Ferien in Schleswig-Holstein : Reisemängel: Ärger statt Entspannung im Urlaub

<p>Schlechtes Wetter im Urlaub ist (leider) kein Reisemangel - auch nicht der fehlende Meeresblick vom Zimmer aus, wenn dieser nicht explizit gebucht wurde.</p>

Schlechtes Wetter im Urlaub ist (leider) kein Reisemangel - auch nicht der fehlende Meeresblick vom Zimmer aus, wenn dieser nicht explizit gebucht wurde.

Urlaube sind oft lange im Voraus geplant und sollen Erholung bieten. Wenn dann die Freude an der Reise durch ausgefallene Flüge oder Mängel im Hotel gegen Null sinkt, können Urlauber sich wehren. Einige hilfreiche Tipps:

Karen Bartel von
29. Juli 2018, 04:33 Uhr

Die Koffer sind gepackt, die Katze wird von den Nachbarn versorgt - kurzum: Es kann losgehen in den Urlaub! Am Flughafen angekommen, meldet sich der erste Urlaubsdämpfer zu Wort: Der Flug ist um drei Stunden verspätet. Endlich am Reiseziel angekommen, folgt der zweite - die Hoteldusche ist kaputt. Na, dann während der Reparatur ab in den Pool. Doch dieser ist leider ziemlich verdreckt und lädt so gar nicht zur Erfrischung ein...

Diese Pechsträhne passiert nicht jedem Reisenden, jedoch offenbaren sich vielen während des Urlaubs Mängel, welche die gewünschte paradiesische Stimmung stören. Damit enttäuschte Urlauber ihre Rechte durchsetzen können, müssen sie wissen, wie und vor allem, was als Mangel gilt. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein gibt Tipps.

Genau lesen - und hinsehen

Der Reisekatalog oder die Fotos auf der Hotelwebseite versprachen Meeresblick, Cocktails am Pool - und vor Ort trifft nichts davon zu? Nicht alles was zu sehen ist, gehört immer automatisch zur gebuchten Reise. Wenn auf dem Zimmerfoto im Buchungsportal abgebildet war, dass man vom Bett aus den Sonnenuntergang sehen kann, so heißt das nicht, dass man automatisch dies auch bei der Buchung bekommt. „Reiseveranstalter müssen die Gegebenheiten vor Ort aber klar benennen“, sagt Julia Buchweitz, Reiserechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Ihr Tipp: „Bewahren Sie den Katalog auf oder machen Sie bei der Buchung Bildschirmfotos von jedem Buchungsschritt. So lässt sich im Zweifelsfall nachweisen, welche Leistungen zur Buchung gehören.“

Mängel vor Ort melden und Beweise sammeln

Generell gilt es Mängel zu dokumentieren, um diese auch im Nachhinein noch nachweisen zu können. Liegen diese in der Unterkunft vor, wie beispielsweise die beschriebene defekte Dusche oder der schmutze Swimmingpool, so sollten Urlauber den Mangel direkt vor Ort melden. Ansprechpartner sind entweder der Veranstalter der Reise, das Reisebüro oder der Betreiber des Buchungsportals. Wichtig dabei: „Für den Fall, dass der Mangel nicht beseitigt wird, sollten enttäuschte Urlauber alles genau dokumentieren - zum Beispiel wann und wem sie den Mangel gemeldet haben und worum es ging“, so die Expertin.

Als Nachweise eignen sich Fotos, Videoaufnahmen, Notizen und Zeugenaussagen. Darauf basierend können Betroffene vom Veranstalter eine Teilerstattung des Reisepreises fordern. „Am besten stellen Sie Ihre Forderungen direkt nach dem Urlaub. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, Mängel wirksam nachzuweisen“, rät Julia Buchweitz.

Lärm, lange Wartezeiten und Ungeziefer gelten nicht unbedingt als Mangel

Rechtlich gesehen, ist nicht jedes Ärgernis automatisch auch ein Reisemangel. Der ADAC gibt folgende Unterscheidungen vor:

Ein Reisemangel ist in der Regel gegeben, wenn die Reiseleistungen des Veranstalters von den Vereinbarungen im Reisevertrag abweichen.
Bei der Feststellung eines Reisemangels sind insbesondere die Prospektbeschreibung, die Reisebestätigung, verbindliche Zusatzvereinbarungen und die Informationspflichten des Reiseveranstalters zu berücksichtigen. Der Charakter der Reise (z.B. Sportreise, Jagdreise, Bildungsreise) kann bei der Beurteilung, ob ein Mangel vorliegt, eine Rolle spielen, da sich hieraus konkrete Abweichungen vom vertraglich vorausgesetzten Nutzen der Reise ergeben können.
Handelt es sich um bloße Unannehmlichkeiten, landesübliche Gegebenheiten oder allgemeines Lebensrisiko, liegt in der Regel kein Reisemangel vor. So stellt z.B. die Wartezeit bis zur Zimmerzuweisung im Hotel eine bloße Unannehmlichkeit dar, Insekten in tropischen Ländern sind eine landesübliche Gegebenheit.

(mit Material der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein und ADAC)

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