Anzeige : Vorsicht Falle: Nospa-Mitarbeiter über die Maschen von Betrügern und wie man sich schützen kann

Einen Schritt weiter sein als Betrüger - Jan Otzen und seinem Team der Nospa gelingt das fast immer.
Einen Schritt weiter sein als Betrüger - Jan Otzen und seinem Team der Nospa gelingt das fast immer.

Jan Otzen, Regionaldirektor der Nord-Ostsee Sparkasse Husum, berichtet im Interview über Versuche, in denen Nospa-Kunden zur Zielscheibe von Betrügern wurden und gibt Tipps, wie sich Bankkunden schützen können.

Julia Gohde klein.JPG von
23. Oktober 2018, 23:58 Uhr

Husum | sh:z: Herr Otzen, als langjähriger Mitarbeiter der Nospa haben Sie schon einiges erlebt. Wie versuchen Betrüger, Menschen übers Ohr zu hauen?

Jan Otzen: Fangen wir mit dem berühmten Enkeltrick an. Hier stecken hinter den Betrügern meistens gut organisierte Callcenter. Die „Mitarbeiter“ dort suchen gezielt in Telefonbüchern nach typisch alten Namen. Sie hoffen dabei eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen: einsame ältere Menschen. Aber auch Einzelpersonen versuchen sich dadurch zu bereichern. Die Betrüger geben sich bei ihren Anrufen oft als Enkel aus, der sich lange nicht mehr gemeldet hat und nun in finanzieller Not steckt. Das ganze zielt darauf ab, dass die angerufene Person dem vermeintlichen Enkel Geld überweist. Nun ist dieser Trick sehr bekannt und deshalb denken die Betrüger sich immer neue, glaubwürdigere Geschichten aus.

Fällt Ihnen da ein Beispiel ein?

Ich hatte dieses Jahr den Fall, dass bei einer älteren Kundin jemand angerufen hat, der sich als Polizeibeamter ausgab. Er sagte, dass es in ihrer Gegend vermehrt Einbrüche gegeben habe und er sie deshalb warnen wolle. Ihr Name stehe auch auf der Liste der Einbrecher. Außerdem gäbe es eine Verbindung zwischen unserer Bank und den Einbrüchen. Der angebliche Polizist hat es tatsächlich geschafft, die Kundin davon zu überzeugen, dass ihr Geld bei uns nicht mehr gut aufgehoben wäre. Sein Angebot: Er würde ihr Geld sicher verwahren, wenn sie es ihm in bar gäbe. Daraufhin kam die Kundin hier her und hat ihr Schließfach leer geräumt. Sie hat danach am Schalter zwar keinen auffälligen Betrag abgehoben, aber trotzdem empfand meine Mitarbeiterin ihr Verhalten als so auffällig, dass sie sich an mich gewendet hat. Wir haben daraufhin gemeinsam das Gespräch mit der Kundin gesucht. Diese war sehr eingeschüchtert, denn der Betrüger hatte ihr erfolgreich das Vertrauen, welches sie in uns hatte, genommen. Nach einiger Zeit hat sie uns dann doch von dem Anruf erzählt und wir haben sie über unseren schweren Verdacht aufgeklärt. So konnten wir doch noch gemeinsam die echte Polizei rufen. Die Kundin hat zwar keinen finanziellen Schaden genommen, aber psychisch mit dieser Geschichte zu kämpfen.

Warum funktionieren solche Anrufe so gut?

