers Land. Zwischen Fischkuttern und Sportbooten ist das Hafenbecken in Eis erstarrt. Am einzigen offenen Wasserloch, direkt an der Fußgängerbrücke, haben sich zahlreiche Vögel versammelt: Enten und Gänsesäger, Blässhühner und Kormorane, sie alle hoffen, hier Nahrung zu finden.
Dick vermummt gegen die klirrende Kälte beobachten Spaziergänger von der Brücke aus die hungernden Vögel. Als einer der Besucher eine Hand voll Brotkrumen nach unten wirft, ist sofort ist ein Trupp Möwen zur Stelle. "Die kleineren Enten und Blässhühner kriegen fast nie etwas ab", klagt der Tierfreund. Lethargisch liegen zwei Blässhühner auf dem Eis, zu erschöpft, um sich am Gerangel um das Futter zu beteiligen. Ein weiterer Artgenosse ist dem Winter bereits zum Opfer gefallen. An dem tiefgefrorenen Kadaver macht eine Möwe sich zu schaffen.
Nackte Füße auf blankem Eis
Schaudernd zeigt eine Passantin auf zwei Stockenten: "Mit nackten Füßen auf dem blanken Eis - kein Wunder, wenn die Vögel erfrieren". Aber kalte Füße gehören zur winterlichen Überlebensstrategie. In den Beinarterien fließt das sauerstoffreiche Blut durch eine Art Wärmetauscher. Dort gibt es, bevor es die Füße erreicht, seine Wärme an das kalte Blut ab, das in den Venen zurück in den Körper strömt. Die Füße kühlen zwar aus, aber Hauptsache, die lebenswichtigen Organe bleiben auf Betriebstemperatur.
Auch das eiskalte Nass müssen Wasservögel nicht fürchten. Ihr Gefieder ist mit dem öligen Sekret der Bürzeldrüse "imprägniert". Das schützt selbst beim Tauchen vor Auskühlung. Gegen die tödliche Eisdecke jedoch, die ihnen den Zugang zur Nahrung verwehrt, haben viele Wasservögel kaum eine Chance.
Im Eckernförder Hafen begibt sich gerade ein Kormoran auf die Jagd. Als er mit einem Fisch im Schnabel wieder auftaucht, stürzt die Vogelschar zeternd herbei. Derart belagert, gibt der Kormoran schließlich auf. Eine Möwe hat sich den Fisch geschnappt und fliegt davon. Frechheit siegt, heißt hier die Devise. Der Kampf ums Überleben ist gnadenlos - vor allem in einem Winter wie diesem.

Den Tieren helfen?
Falsche Fütterung kann den Wasservögeln schaden und die Gewässer belasten. Beachten Sie deshalb bitte folgende Regeln: Nie im Wasser, sondern ausschließlich am Ufer füttern. Geeignet sind trockenes, zerteiltes Weißbrot, gequetschtes Getreide und Haferflocken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen