Folge 11
: Vor der Mündung des Kayan

Riesen-Fledermäuse umflattern Armin Püttger-Conradt auf der Mini-Insel Derawan im Norden Borneos: Fliegende Hunde, die größten Fledermäuse der Erde.

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28. Juni 2011, 09:35 Uhr

Der malayische Norden von Borneo liegt hinter mir. Ich habe die Insel von Kuching bis Tawau durchquert und eine eher urbane Landschaft vorgefunden, in der die ehemalige Wildnis zumeist auf Nationalparke und Reservate beschränkt ist. Das ist im indonesischen Teil Kalimantans anders. Tarakan ist die erste Stadt, die ich erreiche. Sie wurde bereits von Viktor von Plessen erwähnt. Er fand hier in den holländischen und chinesischen Vierteln eine Moderne vor, die er erstaunt in seinem Buch mit einem Ausrufezeichen versah. Auf mich machte die Stadt einen konfusen Eindruck, ein bisschen an Zentralafrika erinnernd. Die Banken wollen keine Euro, nur Dollar wechseln.
Nun bin ich auf einer sehr kleinen Insel namens Derawan angelangt. Sie liegt in der Kayan-Mündung weit draußen im Meer. Ein kleines Motorboot brachte mich hierher, wo ich einige Tage beim Schnorcheln und Vögelbeobachten entspannen will. Auf der Herfahrt setzte plötzlich der Motor aus, während der Kapitän daran werkelte, schaukelten wir in der Dünung auf und ab. Beruhigend, dass wenigstens die Küste noch in Sicht war und davor einige auf langen Pfählen im Meer errichtete Plattformen von Fischern, die darauf isoliert in einer Hütte leben.
Derawan ist so klein, dass man sie gemütlich in 45 Minuten umwandern kann, und bereits dass Dörfchen nimmt die Hälfte der Insel ein. Hoch und schlank ragen die Kokospalmen empor, neigen sich über den Strand. Da sehe ich zu meiner Überraschung eine gigantische Fledermaus in eine der Palmen fliegen. Die Spannweite beträgt einen dreiviertel Meter und es erscheint mir wie aus der Zeit der fliegenden Saurier, so imposant ist der Anblick. Bald sehe ich weitere von ihnen, wie sie sich mit den Füßen an die Palmwedel hängen und kopfüber ihre gewaltigen Flügel ordnen und zusammenfalten. Es handelt sich um Fliegende Hunde, die größten Fledermäuse der Erde.
Dieses Inselchen ist ein kleines Paradies, keine Autos, auch die Bewohner sind sehr freundlich. Meine Unterkunft steht auf Stelzen am Strand, und immerzu hört man die Wellen rauschen. Riesige Schildkröten von einem Meter Größe und mehr schwimmen geruhsam vorüber. Im Westen von hier muss die Kayan-Mündung liegen. Darin werde ich in wenigen Tagen verschwinden - auf meine Reise ins Innere Borneos.

Er lebte im Kongo mit weißen Nashörnern zusammen und hat in den vergangenen 30 Jahren fast ganz Afrika bereist - jetzt startet Armin Püttger-Conradt sein nächstes Abenteuer. Dieses Mal zieht es den Elmshorner nach Südostasien. Im Einbaum will der 52-Jährige die indonesische Insel Borneo durchqueren - für unsere Leser schreibt er seine Eindrücke auf.

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