Es erstaunt uns, dass, obwohl in der Presse schon häufig vor solchen Anrufen gewarnt wurde, Betrüger immer wieder mit einer solchen Masche erfolgreich sind. Die Personen, denen so etwas passiert, sagen häufig, dass die Anrufer so vieles über sie und ihr persönliches Umfeld wussten. Dabei handelt es sich hier um eine bewährte Fragetechnik: Die Betrüger entlocken ihren Opfern Informationen und greifen diese im weiteren Gesprächsverlauf auf. So scheint es zunächst, als hätten sie schon vorher über alles Bescheid gewusst. Deshalb gilt hier: Ruft Sie jemand an, den Sie nicht kennen, legen Sie besser direkt auf. Auch wenn Ihnen eine offizielle Rufnummer auf dem Telefondisplay angezeigt wird. Beispielsweise von der Polizei. Die Betrüger können die Anzeige manipulieren. Wenn Sie sich unsicher sind: Legen Sie auf und rufen die Polizei selbst nochmal an. Und dabei gilt: Nicht die Rückruftaste drücken, sondern selbst wählen. Sonst landen Sie vielleicht wieder bei den Betrügern.

Die Nord-Ostsee-Sparkasse Husum gibt Betrügern keine Chance - dank intelligenter Systeme und aufmerksamen Mitarbeitern.
Die Nord-Ostsee-Sparkasse Husum gibt Betrügern keine Chance - dank intelligenter Systeme und aufmerksamen Mitarbeitern.

Vor welchen Tricks sollten Verbraucher noch gewarnt sein?

Vor der Masche des sogenannten „Finanzagenten“. Hierbei geht es im weitesten Sinne um Geldwäsche. Bei dieser Masche bietet der Betrüger Privatpersonen per E-Mail, Anruf oder über die sozialen Netzwerke einen Deal an: Der Betrüger fragt, ob diese Privatperson gegen eine Provision ihr Konto für eine Finanztransaktion zur Verfügung stellen würden. Wenn Sie so einen Anruf bekommen gilt auch hier: Am besten direkt den Hörer auflegen. Denn gehen Sie darauf ein, werden Sie zu einer Art „Finanzagent“ und machen sich strafbar im Sinne des Geldwäsche-Gesetzes.

Wie funktioniert diese Masche?

Diese Form von Betrug lässt sich am besten an einem Beispiel darstellen: Eine Privatperson wird als Finanzagent gelockt und erklärt sich bereit, auf ihrem Konto 20.000 Euro zu empfangen. 4.000 Euro davon darf sie behalten, die übrigen 16.000 Euro soll sie anonym, zum Beispiel mithilfe von Western Union, auf ein ausländisches Konto überweisen - oder einem Mittelsmann in bar übergeben. (Western Union ist ein Anbieter für den weltweiten Bargeldtransfer mit Firmensitz in den USA, Anm. der Redaktion). Es kommt dann auch tatsächlich der entsprechende Betrag auf dem Konto der Privatperson an - allerdings stammt dieser oft von einer gefälschten Überweisung. Fliegt der Schwindel auf, bleibt das nicht ohne Konsequenzen für den Finanzagenten.

Wissen die Personen, die von Betrügern als Finanzagenten angeheuert werden, dass sie an etwas Illegalem beteiligt sind?

Nach einiger Zeit wird den meisten schon klar, dass da etwas nicht stimmt. Aber dann siegt vermutlich in manchen Fällen auch die Lust des Menschen auf das große Geld. Das hat dann gravierende Folgen. Denn während die eigentlichen Betrüger nur noch schwer zu fassen sind, werden die Finanzagenten von der Polizei eigentlich immer erwischt. Dann kann ihnen auch schon mal eine Haftstrafe drohen.

Man kann sich kaum vorstellen, dass sich ganz normale Menschen in so eine Betrügerei hineinziehen lassen.

Die Provisionen, die die Betrüger anbieten, sind deshalb meistens sehr hoch. Wenn einem 4.000 Euro dafür geboten werden, dass man 16.000 Euro weiterleitet und das alles ganz einfach klingt, werden einige Menschen schwach. Wir hatten dieses Jahr solch einen Fall und konnten ihn auch vereiteln. Der Person, die als Finanzagent angeheuert wurde, haben wir zu einer Selbstanzeige geraten.

