zur Navigation springen

Tiere im Norden : Brennendes Wasser als Vitalkur

vom

Unwissenheit und Angst verleiten Menschen oft, etwas zu töten, von dem sie sich bedroht fühlen. Dabei sind diese Lebewesen ein wichtiger Bestandteil für ein Ökosystem.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2013 | 05:27 Uhr

Die Gelbe Haarqualle, besser bekannt als Feuerqualle, ist eine der beiden Schirmquallenarten, die in der westlichen Ostsee regelmäßig anzutreffen sind. Ihr Körperbau, mit dem bis zu 70 Zentimeter großen Schirm und mehrere Meter langen Tentakeln macht eine Bestimmung leicht. Unterhalb ihres Schirms liegen der Magen und die bis zu 150 teilweise eingezogenen Tentakeln, die gelb-rot gefärbt sind. Dieser buschig wirkende Aufbau hat der Qualle auch den Spitznamen Löwenmähne eingebracht.

Quallen bestehen aus bis zu 98 Prozent aus Wasser. In ihren Nesselfäden sitzen die gefürchteten Nesselkapseln, die bei Berührungen mit unvorstellbarer Geschwindigkeit abgeschossen und in die Haut des Beutetieres gebohrt werden. Das in ihnen enthaltende Gift lähmt ihre Opfer.

Fieses Brennen auf der Haut nach Kontakt mit den Nesselfäden Nicht selten machen auch Menschen die Bekanntschaft mit ihnen. Beim Baden kann es passieren, dass die ungeschützte Haut mit den im Wasser fast unsichtbaren Nesselfäden in Berührung kommt. Ein stechender Schmerz setzt ein – ähnlich einer Verbrennung an Brennnesseln.

Normalerweise ist eine solche Vernesselung durch Feuerquallen nicht weiter gefährlich, jedoch gibt es immer wieder Menschen die allergisch auf das Gift reagieren und Gefahr laufen, starke Kreislaufprobleme oder sogar einen anaphylaktischen Schock zu bekommen.

Nesselfäden mit EC-Karte abstreifen

Doch was ist nach einer Vernesselung zu tun? Es gibt viele Tipps die die Auswirkungen mindern sollen, wie etwa Essig, Rasierschaum oder Backpulver. Die Mittel sollen die Nesselkapseln deaktivieren. Eine andere Variante ist das Abrubbeln mit Sand. Aber: Die Nesselkapseln werden durch mechanische Belastungen ausgelöst. Reibung verstärkt die Vernesselung eher als diese zu lindern. Besser ist es daher, die Nesselfäden mit Hilfe einer EC-Karte oder Visitenkarten abzustreifent, so dass noch nicht ausgelöste Nesselkapsel auf die Karte geschoben werden und erst hier abgeschossen werden. Für die weitere Behandlung der betroffenen Hautstelle schafft eine Creme aus der Apotheke Linderung.

Ein Indikator für gesunde Meeresströmungen Während Feuerquallen für die Einen ein Schrecken sind, sehen andere sie als ein großes Geschenk an. Feuerquallen können sich in der Ostsee nicht vermehren. Quallen werden zum Plankton gezählt und können nicht selbstständig gegen größere Strömungen schwimmen. Somit sind alle in der Ostsee vorkommenden Feuerquallen über Meeresströmungen aus der Nordsee in das Balitsche Meer gelangt. Neben den Feuerquallen werden auch sauerstoffreiches und salzhaltigeres Wasser über diese Strömungen in die Ostsee gespült. Aufgrund der Lage, Entstehungsgeschichte und der Aussüßung durch Zuflüsse in die Ostsee, ist dieses eingespülte Nordseewasser eine Vitalkur für die Ostsee und sichert vielen Arten den Fortbestand, gerade in den tieferen, sauerstoffarmen Zonen. Großes Auftreten von Feuerquallen ist daher ein Indikator für entsprechende Meeresströmungen, die durch starke Stürme entstehen und somit einen regen Wasseraustausch zwischen Nordsee und Ostsee aufweisen.

Unterschätzter Bewohner der Ostsee

Die Feuerqualle spaltet die Gemüter aber auch bei den Meeresbewohnern. Die gefürchteten Nesselfäden bedeuten für einige Fische den sicherenTod – sind zugleich aber für einen kleinen Fisch eine Lebensversicherung: So wie Anemonenfischen die Anemone Schutz bietet, finden Wittlinge zwischen den Nesselfäden der Feuerqualle ihren Schutz vor Fressfeinden.

Die Feuerqualle ist ein völlig unterschätzter Bewohner der Ostsee, der aufgrund der ihm entgegengebrachten Abneigung von vielen als überflüssig angesehen ist; ein Paradebeispiel für deine Form der Unwissenheit, die besonderen Lebewesen oder Lebensräume nicht den nötigen Schutz zukommen lässt. Ich hoffe die zehn vorgestellten Tiere konnten ein wenig über den einmaligen Lebensraum der Flensburger Förde aufklären und dazu beitragen, diesen mit anderen Augen zu sehen und zu seinem Schutz beizutragen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen