Eutin-Fissau : Das 1x1 für Welpen

Hunde sind zwar Haustiere, müssen aber erzogen und sollten nicht vermenschlicht werden. Foto: dpa
Hunde sind zwar Haustiere, müssen aber erzogen und sollten nicht vermenschlicht werden. Foto: dpa

Ein Hund kann noch so niedlich sein, er bleibt ein Tier. In Hundeschulen lernen die jungen Vierbeiner die Grundregeln für ein harmonisches Zusammenleben.

Avatar_shz von
06. April 2013, 12:06 Uhr

"Der tut nichts, der will nur spielen." Dieser Satz wäre ja in Ordnung, wenn alle Hunde gehorsam und gutmütig wären und kein Mensch Angst vor Hunden hätte. Doch die Realität sieht anders aus. Spätestens seitdem die Erziehung der Vierbeiner im Fernsehen durch den Hundetrainer Martin Rütter thematisiert wurde, steht fest: Jeder Hund sollte zumindest eine Grunderziehung erhalten. Also mit dem Mininachwuchs auf zur Welpenstunde.

Da laufen sie nun, die kleinen Racker. Reinrassige Hunde wie Dackel, Terrier Rhodesian Ridgeback sowie Mischlinge. Alle sind zwischen zehn Wochen und sechs Monate alt, und einer ist niedlicher als der andere. Das anfängliche Toben ist nicht nur entzückend anzusehen, sondern stärkt das soziale Miteinander. Außerdem lernt der Nachwuchs Unbekanntes wie herumliegende Plastikplanen, große Wasserbehälter, Reifen und kleine Hindernisse spielerisch kennen.

Aha-Erlebnis für die Tiere

"Nun ruft eure Hunde zu euch und leint sie an", stellt Uschi Hopp, Trainerin beim Polizei- und Gebrauchshundeverein (PGHV) Ostholstein in Eutin-Fissau, die nächste Aufgabe. Jetzt zeigt sich, ob die Hundezwerge schon wissen, wo sie hingehören. Die meisten Zweibeiner haben Erfolg und belohnen die Youngster mit freudigen Worten und Leckerlis – ein Aha-Erlebnis für die Tiere: "Komm’ ich, bekomm’ ich."

Die nächste Herausforderung: Jedes Hunde-Mensch-Paar geht in Schlangenlinie um die in einer Reihe aufgestellten Teams. Also Hund links führen, Leine in die rechte Hand und in der anderen mit Schmackofatz locken. Die jungen Hunde sind so auf das Futter fixiert, dass sie die anderen Kumpel gar nicht wahrnehmen. Wieder ein Erfolg. Nach der konzentrierten Aufgabe ist wieder Toben angesagt.

Dann der Bindungstest, die "Königsdisziplin" der Welpenstunde. Die angeleinten Hunde stehen mit ihren Haltern in einer Reihe. Auf der anderen Seite des eingezäunten Platzes, etwa 30 Meter entfernt, stellen sich Helfer und Begleiter zu einer Menschenmauer auf. Die Trainerin hält einen Hund fest, während sein Frauchen den Hundenamen rufend zur Menschenmauer läuft. Kaum hat sie sich dahinter versteckt, rennt "Gustav" auf schnellstem Weg zu seiner Besitzerin. Der eine oder andere Welpe stoppt vor den vielen Beinen und schnuppert, doch ein kurzes Rufen hilft schnell die Orientierung zum Ziel zu finden. Klasse, alle haben den "Test" erfolgreich bestanden.

Basiskurs zum Lehrplan

"Erziehung ist nicht angeboren", informiert Tina Edling vom PGHV. Die erfolgreiche Turnierhundesportlerin weiß aus Erfahrung, dass Hunde schneller auf Zeichen und Mimik als auf Wörter reagieren. Somit gehört Körpersprache, wie bei den vierbeinigen Artgenossen, zum Lernprogramm. Und das kleine Wörtchen Konsequenz, das aber leichter gesagt als umgesetzt ist, hat oberste Priorität. "Alle Rassen können lernen", weiß auch Thomas Gall vom gleichnamigen Hunde-Trainings-Zentrum in Lammershagen bei Selent. Als Beispiel nennt er einen Chihuahua, der erfolgreich an der Ausbildung zum Rettungshund teilnahm.

Einen Hund zu haben, ist eine dauerhafte Verpflichtung. Nur füttern und mit ihm spazieren gehen, reicht nicht. Vom ersten Tag an muss man sich mit ihm beschäftigen. Und so gehört nach Welpen- und Junghundetreff zumindest auch ein Basiskurs zum Lehrplan. Dabei werden Fertigkeiten trainiert, die man im täglichen Umgang mit Hunden benötigt. Gut sitzende Kommandos erleichtern nicht nur das Miteinander, sondern schützen das Tier auch vor Gefahren. Denn ein Hund, der zuverlässig gehorcht, jagt nicht hinter einem anderen Vierbeiner hinterher und droht dabei überfahren zu werden.

Welche nun die richtige Hundeschule ist, muss jeder für sich herausfinden. Einige stehen für die klassische Ausbildung, bei der Bestrafung zum Erziehungsprogramm gehört. Sie wird immer mehr von der Ausbildung durch „positive Bestärkung“ (Leckerlis) verdrängt. Neben Hundeschulen geben auch viele Hundesportvereine bei Welpen- und Junghundetreffs ihr Wissen weiter. Um mit seinem Hund ein Dreamteam zu werden, müssen Mensch und Tier gemeinsam arbeiten. Dabei ist für die Zweibeiner das A und O: Ruhe, Geduld, Konsequenz sowie viel Übung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen