zur Navigation springen

Wildtiere : Dachse als Deichschädlinge

vom

Dachse haben die Binnendeiche an der Nordseeküste als Standorte für ihre Burgen entdeckt – und gefährden damit den Küstenschutz.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 06:30 Uhr

Husum | Längst haben sie ihre Winterruhe beendet - und prompt ärgern sie wieder die Küstenschützer in Dithmarschen und Nordfriesland. Denn Dachse haben Deiche als ideale Standorte für ihre Burgen entdeckt. Besonders auf der Halbinsel Eiderstedt, wo sie "einen reich gedeckten Tisch" vorfinden, wie Sven-Thomas Schmidt-Knäbel es formuliert. Der Wasserbauingenieur hat beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) die Aufsicht über die zweite Deichlinie. Und bisher haben es sich die nachtaktiven Allesfresser nur dort, in den Mitteldeichen, gemütlich gemacht.
Die Population der Dachse hierzulande habe in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen, bestätigt das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Damit einhergegangen sei ihre Ausbreitung in Lebensräume, die bis dahin nicht besiedelt waren: "Dazu gehört auch die Marsch mit den Küstenschutzdeichen, die ein ideales Biotop für die Anlage der Dachsbaue bilden", bestätigt Ministeriumssprecherin Kirsten Wegner Schleswig-Holstein am Sonntag.

Jagdzeit der Dachse ist kurz


Dieser Dachsbau, die weit verzweigte unterirdische Burg, ist ein Phänomen: Er kann einen Durchmesser von bis zu 30 Metern erreichen, mit verschiedenen Wohnbereichen, in denen sich als Untermieter auch gern der Fuchs einnistet. Eine Stube wird in Form eines gut ausgepolsterten Nestes für den Nachwuchs reserviert. Und der stellt sich unmittelbar nach der Winterruhe beziehungsweise noch während dieser ein, in der Regel ab Ende Februar bis in den April hinein. Die Jungtiere bleiben bis zum Folgejahr im Familienverband, suchen sich dann ihr eigenes Revier und bauen ihr eigenes Zuhause - möglichst in der Nähe es Altbaus, berichtet der LKN-Dachsbeauftragte Schmidt-Knäbel. Dass die Art als besonders standorttreu gilt, macht es für die Küstenschützer nicht leichter, sie wieder los zu werden.
Denn Dachse gehören zwar zum jagdbaren Wild, aber die zulässige Jagdzeit ist kurz: vom 1. August bis 31. Oktober. Mit Beginn der Sturmflutsaison am 30. September aber darf an Mitteldeichen nicht mehr gebaut, das heißt, die Dachsburgen dürften nicht mehr angetastet werden. Die so verbleibenden acht Sommerwochen sind jedoch zu kurz, um der wachsenden Population der Schädlinge Herr zu werden.
Das Problem sei erkannt und eine Lösung in Vorbereitung, erklärt Wegner. Denn der Küstenschutz und damit die Deichsicherheit hätten "absoluten Vorrang". Zwar räume Paragraf 27 des Bundesjagdgesetzes auch die Möglichkeit ein, den Dachs in der Schonzeit auf der Basis von Abschussanordnungen gezielt zu bejagen. Nun aber solle auch eine Regelung auf Landesebene her: "Bei der laufenden Novellierung der Jagdzeitenverordnung soll die Jagdzeit für den Dachs auf die Zeit vom 1. August bis 31. Januar verlängert werden."
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen