Serie „Sicherheit“ : Sicher durch die dunkle Jahreszeit: Zehn Tipps für Auto- und Fahrradfahrer

Nasse Straßen und Laub auf dem Asphalt: Im Herbst lauern etliche Gefahren für Fahrrad- und Autofahrer im Verkehr. Zehn Tipps, um sicher durch die dunkle Jahreszeit zu kommen.

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27. Oktober 2018, 15:02 Uhr

Fünf Tipps: Sicher mit dem Auto unterwegs

WAS TUN GEGEN LANGFINGER?

Alarmanlage, Wegfahrsperre, schlüsselloses Verriegelungssystem: Der Autodiebstahl wird den Tätern zwar immer schwerer gemacht, verhindern lässt er sich mit vertretbarem Aufwand aber nicht. Wer sein Fahrzeug schützen will – vor Langfingern, vor Vandalen, vor Wind und Wetter –, kommt um eine Garage nicht herum. Aber auch die bietet keine absolute Sicherheit, immerhin dankt die Versicherung es mit Rabatten. Auch wenn sie den Diebstahl nicht verhindern, zumindest bei der Wiederbeschaffung hilfreich sind versteckt eingebaute Sender, die über das Handynetz regelmäßig oder auf Anfrage die aktuelle Position mitteilen. So ein System empfiehlt sich besonders bei Autos, die wie seltene Oldtimer nicht einfach zu ersetzen sind:

Mit verschiedenen Mitteln kann man sein Auto gegen Diebe schützen.
imago/Schöning

Mit verschiedenen Mitteln kann man sein Auto gegen Diebe schützen.

WILLKOMMEN AUF DER RENNSTRECKE

Sich im Windschatten an den Vordermann ansaugen, im richtigen Moment ausscheren, das Gaspedal durchtreten, knapp vor dem Kontrahenten wieder einscheren – für manchen scheint es zwischen Tourenwagenrennen und Berufsverkehr keinen Unterschied zu geben. Wer sich wirklich austesten will: Willkommen auf der Rennstrecke, dort gibt es im Gegensatz zum Berufsverkehr echte Konkurrenz. Und dort wird auch rüpelhaft nicht mit schnell verwechselt. Wem es dann wirklich Spaß macht: Es gibt auch Rennserien, die  für Amateure bezahlbar sind. Allen anderen sei ein Fahr- und Sicherheitstraining empfohlen: Dort lernt man die Grenzen von Fahrer und Fahrzeug kennen. Und ist dann auf der Straße oft sicherer unterwegs.

Fahrsicherheitstraining helfen dabei Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit von Fahrer und Auto zu testen und zu verbessern.
imago/Michael Eichhammer

Fahrsicherheitstraining helfen dabei Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit von Fahrer und Auto zu testen und zu verbessern.

WER ZU SCHNELL FÄHRT, VERLIERT

In der Fahrschule hat man es zumindest mal gehört: Der Anhalteweg setzt sich aus Reaktionsweg (Geschwindigkeit durch 10 mal 3) plus Bremsweg (Geschwindigkeit durch 10 mal Geschwindigkeit durch 10) zusammen. Bei einer Gefahrenbremsung halbiert sich der Bremsweg. Zu abstrakt? Bei 50 km/h beträgt der Anhalteweg bei einer Gefahrenbremsung damit 27,5 Meter – vorausgesetzt, der Fahrer ist nicht abgelenkt, denn mit jeder Sekunde Nichtstun verlängert sich die Strecke um 15 Meter. Bei 70 km/h wächst der Anhalteweg bei einer Vollbremsung auf 45,5 Meter. Wo der 50-Fahrer also so gerade steht, würde der 70-Fahrer noch mit über 50 km/h einschlagen – so, als hätte er mit 50 gar nicht gebremst. Der Unterschied kann tödlich sein.

Den Bremsweg richtig einschätzen. Gerade auf nassen Straßen verlängert sich der Bremsweg dramatisch.
imago/Frank Sorge

Den Bremsweg richtig einschätzen. Gerade auf nassen Straßen verlängert sich der Bremsweg dramatisch.

SEHEN...

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!“ Damit warb vor Jahrzehnten ein Zubehörhersteller. Wer sicher fahren will, muss sehen, was um ihn herum passiert. Sprich: Die Scheiben müssen – von außen und innen – sauber sein, die Wischblätter noch dafür sorgen können, dass sie es auch bleiben, in die Scheibenwaschanlage gehört ein geeignetes Reinigungsmittel, das im Winter zudem ein Einfrieren der Waschanlage verhindert. Sonst wird eine Fahrt mit Gegenlicht oder im Regen zum Blindflug. Auch ein Schmutzfilm auf den Scheinwerfern mindert die Sicht deutlich. Und nie mit beschlagenen oder zugefrorenen Scheiben losfahren. Das bedeutet: Im Winter mehr Zeit einplanen und rechtzeitig einen Eiskratzer besorgen.

