Erstattung, Verpflegung oder Hotelübernachtung : Wenn am Flughaften gestreikt wird - das steht den Reisenden zu

<p>Falls ein Alternativflug erst am nächsten Tag startet, muss die Fluggesellschaft für die Übernachtung und den Transfer aufkommen. In der Regel organisiert die Fluggesellschaft ein Hotel und den Transport selbst. Falls nicht, sollte nachgefragt werden, was bei der eigenständigen Buchung übernommen wird.</p>

Falls ein Alternativflug erst am nächsten Tag startet, muss die Fluggesellschaft für die Übernachtung und den Transfer aufkommen. In der Regel organisiert die Fluggesellschaft ein Hotel und den Transport selbst. Falls nicht, sollte nachgefragt werden, was bei der eigenständigen Buchung übernommen wird.

Der Koffer ist gepackt und die Nachbarin hat den Schlüssel fürs Pflanzengießen. Ab zum Flughafen! Und dann: Die Fluglotsen streiken. Oder der Flug hat drei Stunden Verspätung. Was Betroffene dann einfordern können.

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09. August 2018, 03:57 Uhr

Ist der Flug verspätet, fällt er aus oder ist überbucht und die Urlauber werden gar nicht erst an Bord gelassen, sind die Reisenden oft gar nicht so machtlos, wie häufig angenommen wird. Auch wenn ein Streik als „höhere Gewalt“ gilt und die Airline nicht grundsätzlich zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet ist, können gestrandete Urlauber einige Rechte einfordern. Zumindest dann, wenn es sich nicht um einen „wilden Streik“ von Airline-Angestellten handelt, sondern Beschäftigte des öffentlichen Dienstes streiken.

<p>Oft verkaufen Airlines im Vorfeld mehr Plätze, als an Bord überhaupt zur Verfügung stehen. So wollen sie teuren Leerstand in ihren Maschinen vermeiden.</p>
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Oft verkaufen Airlines im Vorfeld mehr Plätze, als an Bord überhaupt zur Verfügung stehen. So wollen sie teuren Leerstand in ihren Maschinen vermeiden.

 

Bei internationalen Flügen muss die Airline versuchen, einen anderen Flug zum gebuchten Zielort zu beschaffen. Das kann bedeuten, dass Passagiere auch einen Umweg und Zwischenstopp in Kauf nehmen müssen. Gäste müssen dabei auch auf andere Fluggesellschaften umgebucht werden, sofern dort noch Plätze frei sind. Vom Streik betroffene Gäste von innerdeutschen Flügen können auf Züge der Deutschen Bahn umsteigen. Die Tickets müssen dazu am Check-in-Automaten in einen Reisegutschein umgewandelt werden.

Entschädigung abhängig von Flugstrecke und Verspätungsdauer

Sind Reisende am Flughafen gestrandet und müssen nervenraubende Stunden am Airport überbrücken, steht ihnen in ihrer misslichen Lage allerdings eine Betreuung zu. Diese Betreuungsrechte sind unabhängig davon, wer die Wartezeit verursacht oder verschuldet hat. Wer stundenlang am Flughafen warten muss, hat daher Anspruch auf Verpflegung und Unterkunft. Dazu gehören Mahlzeiten, Getränke, zwei kostenlose Telefonate bzw. E-Mails und bei längeren Aufenthalten über Nacht auch ein Hotel.

Ob und in welchem Umfang Kunden einen Anspruch auf diese Betreuung haben, hängt von der Länge der geplanten Flugstrecke und Dauer der Verspätung vom Abflug ab:

  • Bei Flügen innerhalb der EU bis 1.500 Kilometer reichen schon zwei Stunden Wartezeit aus, damit Airline-Kunden auf eine Betreuung bestehen können.
  • Bei Distanzen von bis zu 3.500 Kilometern gelten die Ansprüche ab drei Stunden Verzögerung.
  • Bei Distanzen von mehr als 3.500 Kilometern gelten sie ab vier Stunden Verzögerung.
  • Beträgt die Verzögerung mehr als fünf Stunden, kann der Kunde vom Flug zurücktreten. Die Airline ist in diesem Fall zur Erstattung des Flugpreises und bei Verspätung eines Anschlussfluges auch zum kostenlosen Rückflug verpflichtet.
<p>Genug Zeit zum Fotografieren: Wer wegen eines verspäteten, überbuchten oder ausfallenden Fluges auf dem Flughafen strandet, muss sich in Geduld üben.</p>
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Genug Zeit zum Fotografieren: Wer wegen eines verspäteten, überbuchten oder ausfallenden Fluges auf dem Flughafen strandet, muss sich in Geduld üben.

 

Wer eine Pauschalreise mit Flug und Hotel gebucht hat, kann bei einer längeren Verspätung seines Abflugs unter Umständen auch eine Minderung des gezahlten Reisepreises beim Veranstalter geltend machen. In der Regel gilt hier: Ab einer Verspätung von fünf Stunden kann der Tagesreisepreis für jede weitere Stunde um fünf Prozent gemindert werden. Storniert werden kann die Reise allerdings erst, wenn sich die Reise durch den Streik erheblich verkürzt, was zum Beispiel bei Kurzurlauben der Fall sein kann.

Anspruch auf Entschädigungszahlung

Muss man stundenlang am Gate warten oder wird im schlimmsten Fall sogar der Flug gestrichen, stehen Flugreisenden übrigens nicht nur Verpflegung und Betreuung zu, sondern sie haben auch ein Anrecht auf eine finanzielle Entschädigung. Ab einer Wartezeit von drei Stunden kann das ein Betrag zwischen 250 und 600 Euro bedeuten, ganz unabhängig davon, wie viel der Flug selbst gekostet hat. So legt der Europäische Gerichtshof die Fluggastrechte-Verordnung (VO) aus. Voraussetzung: Die Passagiere sind in einem EU-Land gestartet. Oder sie fliegen von einem Drittstaat in die EU und die Airline hat ihren Sitz in der EU.

Landet der Flieger am Ziel mit einer Verspätung von mindestens drei Stunden, hängt auch hier die Höhe der Zahlung von der Länge der Strecke ab:

  • 250 Euro werden ab einer Flugstrecke fällig, die 1.500 Kilometer oder kürzer ist.
  • 400 Euro sind für einen Flug vorgesehen, der 3.500 Kilometer zurücklegen sollte.
  • Bei Routen über 3.500 Kilometer sind 600 Euro drin.

Bei einer Verspätung von mehr als fünf Stunden kann die Reise abgebrochen werden. Reisende haben dann Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises innerhalb von sieben Tagen und gegebenenfalls einen kostenlosen Rückflug zum Startflughafen.

(Mit Material der Arag-Versicherung)

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