Brutvögel : Brutzeit bei den Graureihern

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Graureiher gehören zu den Frühbrütern. Experten befürchten, dass der Bestand in Schleswig-Holstein wegen des langen Winters erneut zurück geht.

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05. April 2013, 05:40 Uhr

Haseldorf | Die Schreitvögel mit dem gelassenen Flügelschlag gehören zu den frühen Brütern, sie beginnen bereits im Februar/März mit der Nachwuchspflege. Dann finden sie sich zu Kolonien hoch oben in den Bäumen zusammen, die mehrere hundert Tiere umfassen können. Bei ihrer menschlichen Nachbarschaft sind diese luftigen Graureihersiedlungen nicht durchweg beliebt, denn dort geht es ausgesprochen laut und lebhaft zu.

In Schleswig-Holstein gibt es zahlreiche solcher Kolonien, Verbreitungsschwerpunkt sind Marschlandschaften. Seit Anfang der 1970er Jahre der Bestand erstmals landesweit erfasst wurde, sind jedoch auch auf der Geest zahlreiche Graureiheransammlungen dazugekommen, schreibt Wilfried Knief von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg in einem Fachaufsatz.

Als Graureiherhochburg gilt die Halbinsel Eiderstedt mit allein fünf Kolonien; die größte jedoch befindet sich in der Haseldorfer Marsch. Hier wie an anderen Standorten im Land haben sich ersten aktuellen Beobachtungen zufolge erneut deutlich weniger Tiere eingestellt als in den Jahren zuvor. 2010 war der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel eingebrochen, in Relation zur Maximalzahl von 2675 Brutpaaren im Jahr 2002 waren es sogar nur noch rund die Hälfte der Tiere.

Keine Beute, kein Überleben

Bis heute hat sich die Population nicht erholt, so Wilfried Knief im Gespräch mit Schleswig-Holstein am Sonntag: "Und es ist zu befürchten, dass es in diesem Jahr noch weniger sein werden." Neben Landschaftsveränderungen dürften dabei auch die strengen Winter der letzten Jahre eine Rolle spielen. Graureiher gelten hierzulande als Teilzieher, das heißt, einige Exemplare verbringen den Winter hier, andere wandern etwas weiter gen Süden.

Das jeweilige Verhalten hänge von der "genetischen Programmierung" der Individuen ab, erläutert der Biologe. Aber welche Variante sie auch wählen: In kalten Wintern ist sowohl das Fortfliegen und Wiederkommen als auch das Verbleiben am eisigen, nahrungsarmen Standort extrem kräftezehrend. Denn aus zugefroreren Gewässern lassen sich keine Fische, von verschneiten Wiesen kaum Mäuse, Frösche oder größere Insekten erbeuten.

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