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22. November 2017 | 21:04 Uhr

Richtig vererben – Streit vermeiden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Testamentsfragen Expertenrat einholen / Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer nennt Ansprechpartner

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 12:09 Uhr

Gut gedacht ist noch lange nicht gut gemacht und so herrscht nach manch einem Todesfall nicht nur Trauer bei den Hinterbliebenen. Wut, Enttäuschung und Ratlosigkeit machen es den Erben oft zusätzlich schwer, wenn der Verstorbene seinen Nachlass nicht klar geregelt hat – und klare Regelungen für den eigenen Todesfall zu treffen, das ist emotional wie fachlich schwierig.

Die Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein rät deshalb dazu, sich professionelle rechtliche Hilfe zu holen, wenn es darum geht, sein Vermögen testamentarisch oder durch ein Vermächtnis nach individuellen Vorstellungen weiterzugeben. Wer dagegen auf die gesetzliche Erbfolge vertraut, braucht keine besonderen Regelungen zu treffen.

Die gesetzliche Erbfolge tritt als Regelfall ein, wenn kein Testament vorliegt. Dann erbt die am nächsten verwandte folgende Generation (Kinder, Enkel, usw.) neben dem hinterbliebenen Gatten. Doch schon die Höhe der Erbteile zu berechnen, kann schwierig werden. Dies auch, weil der Erbteil des hinterbliebenen Ehegatten sich nach dem zwischen ihnen vereinbarten Güterstand richtet. Ähnliches gilt für die eingetragene Lebenspartnerschaft. Dagegen haben selbst langjährige unverheiratete Lebensgefährten keinerlei Rechte am Erbe, noch nicht einmal dann, wenn der Verstorbene keine Kinder hinterlässt. In diesem Fall kommen die sogenannten Erben zweiter Ordnung zum Zuge: die Eltern also – und wenn sie nicht mehr leben, deren Kinder und deren Abkömmlinge und schließlich als letzter gesetzlicher Erbe folgt der Staat.

Das Nachlassgericht wird nach dem Tod des Erblassers für die Hinterbliebenen zum wichtigsten Ansprechpartner. Wer als Erbe anerkannt werden und als solcher handeln will, etwa um über Bankguthaben zu verfügen oder Forderungen einzuziehen, bekommt hier den notwendigen Erbschein. Zu finden ist das Nachlassgericht in der Regel als Abteilung beim Amtsgericht am Wohnort des Verstorbenen. Es gibt Auskünfte über Rechte und Pflichten, über die Folgen der Annahme einer Erbschaft und die Möglichkeit, sie auszuschlagen. Und hier kann auch der Erblasser vor seinem Tod ein Testament hinterlegen, wenn er von der gesetzlichen Erbfolge abweichen möchte, weil sie nicht seinen Vorstellungen entspricht. Das ist häufig der Fall, wenn traditionelle Regelungen und moderne Lebensansprüche nicht übereinstimmen – etwa bei Menschen, die ihren nicht verheirateten Lebensgefährten versorgt wissen wollen, die vielleicht mit Blick auf die Erbschaftssteuer bestimmte Vermögensteile schon zu Lebzeiten weitergeben oder sonstige Regelungen für ihre besonderen Lebensumstände treffen möchten.

Testament, Erbvertrag oder auch Vermächtnisse machen es möglich, genaue und rechtssichere Regelungen nach den eigenen Vorstellungen zu treffen. Doch die Gefahr, dabei formelle oder inhaltliche Fehler zu machen, die schließlich zum Rechtsstreit um das Erbe führen, ist groß und juristische Beratung deshalb sinnvoll – auch wenn sie Geld kostet.

Die Kosten einer rechtlichen Beratung in Erbschaftsfragen stehen dabei nicht in den Sternen, sondern in den entsprechenden Vergütungsvorschriften, nach denen Notare und Rechtsanwälte abrechnen. So lässt sich schon im Vorfeld oder während einer Erstberatung absehen, ob die zu erwartenden Ausgaben im Verhältnis zum juristischen Nutzen stehen. Maximal 190 Euro darf ein Anwalt für eine erste Beratung abrechnen, erstellt er ein Gutachten oder wird er mehrfach tätig, können es 250 Euro werden. Dazu kommt die Mehrwertsteuer und möglicherweise eine Auslagenpauschale von 20 Euro. Der Notar bestimmt sein Honorar aufgrund des Gerichts- und Notarkostengesetzes nach Geschäftswert und dem Umfang seiner notariellen Tätigkeit. So fallen etwa bei einem notariellen Testament mit einem Vermögenswert von rund 100  000 Euro rund 350 Euro Notargebühren an.

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