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Sieversdorf : Alles bereit für den Storch

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Auftakt für Artenschutzprojekt: Auenwärter setzten auf dem Hof von Frank Osterkamp eine Nisthilfe aufs Scheunendach. Die Landwirtschaftskammer unterstützte den Nestbau.

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erstellt am 09.Mär.2013 | 09:29 Uhr

Sieversdorf | Die ersten Störche sind bereits aus dem Süden zurück und haben sich in Schleswig-Holstein blicken lassen. Die Sieversdorfer können sich nun berechtigte Hoffnung machen, dass der mythenumrankte Vogel nach einigen Jahrzehnten auch bei ihnen wieder niederlassen wird. Dafür montierten Auenwärter gestern Vormittag ein Storchennest auf dem Dach einer alten Scheune, die auf dem Hof von Dorfvorsteher Frank Osterkamp steht.

"Der Storch braucht nur noch einmal die Decke ausschütteln und kann sich reinsetzen", kommentierte Carsten Burggraf vom Verein "Wasser Otter Mensch" scherzhaft die Aktion. Diese ist Auftakt eines Artenschutzprojekts für den Weißstorch, das der Verein gemeinsam mit der Werkstatt für Arbeit, Landschaft und Kultur (Walk) in Dannau betreibt. Die Auenwärter, die Walk mit Mitteln der Jobcenter Plön und Ostholstein als sogenannte Bürgerarbeiter beschäftigt, haben die mit Ständer rund 100 Kilogramm schwere Nisthilfe zusammengebaut.

Das Projekt soll so nicht nur dem Storch zur Rückkehr nach Ostholstein verhelfen, sondern auch den Auenwärtern zur Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt - durch eine Qualifizierung in der Landschaftspflege.

Ein Supermarkt für den Storch

Mit knapp 1000 Euro unterstützte zudem die Landwirtschaftskammer den Nestbau, womit Material und der erforderliche Hubsteiger finanziert wurden. Doch allein mit einem Nest ist es nicht getan, weiß Burggraf: "Der Storch kommt nur, wenn genug Nahrung da ist." Die Voraussetzung dafür habe der Wasser- und Bodenverband (WBV) Schwentine in den vergangenen Jahren mit der Renaturierung der Malenter Au geschaffen. Ihr Umfeld bilde den "Supermarkt für den Storch", erklärte Burggraf. Hier findet der Vogel etwa Frösche, große Insekten und deren Larven sowie Fische. Offenbar ist der Tisch aus Sicht der Storchenfreunde so reichlich gedeckt, dass er zwei Storchenpaaren genügend Nahrung bietet. Denn in Neukirchen an der Pastoratsscheune brütet der Vogel bereits seit einigen Jahren.

Das Sieversdorfer Nest ist unterdessen nur der Auftakt für das Storchenprojekt. Noch gestern wollten die Auenwärter auf der alten Reithalle des Guts Stendorf ebenfalls einen Horst montieren. Auch hier bildet das Nest den Schlusspunkt ökologischer Vorarbeit: Im vergangenen Jahr wurde die Entwässerung der Stendorfer Niederung gestoppt.

"Als ich geboren wurde, war er da"

Frank Osterkamp stellte sein Scheunendach gern zur Verfügung, zumal der Storch auf der gleichen Scheune einst sein Zuhause hatte, wenn auch auf der gegenüberliegenden Seite des Dachfirsts. Osterkamp erinnerte sich zwar nicht mehr aus eigener Anschauung daran, aber: "Als ich geboren wurde, war er da", wusste Osterkamp, was seine Mutter Elsa prompt bestätigte.

Wenn der Storch zurückkehre, würden damit auch die Aktivitäten der Landwirte belohnt, die bei der Flurbereinigung zur Renaturierung der Malenter Au beigetragen hätten. Aber auch als Dorfvorsteher sehe er er den Storch gern, sagte Osterkamp mit einem Augenzwinkern. Schließlich bringe der Vogel die Babys, womit der Nachwuchs der Dorfbevölkerung gesichert sei.

Der Lärm stört den Storch nicht

Zwar hatte der Landwirt zunächst noch Bedenken, dass der Storch durch die Aktivitäten auf dem Hof gestört werde, etwa den Lärm der angrenzenden Getreidetrocknung oder das Rangieren von Traktoren. Doch die Fachleute hätten ihm versichert: "Das stört ihn überhaupt nicht." Offenbar ist das Gegenteil der Fall: "Der Storch sucht als Kulturfolger die Nähe zum Menschen", sagte Burggraf. Daher seien Hofstellen in der Nähe zu artenreichem Feuchtgrünland besonders zur Jungenaufzucht geeignet.

Ziel der Kooperationspartner ist es, zwölf Nisthilfen in den Kreisen Plön und Ostholstein zu schaffen. Dafür werden noch Hofeigentümer gesucht, die ihr Dach zur Verfügung stellen, Spender, die Nisthilfen finanzieren und Landeigentümer, die bereit sind, ihre Flächen als Nahrungsbiotope für den Storch umzugestalten.

Wer mitmachen will, kann sich unter Telefon 04521/7761988 bei Carsten Burggraf melden.

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