Sicherheits-Serie : Einbruch in der dunklen Jahreszeit: So schützt man sein Zuhause

Einbrecher suchen auch im Internet nach Informationen über die Abwesenheit ihrer Opfer. /dpa
Einbrecher suchen auch im Internet nach Informationen über die Abwesenheit ihrer Opfer. /dpa

Über 80 Prozent der Einbrecher gelangen über Fenster oder die Terrasse ins Innere einer Wohnung. Doch wie schützen Sie sich am besten? Ein Überblick.

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22. Oktober 2018, 14:02 Uhr

Haustür

Wer kennt das nicht: Ein Handwerker steht vor der Tür, gibt sich als Stromableser oder Elektriker aus, drängt auf dringende Wartungsarbeiten und verschafft sich in Windeseile Zugang zu einer fremden Wohnung. Um ungebetene Gäste schon an der Haustür abzuwimmeln, empfiehlt es sich, nur Leute ins Haus zu lassen, die man selbst kennt oder direkt eingeladen hat. Ein Türspion oder eine Gegensprechanlage helfen dabei, diese Leute möglichst frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich sollte die Haustür durch Mehrfachverriegelungen oder Profilzylinder mechanisch abgesichert werden. Wer sein Haus mit einer Videoanlage schützt, sollte sicherstellen, dass Sicherheitskräfte über ein Alarmsystem benachrichtigt werden.

Keller/Garage

Türen, die vom Keller oder den Garten ins Haus führen oder die Garage mit der Wohnung verbinden, sind beliebte Wege für Einbrecher, um sich Zugang zum Haus zu verschaffen. In der Regel lassen sich die Türen durch Mehrfachverriegelungen oder Querriegelschlösser absichern. Kellerfenster und -schächte sollten gut ausgeleuchtet sein und zusätzlich mit Gittern abgesichert werden. Die Garage wird vorzugsweise genutzt, um sich Zugang zum Innenbereich des Hauses zu verschaffen, oder dient als Fluchtweg, um das Haus schnell und unerkannt zu verlassen. Garagentore sollten deshalb – ebenso wie Fenster und andere Türen – mechanisch abgesichert werden, um Einbrecher möglichst lange zu beschäftigen.

Fenster

Fenster sind die größte Schwachstelle bei Wohnungen und Häusern. Einbrecher schaffen es in wenigen Sekunden, Fenster mit einem einfachen Schraubenzieher aufzuhebeln und nahezu unbemerkt ins Innere einzudringen. Sicherheitsexperten wie Martin Schmitz von der Polizeiinspektion Osnabrück raten deshalb dazu, Fensterrahmen mit spezieller Sicherheitstechnik einzubauen. Diese enthalten sogenannte Pilzkopfzapfen, zusätzliche Beschläge oder abschließbare Fenstergriffe, die Einbrechern wichtige Zeit kosten können. Wenn sie es nach drei bis fünf Minuten nicht geschafft haben, das Fenster aufzuhebeln, geben die meisten entnervt auf und verlassen den Tatort, bevor sie entdeckt werden können.

Der Unbekannte klingelte, bevor er sich am Schloss zu schaffen machte. /Symbolbild
imago / Jochen Tack

So schön Altbaufenster auch sind - besonders hier lohnt es sich, mit Sicherheitstechnik nachzurüsten. (Symbolbild).

 

Balkon/Terrasse

Nicht minder beliebt bei Einbrechern sind Terrassen- und Balkontüren, die sich ebenso leicht aufhebeln lassen wie Fenster. Großer Vorteil für Einbrecher: Sie sparen sich die Mühe, erst durch ein Fenster klettern zu müssen, sondern stehen direkt im Innenbereich der Wohnung. Mechanische Sicherungen helfen auch hier, einen einfachen Zutritt zu verhindern. Zusätzlich sollten Rollläden oder Jalousien von außen angebracht werden, um Täter möglichst lange zu beschäftigen oder ganz vom Zugang zur Wohnung abzuhalten. Bewegungsmelder, die den Balkon oder die Terrasse beim Betreten beleuchten, helfen ebenfalls, die Gefahr eines potenziellen Einbruchs zu reduzieren.

