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Reisemängel : Schadensersatz nach dem Urlaub? So sollten Sie vorgehen

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Aus der Onlineredaktion

Baulärm auf der Hotelanlage, Schimmel im Zimmer, verspätete Flüge - die Liste an Beschwerden nach Pauschalreisen ist lang. Wie sollten sich Urlauber in solchen Fällen verhalten? Und steht ihnen Schadenersatz zu?

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 05:15 Uhr

Kiel | Entspannung am Pool, ausgedehnte Spaziergänge am Strand oder Baden im Meer - wenn im Herbst die Temperaturen und Blätter fallen, zieht es viele Schleswig-Holsteiner für einen Urlaub in den warmen Süden. Doch nicht immer stellt sich der erhoffte Wohlfühlfaktor ein - besonders, wenn Baulärm, verdorbenes Essen oder Dreck und Schimmel im Hotelzimmer die Stimmung trüben.

In solchen Fällen sollten Betroffene unbedingt schon direkt vor Ort tätig werden, rät Hanna Doreen Jeske von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Wer den Reiseveranstalter nicht umgehend über die Mängel informiert und ihm die Möglichkeit gibt, sie zu beseitigen, wird später mit einer Schadensersatzforderung keinen Erfolg haben.

Schadensersatz-Forderungen: Es hängt immer vom Einzelfall ab

Wie sollten Urlauber also konkret vorgehen? Dazu sagt Jeske: „Weist eine Pauschalreise Reisemängel auf, dann gibt das Gesetz ganz klare Vorgehensweisen vor.“

1. Reisemängel sind gegenüber dem Reiseveranstalter bzw. bei der Reiseleitung vor Ort anzuzeigen.

2. Dem Reiseveranstalter bzw. der Reiseleitung ist eine - dem Sachverhalt angemessene - Frist zur Mängelbeseitigung zu setzen.

3. Am besten erstellen Sie ein Reisemängelprotokoll und lassen dieses von der Reiseleitung vor Ort abzeichnen.

4. Beweise sichern: Machen Sie Fotos oder benennen Sie Zimmernachbarn als Zeugen und bewahren Sie Ihre Reiseunterlagen auf.

5. Frist wahren: Reisemängel müssen innerhalb eines Monats nach Reiseende geltend gemacht werden.

6. Wer Wert auf einen externen Rat legt oder Hilfe bei der Durchsetzung der Forderungen benötigt, kann sich an die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen oder einen Rechtsanwalt wenden. 

In solchen Beratungsgesprächen lässt sich in der Regel auch ermitteln, wie wahrscheinlich die Erfolgsaussichten von Schadensersatzforderungen sind. „Da gibt es keine pauschale Antwort, da es immer auf den Einzelfall ankommt“, erläutert Jeske. „Grundsätzlich lässt sich sagen: Je gravierender der Mangel, desto größer sind die Chancen, den Reisepreis zu mindern.“

Hinsichtlich möglicher Schadensersatzansprüche gelte es zu beachten, dass immer ein Verschulden des Reiseveranstalters vorliegen muss. „Dieses hat der Reisende darzulegen und zu beweisen, was je nach Einzelfall schwer fallen kann.“ In dem Zuge rät Jeske zu Vorsicht bei der Buchung über das Internet. „Einige große Onlineportale agieren nicht sehr verbraucherfreundlich.“

Reiserücktrittsversicherung ist nicht immer sinnvoll

Überhaupt können Bürger schon im Vorfeld der Reise das Risiko einer Urlaubs-Enttäuschung deutlich senken, sagt Jeske. „Wir raten Verbrauchern, sich im Vorwege über verschiedene Portale und anhand von zertifizierten Bewertungen über ihr Reiseziel und auch über ihren Reiseveranstalter zu informieren. Ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, insbesondere zum Thema Stornierungsgebühren, ist ebenfalls ratsam.“

Zusätzlich können Urlauber verschiedene Versicherungen abschließen, etwa eine Reiserücktrittsversicherung, die in der Regel bis zum Antritt der Reise greift, oder eine Reiseabbruchversicherung, die ab Antritt bis Ende der Reise gilt. „Diese kann unter Umständen im Krankheitsfall während der Reise hilfreich sein.“

Doch auch hier gilt: Vorab informieren, denn nicht immer ist eine solche Versicherung notwendig. „Das Risiko per se auf einen gewissen Betrag begrenzt, sodass kein wirtschaftlicher Ruin drohen würde, den es durch eine entsprechende Versicherung abzusichern gilt.“

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