Störche : Aufbruch nach Afrika

Der Altstorch landet am Nest, um die drei etwa 5 Wochen alten Jungstörche zu füttern.
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Der Altstorch landet am Nest, um die drei etwa 5 Wochen alten Jungstörche zu füttern.

Seit Tagen schon trainieren die Jungstörche in Bergenhusen für das große Abenteuer: Den langen Flug ins warme Afrika. Sie werden sich bald auf den Weg machen.

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18. August 2008, 09:35 Uhr

Ausrichten gegen den Wind, die langen Flügel ausbreiten und dann kräftig schlagen. Übung macht bekanntlich den Meister. Immer höher erheben sich die Flugschüler über das Nest. Und dann wagt der erste den Jungfernflug. Elegant sieht das noch nicht aus. Die Beine baumeln nach unten, unsicher torkelt der Draufgänger durch die Luft. Vor dem Güllefass kriegt er grade so die Kurve. Hoppla, das war knapp. Drei Meter Gleitflug noch, und unversehrt, aber mit wackligen Beinen landet der Bursche auf dem Misthaufen.
Auch in den anderen Storchenhorsten in Bergenhusen werden die Jungen jetzt flügge. Ab Anfang August sind dann viele der großen Nester stundenlang verwaist. "Die meisten Jungstörche treiben sich jetzt in den Wiesen rund um Bergenhusen herum", erzählt Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto Institut im NABU, "Dort lernen sie, selbst Nahrung zu erbeuten und machen sich fit für die weite Reise in den Süden". Und tatsächlich, überall, wo gemäht wird, sind jetzt auch die halbwüchsigen Langbeiner zur Stelle. An den dunkel gefärbten Schnäbeln kann man sie gut von ihren Eltern unterscheiden.

Trockenheit: Das Futter wurde knapp
Eigentlich war 2008 ein gutes Storchenjahr. Mit 16 Brutpaaren haben diesmal mehr Weißstörche in Bergenhusen genistet als in den 20 Jahren zuvor. So recht zufrieden ist der Storchenexperte des Nabu trotzdem nicht: "Es gab nur 20 Jungstörche, das ist eigentlich zu wenig". Die lange Trockenheit im Frühsommer, während der ersten Lebenswochen der Jungen, hat die Regenwürmer tief in den Boden vertrieben, und das Futter für die Langschnäbel wurde knapp. "Viele Küken sind deshalb verhungert und wurden von ihren Eltern aus den Nestern geworfen", erklärt Kai-Michael Thomsen.
In der ersten Augusthälfte packt die großen Vögel das Reisefieber. Bei sonnigem Wetter segeln sie jetzt häufig in den Aufwinden über dem Dorf. Dann, gerade mal zwei Wochen nach ihrem waghalsigen Jungfernflug, sind die Jungstörche plötzlich verschwunden. Alleine haben sie sich auf den Weg nach Afrika gemacht - die Zugrichtung ist ihnen angeboren. Ihre Eltern verlassen Bergenhusen ein paar Tage später. Auf den reetgedeckten Dächern wird es ruhig. Der Storchensommer geht zu Ende.

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