Beleuchtung

Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend – egal ob in Wohnräumen, auf der Terrasse oder im Garten. Gesteuert werden kann das Licht über Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren, mit denen Start- und Endzeit eingestellt werden. Während im Innenbereich das Licht in den Nachmittags- und Abendstunden brennen sollte, sollten Einfahrten oder Hinterhöfe auch nachts beleuchtet werden. Das reduziere die Einbruchgefahr, so die Polizei. Allerdings ist zu beachten, dass eine angemessene Beleuchtung lediglich als zusätzliches Hilfsmittel dienen sollte. Mechanische Sicherungen an Fenstern und Türen sind unabdingbar und halten potenzielle Einbrecher am effektivsten zurück, so die Polizei.

Abwesenheit

Täter schlagen vor allem in der Nacht zu. Dieser Irrglaube herrscht noch immer, obwohl längst bewiesen ist, dass Einbrecher vor allem zwischen 16 und 18 Uhr zuschlagen. In der frühen Abenddämmerung seien Wohnungen und Häuser oftmals unbewohnt, da viele Menschen noch am Arbeiten seien, erklärt Martin Schmitz. Er rät dazu, dass Häuser deshalb auch zu dieser Uhrzeit bewohnt wirken müssten. Das gilt übrigens auch für die Ferien- und Urlaubszeit. Bewohner sollten deshalb den Briefkasten leeren, Rasen mähen, Licht per Zeitschaltuhr an- und ausschalten oder Jalousien hoch- und runterfahren. Damit dies auch im Urlaub klappt, können Verwandte, Nachbarn oder enge Freunde einspringen.

Grundstückssicherung

Der Schutz der eigenen vier Wände beginnt bereits an der Grundstücksgrenze. Gartenzäune, Hecken oder auch Sträucher können die Einsicht für potenzielle Einbrecher erschweren. Zu beachten ist allerdings, dass sie Tätern keine Möglichkeit bieten sollten, sich unbeachtet zu verstecken. Eine Sprechanlage mit integriertem Videosystem kann potenzielle Täter bereits am Gartenzaun abschrecken. Auch die Installation von Videokameras oder die Beleuchtung des Grundstücks können zum eigenen Sicherheitsempfinden beitragen. Nicht zuletzt erfreuen sich private Wachschutzunternehmen steigender Beliebtheit, die durch ihre Präsenz Einbrecher ebenfalls abschrecken können.

Enkeltrick

„Rate mal, wer hier spricht“ – mit dieser oder ähnlichen Ansprachen rufen Betrüger vorzugsweise bei älteren Menschen an, geben sich als Verwandter oder Bekannter aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Gründe werden in der Regel finanzielle Engpässe genannt, die zum Beispiel durch den Kauf eines Hauses entstanden seien. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt oder ein Treffpunkt für die Geldübergabe vereinbart. Die Anrufer verschleiern ihre eigenen Namen und wählen eine direkte Anrede, um nicht aufzufallen. Die Polizei rät dazu aufzulegen, sobald ein Gesprächspartner Geld fordert, und sich zu vergewissern, ob es sich tatsächlich um einen Verwandten handelt.

Kletterhilfe

Mülltonnen, Gartenmöbel, Sträucher und Bäume oder auch ein Gerüst für Maler und Dachdecker dienen Einbrechern immer wieder als Einstiegshilfe. Über ein Flachdach oder den Balkon erhalten sie so Zugang zu höheren Stockwerken. Außerdem bieten ihnen die Kletterhilfen ausreichend Schutz vor neugierigen Blicken, wodurch die Gefahr eines Einbruchs steigt. Leitern, Möbel und andere Gegenstände sollten deshalb sicher verschlossen werden. Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem Ersatzschlüssel, der häufig unter der Fußmatte oder dem Blumentopf versteckt wird. Ein gefährliches Spiel: Denn Einbrechern kennen nahezu jedes Versteck und finden selbst abgelegene oder ungewöhnliche Orte.

Rauchmelder

Seit dem 31. Dezember 2015 ist die Nutzung von Rauchmeldern in Niedersachsen gesetzlich vorgeschrieben. Diese müssen sowohl in Schlafräumen als auch Kinderzimmern angebracht werden oder in Fluren, die zu Aufenthaltsräumen führen. Treppenhäuser müssen hingegen nur mit Rauchmeldern versehen werden, wenn sie als Rettungswege dienen oder ins Freie führen. Experten raten dazu, Rauchmelder zu verwenden, die über eine fest eingebaute Batterie verfügen und mindestens zehn Jahre halten. Sie sollten an der Decke montiert werden, möglichst mitten im Raum, weil Rauch stets nach oben zieht und sich unter der Decke sammelt. Dabei entsteht die nötige Rauchdichte, die das Gerät braucht, um Alarm auszulösen.

 
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