Schnee, Regen und Graupel sind oft Ursache für schlechte Sicht im Auto. Klare Sicht ist hier unerlässlich.
imago stock&people

Schnee, Regen und Graupel sind oft Ursache für schlechte Sicht im Auto. Klare Sicht ist hier unerlässlich.

...UND GESEHEN WERDEN

Eine nicht nur unter Autofahrern weitverbreitete Annahme lautet: „Solange ich was sehe, werde auch ich gesehen.“ Weit gefehlt: Dunkle Autos verschwinden im Schatten oder vor dunklem Hintergrund regelrecht, selbst weiße Autos verschmelzen bei ungünstigen Lichtverhältnissen optisch mit der Straße. Also: Licht an, auch am Tage. Das sollte natürlich auch funktionieren. Was es laut Tüv-Statistik allerdings häufig nur mit Einschränkungen tut. Noch bis zum 31. Oktober bieten viele Werkstätten kostenlose Lichttests an. Und wer sich als Autofahrer schon mal über dunkel gekleidete Fußgänger oder Radfahrer geärgert hat: Einfach beim nächsten Spaziergang mal auf die eigene Kleidung achten.

Unerlässlich, um von allen Verkehrsteilnehmer gut gesehen zu werden. Jährlich finden in allen KFZ Werkstätten in Deutschland kostenlose Lichttests an.
imago stock&people

Unerlässlich, um von allen Verkehrsteilnehmer gut gesehen zu werden. Jährlich finden in allen KFZ Werkstätten in Deutschland kostenlose Lichttests an.

Fünf Tipps: Sicher mit dem Fahrrad unterwegs

AUGEN AUF BEIM FAHRRADKAUF

Einwirklich gutes Fahrrad aus dem Baumarkt für 250 Euro? Nicht möglich, meint David Koßmann vom Göttinger Pressedienst Fahrrad. Für ein gut ausgestattetes und alltagstaugliches Rad seien mindestens 600 bis 700 Euro fällig. Zwar müssen auch Räder aus dem Baumarkt Tests für eine CE-Kennzeichnung bestehen. „Heutzutage können auch diese Räder gut abschneiden“, sagt Koßmann. Gespart werde aber häufig an sicherheitsrelevanten Teilen wie Licht, Reifen und Bremsen. Diese Teile könnten schneller verschleißen oder rosten und dann zur Gefahr werden. Koßmann warnt: Laien sollten teilmontierte Räder aus dem Bau- oder Supermarkt vom Fachmann zusammenbauen lassen. Oder das Geld in ein gutes Gebrauchtrad investieren.

Anders als im Super- oder Baumarkt gibt es beim Händler eine Fachberatung. Wichtig: Das Wunschrad sollte vor dem Kauf probegefahren werden – nach Möglichkeit ausgiebig.
www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Anders als im Super- oder Baumarkt gibt es beim Händler eine Fachberatung. Wichtig: Das Wunschrad sollte vor dem Kauf probegefahren werden – nach Möglichkeit ausgiebig.

UNERLÄSSLICH: DER WARTUNGSDREIKLANG

„Der Wartungsdreiklang – Reifen, Bremsen, Kette – ist unerlässlich“, sagt Koßmann. In der dunklen Jahreszeit sollte die Kette regelmäßig mit Kettenöl behandelt werden. Andernfalls verschleißt sie schnell. Im schlimmsten Fall könnte sie reißen – eine Unfallgefahr. Reifen sollten stets einen Druck im angegebenen Bereich haben. Bei zu geringem Druck fährt das Rad schwammig, im schlimmsten Fall könnte ein Reifen abspringen. Auch die Bremsen bedürfen regelmäßiger Wartung. Lässt sich der Bremshebel weit ziehen, muss die Bremse erneuert oder zumindest justiert werden. Koßmann rät: Laien sollten Bremsen dem Fachmann überlassen. Und generell: das Rad regelmäßig feucht abwischen. „Sieht hübscher aus und offenbart Mängel.“

Insbesondere in der dunklen und feuchten Jahreszeit sollte die Kette regelmäßig geölt werden. Wichtig: Es sollte spezielles Kettenöl sein.
www.pd-f.de / cosmicsports.de / Christoph Bayer

Insbesondere in der dunklen und feuchten Jahreszeit sollte die Kette regelmäßig geölt werden. Wichtig: Es sollte spezielles Kettenöl sein.

