Folge 17 : Reisfelder im Unterholz

Mitten im dunklen Dschungel wächst Reis. Er wird an Hängen angepflanzt. Sogar Handys besitzen die Ackerbauern.

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11. Juli 2011, 09:32 Uhr

Ein besonderes Erlebnis steht mir bevor. Ich erfahre, dass es in den Wäldern der Umgebung Menschen vom Volk der Punan gäbe. Einige leben nicht weit vom Kayanfluss und sollen über Nebenflüsse erreichbar sein. Das weiß ich von Ingan-Irang, einem Punan, die in Long Bia leben. Er wäre bereit, mich zu seinen Leuten zu bringen. Ich habe keine genaue Vorstellung, was mich auf dem Besuch erwarten würde, denn Ingan-Irang unterscheidet sich nicht von den anderen Einwohnern des Dorfes. So mache ich mich mit Ingan als Führer und George als meinen Dolmetscher auf, versehen mit Lebensmitteln, den geheimnisvollen Urwaldstamm der Punan zu besuchen. Victor von Plessen beschrieb sie als intelligent doch ungeheuer rückständig und primitiv.
Ingan besitzt ein langes Holzkanu mit kleinem Motor. So geht es los, den Kayan entlang, bis schließlich die Mündung eines kleinen Nebenflüsschens auftaucht, in das wir hinein tuckern. Sofort umgibt uns die Enge des Dschungels, aus der nahebei geheimnisvolle Stimmen von Vögeln und Insekten dringen. Der Bach ist flach, manchmal schieben wir über Sandbänke. Es herrscht Dämmerlicht. Eisvögel in schillerndsten Farben fliegen vor uns dahin. Als ich in einer Lichtung aufblicke, sehe ich zwei große Nashornvögel über uns hinwegfliegen. Schließlich halten wir an einem Steilhang. Über eine Baumwurzel erklimmen wir das Ufer. In hohem Ton ruft Ingan in den Wald hinein, woraufhin ihm durchdringende ebenso helle Rufe entgegenschallen. Das spornt dazu an, weiter aufwärts zu krauchen, bis urplötzlich sechs Frauen vor uns auftauchen, am Hang mit Macheten das Unterholz weghacken. Die Baumstämme werden später von den Männern gefällt.
Ackerbauern mit Fotohandy
Ziel ist es, Felder für Bergreis anzulegen. Allerdings nicht für sich selbst, sondern für die Dayak, da die Punan als Jäger und Sammler selbst keine Ackerbauern sind. Ich staune, denn Reisfelder sind mir geläufig als ebene feuchte Felder in offenem Gelände oder als Terrassenbau. Aber hier im dunklen Dschungel auf den braunschwarzen Hügeln? Tatsächlich legen die Punan in gemeinsamer Arbeit mit den Dayak seit Jahrhunderten kleine Hangfelder an, um den Bergreis zu pflanzen.
Ich mache ein paar Fotos und staune, als die eine Frau ein Fotohandy hervorholt und uns fotografiert. Sie freuen sich sehr über die Ablenkung durch uns. Doch dann geht es weiter zu ihrem kleinen Dorf. Den Hang hinab schlitternd erreichen wir das Kanu. Es geht weiter ein Stück das Flüsschen hinauf.
(shz)

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