Seit 31 Jahren bei der Nospa und gebürtiger Husumer: Regionaldirektor Jan Otzen.
Seit 31 Jahren bei der Nospa und gebürtiger Husumer: Regionaldirektor Jan Otzen.

Können Sie mehr darüber verraten, wie die Nospa ihre Kunden vor Betrug schützt?

Unsere Kontrollmechanismen sind engmaschig, wir erkennen sehr schnell, wenn ein Konto zu fremden Zwecken missbraucht wird. Wie genau so ein System funktioniert, unterliegt natürlich der Geheimhaltung. Nur so können wir immer einen Schritt weiter sein als die Betrüger.

Kommen wir einmal zum Online-Banking. Vor welchen Betrugsmaschen sollte man sich hier schützen?

Eins muss ich vorweg sagen: Das Online-Banking der Sparkassen ist nicht nur sehr komfortabel, sondern vor allem auch sehr sicher und quasi nicht zu knacken. Richtige Schadensfälle haben wir so gut wie nie. Es kann aber Betrugsversuche geben, vor denen Sie sich aktiv schützen können. Klassisch ist der Fall, wo sich der Betrüger als Mitarbeiter einer Softwarefirma ausgibt und das Opfer auf ein angebliches Problem auf seinem Computer aufmerksam macht. Im nächsten Schritt bietet er ihm dann zum Beispiel an, dass er über die Teamviewer-Funktion auf seinen Computer zugreift. Spätestens hier sollten Sie das Telefonat abbrechen. Denn so würden Sie dem Betrüger uneingeschränkten Zugriff auf den Computer und alle ihre Daten gewähren.

Tipp für das Passwort zum Online-Banking: Jan Otzen empfiehlt, bei den Passwörtern kreativ zu werden. Das eigene Geburtsdatum oder der Namen sind wesentlich einfacher zu knacken als komplexe Passwörter mit Groß- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen, die überdies ein Sonderzeichen enthalten. Das kann zum Beispiel ein Dollar-Zeichen oder ein Fragezeichen sein. Auch sollte das Paßwort regelmässig geändert werden.

Wie können sich Verbraucher grundsätzlich vor Online-Betrug schützen?

Wir schärfen Kunden immer ein: Bekommt man eine E-Mail von einer Person, die man nicht kennt, sollte man niemals Links anklicken oder Anhänge öffnen! Damit kann man sich auch Schadsoftware auf den Rechner ziehen. Außerdem sagen wir unseren Kunden, dass wir niemals anrufen, um Zugang zum Rechner zu erhalten oder ein Passwort abzufragen. Auch schreiben wir niemals eine E-Mail, in der wir um die Bestätigung des Passworts bitten! Wir empfehlen: verdächtige E-Mail löschen und bei entsprechenden Anrufen direkt auflegen.

Wir nehmen uns für unsere Kunden, die sich erstmalig für das Online-Banking entscheiden, viel Zeit, um das Online-Banking für ihn einzurichten und genau zu zeigen, worauf zu achten ist. Wir haben auch viele ältere Kunden, die neugierig sind und mit ihrem Tablet dabei sein wollen. Das finden wir klasse und helfen gern!

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass sich unsere Kunden bei Fragen immer gern an uns wenden können, ob persönlich oder am Telefon. Als regionale Bank kennen wir unsere Kunden sehr gut - und sie uns als direkte Ansprechpartner. Das ist ein entscheidender Faktor, auch in der Betrugsprävention.

Über den Interviewpartner: Jan Otzen ist Regiondirektor der Nospa Husum. Der gebürtige Husumer ist 47 Jahre alt und arbeitet bereits seit 31 Jahren bei der Nord-Ostsee Sparkasse. Angefangen als Auszubildender, ist er mittlerweile für ein Team von 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich, die insgesamt ca. 20.000 Privatkunden aus Husum und die Gemeinden herum beraten.
 
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