BELIEBTE UND GEFÄHRLICHE ABLENKUNGEN

Smartphone und MP3-Player sind zwei Ablenkungen, die häufig bei Radfahrern zu beobachten sind. Und sie sind erlaubt. Radfahrer dürfen während der Fahrt Musik hören und telefonieren – solange sie das Handy nicht in der Hand halten. „Und man muss seine Umgebung akustisch wahrnehmen können“, sagt Koßmann. Dasselbe gilt übrigens für Musik im Auto. „Was zu letztlich zu laut ist, ist nicht definiert und entscheidet im Zweifel der Verkehrsrichter.“ Bei Kopfhörern rät Koßmann zu In-Ear-Ohrhörern – die kleinen Stöpsel im Ohr. Die seien akustisch nicht so sehr abgeschirmt wie Over-Ear-Kopfhörer, die das ganze Ohr bedecken. „Das Handy fest am Lenker – etwa zur Navigation – ist aber erlaubt“, sagt Koßmann.

Enden manchmal tödlich: die Sogenannten Dooring-Unfälle.
imago/imagebroker

Enden manchmal tödlich: die Sogenannten Dooring-Unfälle.

DIE GRÖßTEN GEFAHREN

„Die Gefahren im Verkehr werden mehr, weil er zunimmt und damit anspruchsoller und gefährlicher wird“, sagt Koßmann. Kreuzungen seien die größte Gefahr für Radler. Sein Tipp: „Immer Augenkontakt suchen.“ Ist das nicht möglich, sollte der Radler im Zweifelsfalle zurückziehen. Das gilt generell bei rechts abbiegenden Fahrzeugen, insbesondere an unübersichtlichen Stellen. Lieber einmal mehr warten, statt auf sein Recht zu pochen und überrollt werden, rät der Experte. An Ampeln sollten sich „Radler so positionieren, dass sie gesehen werden“, so Koßmann. Eine weitere große Gefahr sind sogenannte Dooring-Unfälle. Autofahrer öffnen die Tür, ohne zu gucken, Radfahrer krachen hinein. Solche Unfälle enden mitunter tödlich. Ein Blick in den Seitenspiegel ins Fahrzeuginnere könne helfen, sagt Koßmann.

Das Handy fest am Rad ist erlaubt. Dennoch sollte auf das Schreiben und Lesen von Nachrichten verzichtet werden. Während der Fahrt ist das Handy in der Hand ein Tabu. Telefonieren ist erlaubt, aber nur mit Kopfhörern und solange die Umwelt noch wahrgenommen werden kann. Dasselbe gilt für das Musikhören.
www.pd-f.de / www.fahrer-berlin.de

Das Handy fest am Rad ist erlaubt. Dennoch sollte auf das Schreiben und Lesen von Nachrichten verzichtet werden. Während der Fahrt ist das Handy in der Hand ein Tabu. Telefonieren ist erlaubt, aber nur mit Kopfhörern und solange die Umwelt noch wahrgenommen werden kann. Dasselbe gilt für das Musikhören.

SICHER DURCH DEN WINTER

Auch für Fahrräder gibt es Winterreifen. „Sie haben ein gröberes Profil und eine andere Gummimischung“, sagt Koßmann. So bieten sie eine bessere Traktion auf Nässe und Glätte und reinigen sich besser. Bei Reifen sollten Radler auf Markenhersteller vertrauen, rät der Experte. Allerdings fahren alle Winterreifen etwas schwerer als normale und nutzen sich schneller ab. Sie sollten ferner eine Nummer kleiner gewählt werden, damit Schnee und Matsch ausreichend Platz zwischen Reifen und Schutzblech haben. Laien sollten den Reifenwechsel vom Fachmann vornehmen lassen, meint Koßmann. Egal, ob normale oder Winterreifen: Der Luftdruck sollte im unteren des empfohlenen Bereichs liegen. So bieten die Reifen mehr Aufstandfläche. „Zudem sollte die Höhe des Sattels etwas verringert werden – so ist der Fuß schneller auf dem Boden“, rät Koßmann. Um Einfrierungen von Bremsen und Schaltung zu verhindern, sollte das Rad möglichst kühl und trocken untergestellt werden – etwa in der Garage. Wichtig ist natürlich das Licht. Insbesondere helle LED-Lampen sollten nicht zu hoch eingestellt sein, da sie den Gegenverkehr empfindlich blenden könnten.

Auch für Fahrräder gibt es Winterreifen. Sie haben ein gröberes Profil und eine andere Gummimischung. Daher sollten sie auch nur im Winter genutzt werden. Auch von viel Schnee und Eis müssen sich Radfahrer nicht aufhalten lassen – hierzu gibt es Reifen mit Spikes.
www.pd-f.de / Kay Tkatzik

Auch für Fahrräder gibt es Winterreifen. Sie haben ein gröberes Profil und eine andere Gummimischung. Daher sollten sie auch nur im Winter genutzt werden. Auch von viel Schnee und Eis müssen sich Radfahrer nicht aufhalten lassen – hierzu gibt es Reifen mit Spikes.

 
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