Folge 33 : Ursprüngliches Java nur noch im Museum

Armin Püttger-Conradt macht einen Abstecher nach Java und schaut sich Jakarta an - wie schon häufig liegt ihm der Großstadt-Dschungel weit weniger als der bewaldete.

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05. August 2011, 11:53 Uhr

Gut 200 Jahre sind vergangen seit dem Aufenthalt von Heinrich Boie in Java. Meine Ankunft in Jakarta, dem früheren Batavia, erfolgt des Nachts, und mich empfängt eine Stadt gigantischen Ausmaßes, wo der junge Meldorfer Boie noch von einer überschwänglichen Natur berichtete. Ein wüster Verkehr tobt Tag und Nacht durch die Straßen, und so bin ich erleichtert, wenigstens in drei Museen Unterschlupf zu finden.
Das Indonesische Historische Museum, auch Elefantenhaus genannt, wegen der steinernen Dickhäuter, die davor stehen, hat am meisten zu bieten. Insbesondere zahlreiche Stämme und Bevölkerungsschichten werden hier ausgiebig dargestellt, von Papua über Bali bis zu den Dayak von Borneo. Vieles bereits verloren Gegangene hat an diesem Ort eine Bleibe für die Zukunft. Die heutigen Dayak selbst würden vieles nicht mehr wiedererkennen, seien es Jagd- und Arbeitsgeräte, Schmuck oder Musikinstrumente. Der Rückblick von der Steinzeit bis hin zu den modernen Techniken von heute verschafft aber einen schlüssigen Überblick der Menschheitsgeschichte des Inselreiches.
Auf den Spuren des Meldorfers Boie
Auch das Museum „Monas“, in einem kargen Park gelegen, versehen mit einem riesigen schlanken Turm, bietet in einem kreisförmigen Raum einen Überblick über die Geschichte. Vom Turm aus sichtbar dehnt sich ein riesiges Häusermeer, aus dem Hochhäuser in den Himmel ragen, so weit das Auge reicht. Vom netten Holländerstädtchen Batavia, dem Kota, das Heinrich Boie sah, ist nur wenig geblieben. Das Museum „Kota“ zeigt zumindest noch die Stadtgeschichte.
Eigentlich gibt es nur noch eine einzige relativ naturbelassene Grünfläche, mit Urwaldriesen und schöner Landschaft in der Stadt: Der Zoo. Viele Tiere Südostasiens sind anzutreffen und geben einen Einblick in die vergangene Vielfalt des Naturreichtums.
Wie schwelgte Boie in seinen Briefen darüber, mit welchem Enthusiasmus erlebte er die Landschaft mit den Tieren und Pflanzen, ehe ihn der frühe Tod überraschte. Es waren junge Idealisten, die es damals nach Java trieb, mit unermüdlichem Interesse für die Natur. Boies größter Wunsch war es, so schrieb er, die unermessliche Vielfalt der Tropen zu erforschen, und schon früh legte er dafür die Grundsteine. Er erkundete mit seinem Bruder die Vogelwelt Dithmarschens, und bei einem Praktikum in Paris lernte er Alexander von Humboldt kennen.
Ich bin froh, Jakarta zu verlassen und nach Bogor, dem früheren Buitenzorg zu reisen, wo Boie und seine Kollegen grundlegende Forschungen betrieben.
(shz)

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