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Wildtiere : "Bestandsexplosion" beim Schalenwild

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Die Bestände an Schalenwild - das heißt an Rehen, Hirschen und Wildschweinen - sind in ganz Europa stark gestiegen.

Flintbek | Sie werden stetig mehr: Rehe, Hirsche und Wildschweine, in der Jägersprache als Schalenwild bezeichnet, breiten sich nicht nur in Schleswig-Holstein aus. Ihre Zahl steigt auch Deutschland, ja europaweit: "Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Zahl des erlegten Schalenwilds in Zentraleuropa verdreifacht", heißt es beim Deutschen Jagdschutzverband (DJV). Dr. Frank Tottewitz vom Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei - Institut für Waldökologie und Waldinventuren spricht sogar von einer "Bestandsexplosion bei einzelnen Wildarten". Was sind die Ursachen?

Mehr Nahrung, mehr Deckung

Sie sind vielfältig, wie so oft in der Biologie. Als zwei entscheidende Faktoren werden "mehr Nahrung" und "mehr Deckung" genannt. "Fehlende Witterungsextreme und energiereiche Nahrung wie Raps und Mais in der Landwirtschaft sowie sich häufende Baummasten im Wald verringern die natürliche Sterblichkeit", so Tottewitz in einem Interview in der Zeitschrift "Jäger in Schleswig-Holstein". Mit Baummast werden die Früchte von Bäumen wie Buchen, Eichen und Kastanien bezeichnet.
Von all dem profitiert das Schwarzwild am stärksten. Seinen europaweiten Bestandszuwachs nennt der Wildbiologe "besorgniserregend". Der Kulturfolger Wildschwein hat seinen Lebensraum binnen der genannten 40 Jahre verdreifacht, das heißt, die Art kommt heute in vielen früher wildschweinfreien Regionen vor wie zum Beispiel Dänemark, Norwegen und Schweden. Die europaweite Jagdstrecke hat sich verzehnfacht. Wildschweine in Nordfriesland Der Trend ist auch in Schleswig-Holstein zu erkennen: Wildschweine breiten sich hierzulande seit langem von den waldreichen Regionen im Südosten gen Norden aus und haben den Nord-Ostsee-Kanal längst überwunden. In Nordfriesland etwa wurden erste Tiere erlegt.
Ein wichtiger Fingerzeig für die Bestandsentwicklung sind die jährlichen Jagdstrecken, das heißt die Zahl der geschossenen Tiere. Die ist laut Jagd- und Artenschutzbericht der Landesregierung von unter 1.000 im Jahr 1960 auf über 16.000 im Jagdjahr 2010/11 gestiegen. Im Vergleich zu 1955 seien im fraglichen Jahr sogar zwanzigmal mehr Sauen erlegt worden. Insgesamt haben sich die Jagdstrecken der vier wichtigsten Schalenwildarten in Schleswig-Holstein den Erhebungen zufolge im angegebenen Zeitraum von 16.524 auf 80.895 Tiere nahezu verfünffacht.

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erstellt am 16.Jun.2013 | 12:19 Uhr

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