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Wildtiere : Böse Geschichten vom scheuen Wolf

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Die Sichtung eines Wolfes in Jütland hat auch hierzulande die Diskussion um die Wiederansiedlung der scheuen Raubtiere neu entfacht.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2013 | 02:13 Uhr

Grossensape | Nachrichten über einen möglicherweise in Jütland herumstreifenden Wolf haben die Diskussionen über die mögliche Wiederansiedlung von Wölfen auch in Schleswig-Holstein wieder angefacht: Jede Nachricht aus Dänemark stößt auf großes öffentliches Interesse, ebenso die Frage, ob der Wolf, der sich im vergangenen Sommer im Segeberger Raum eingefunden hatte, wohl noch da ist und ob er bleibt.

Das in Jütland vermutete Exemplar hat auch deshalb für besondere Aufmerksamkeit gesorgt, weil es offenbar Schafe gerissen hat. Ein Schafzüchter jedenfalls hat Berichten zufolge zwei seiner Tiere tot, andere mit schweren Bissverletzungen aufgefunden. Der dänische Wolf sei "böse", hieß es daraufhin. Dabei hat er – vorausgesetzt, die Vermutungen stimmen – nichts anderes getan, als seiner Natur zu folgen und seinen Hunger zu stillen.
Wölfe in freier Natur ernähren sich zu weit über 90 Prozent von Wild- und weniger von Nutztieren, weiß Wolf-Gunthram von Schenck, Geschäftsführer des Wildparkes Eekholt in Großenaspe und oberster Wolfsbetreuer Schleswig-Holsteins. Studien zeigen, dass Rehwild zu ihrer bevorzugten Beute gehört, sie aber auch an Rot- und Schwarzwild herangehen. Und, was viele nicht wissen: Wölfe sind sehr anpassungsfähig bei der Wahl ihrer Nahrung, fressen auch Kleinsäuger, Aas sowie vegetarische Kost wie Beeren und Früchte.
Ein erwachsener Wolf benötigt im Schnitt drei bis vier Kilogramm Fleisch, das wären hochgerechnet auf ein Jahr etwa 60 Rehe. Er kann jedoch auch bis zu zehn Kilo Nahrung auf einmal zu sich nehmen und dann tagelang fasten. Bei der Jagd auf lebende Beute konzentriere sich der Räuber auf eher schwache und kranke Tiere, betont von Schenck im Gespräch mit Schleswig-Holstein am Sonntag. Einige Experten sprechen darum sogar vom Wolf als "Gesundheitspolizei" des Waldes.

Wölfe meiden den Menschen

Auch auf die Spur des "Segeberger Wolfes" wurden Beobachter zunächst durch Rehrisse in der entsprechenden Region geführt. Zwar gebe es derzeit seit Längerem keinen handfesten Nachweis, aber einige Hinweise auf seine Präsenz und damit keinen Anlass zu vermuten, dass er nicht mehr im Lande sei, so Wolf-Gunthram von Schenck. "Alles andere ist pure Spekulation."
Mit seinen dänischen Kollegen steht er eigenen Angaben zufolge in ständigem Kontakt und schaut interessiert auf die Entwicklung im Norden. Aus möglichen DNA-Abgleichen etwa verspricht man sich Erkenntnisse darüber, woher der Wolf nach Jütland gewandert ist. Für solche genetischen Nachweise aber benötige man lebende Körperzellen, etwa aus frischer Losung (Kot), Speichel oder Haarwurzeln.

Fürchten müsse sich niemand vor der Nachbarschaft des Wolfes, ob in Dänemark oder hierzulande, betont Wolf-Gunthram von Schenck. Wölfe sind ausgesprochen scheue Tiere, die den Menschen meiden. Und Halter von Nutztieren erhielten im Bedarfsfall Unterstützung für den Schutz ihrer Tiere, zum Beispiel durch stabile Zäune, sowie Entschädigung für eventuelle Verluste.

Informationen über Wölfe und die Vorbereitungen auf ihre mögliche Wiederansiedlung in Schleswig-Holstein sind im Internet zu finden auf der Website des Wolfsinformationszentrums unter http://www.wolfsbetreuer.de/

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