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"Rangier-Wettbewerb" in Neritz : 100.000 Liter Milch in 15 Jahren

vom

Der Verein der Holsteinzüchter Stormarn lud zum "Rangier-Wettbewerb" und zur Milchleistungs-Schätzung nach Neritz ein.

Neritz | Sie heißt Lene, trägt im Ohr die Nummer 222 und ist im Stall von Familie Lienau-Jöhnk die schönste Schwarzbunte. So hat es Landwirt und Preisrichter Christian Fischer aus Brunsbek entschieden. Er bewirtschaftet einen Hof mit 80 Milchkühen und kennt sich aus. Der schönen Lene attestierte er beste Eigenschaften, das "größte und beste Euter", sehr viel Brustbreite und Schärfe in der Vorhand - eine Milchkuh mit Vorzügen also. Auf Platz 2 und 3 landeten beim so genannten "Rangier-Wettbewerb" Maifee und Manila, ebenfalls zwei prächtige Schwarzbunte (Deutsche Holsteins).
Beim Begutachten der Kühe wurde ordentlich gefachsimpelt. Über 100 Landwirte gaben ihre Stimme ab. Da wurde die Kuh umrundet, das Euter genau begutachtet, ihr Gang unter die Lupe genommen sowie miteinander über die Vorzüge der einen oder anderen Kuh diskutiert. Anschließend musste die Lebensleistung der ältesten Kühe im Offen-Stall von Landwirt Carsten Lienau-Jöhnk geschätzt werden.

Ohne Kalb keine Milch

"Eine normale Kuh gibt in ihrem Leben zwischen 50.000 und 60.000 Liter Milch", erzählt Landwirt Karsten Kaack aus Ratzbek, Kreisvorsitzender des Vereins der Holsteinzüchter. Doch die besten Kühe im Neritzer Stall von Carsten und Karen Lienau-Jöhnk erreichen eine Lebensleistung von über 100.000 Litern Milch. "Das sind schon sehr alte Kühe, neun oder zehn Jahre alt", erklärt Kaack. Normalerweise lebten Milchkühe rund fünf Jahre und gäben durchschnittlich 10.000 Liter an rund 305 Tagen im Jahr. "Den Rest befindet sich die Kuh im Mutterschutz" schmunzelt er. Denn ohne Kalb keine Milch. Das sei bei Mensch und Tier so.
Die Milchproduktion und die Lebenserwartung seien aufgrund der verbesserten Tierhaltung gestiegen, weiß Kaack, der auf seinem Hof 180 Milchkühe hält und 600 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet. Früher hätte eine Kuh 4000 bis 5000 Liter in rund fünf Jahren gegeben. Auf dem Hof Lienau sei alles sauber, ordentlich, es gebe eingestreute Liegebuchten und einen Offen-Stall - alles ideale Bedingungen für die prämierten Milchkühe. Wenn der Körperbau, die Funktionalität, der Euteraufbau - Kritierien beim Rangier-Wettbewerb - stimmten, hätten die Kühe gute Chancen auf ein langes Leben.
"Wir sind hier alle dem Tierwohl verpflichtet," betont der erfahrene Landwirt. Es gehe hier nicht um Grabenkämpfe zwischen Öko oder konventioneller Landwirtschaft. Kaack: "Jeder so, wie er will." Gleich zwei Milchkühe des Neritzer Landwirts Carsten Lienau-Jöhnk wurden 2012 für ihre Lebensleistung prämiert. Deshalb war er an diesem Abend der Gastgeber für den Verein der Holsteinzüchter. Leider sei eine der beiden Spitzenkühe inzwischen "abgegangen", bedauert der Landwirt, der auf 200 Hektar 240 Milchkühe hält und Raps, Weizen und Gerste anbaut. Statt dessen wurde jetzt ein anderes Prachtexemplar gekürt. "Citrone" heißt die alte schwarz-bunte Kuhdame und ist bereits 15 Jahre alt. Kaum zu glauben: Citrone gab in dieser Zeit 104.777 Liter Milch. Lienau-Jöhnk: "Das ist schon eine beachtliche Leistung." Leider könne Citrone nicht zu einem Fototermin aus ihrem Stall kommen. Lienau-Jöhnk: Dazu sind Kühe in diesem Alter viel zu störrisch. Sie haben ihren eigenen Kopf."

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erstellt am 21.Jun.2013 | 02:59 Uhr

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