Folge 5 : Nationalpark Bako: Nasenaffen und fliegende Echsen

Armin Püttger-Conradt aus Elmshorn wandelt in Borneo auf den Spuren schleswig-holsteinischer Forscher. Heute schreibt er über den Nationalpark Bako.

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25. Mai 2011, 08:58 Uhr

Am Südchinesischen Meer, auf einer an der Nordküste Borneos gelegenen Halbinsel, liegt Borneos ältester Nationalpark Bako. Nur mit einem Boot ist er erreichbar, und so ging es mit einem kleinen Motorboot den Bakofluss entlang bis aufs offene Meer, ehe die an einem langen Strand gelegene Parkstation erreicht wurde. Für wenige Tage quartierte ich mich ein um auf Wanderungen die Landschaft mit ihren Tieren und Pflanzen zu erkunden.
Die schmalen Pfade führen in unterschiedliche Richtungen und sind gut markiert, aber derartig anstrengend, dass man oft nach nur wenigen Höhenmetern erschöpft und nassgeschwitzt um Atem ringt. Da die zum Meer hin abfallenden Berge äußerst steil sind und der Pfad über ein wirres Geflecht von Wurzelwerk führt - alles bei schweißtreibender tropischer Luft - gelangt man nur langsam durch den dichten Küstenwald. Dann erreichen wir eine Art Plateau mit eher offener Vegetation. Die Sonne heizt die flachen Felsen auf, die überall erscheinen. Kleine Rinnsale fließen hindurch und bieten eine Erfrischung.
Der Kontrast zwischen den Landschaften ist groß und wirkt sich auf die unterschiedlichen Arten der Tiere und Pflanzen aus. Während der Pirschgänge durch die Hangwälder und am Strand begegnen einem die meisten Tiere. Besonders ab dem späten Nachmittag und in den Morgenstunden sind Nasenaffen zu entdecken. Plötzlich hört man in den Wipfeln etwas wild rauschen und brechen, und dann sieht man sie mit ihren gewaltigen Nasen und rotbraunem Fell, wie sie am Ast hängen und einen ansehen, dabei an einem Blatt kauen. Sie sehen unglaublich lustig aus und leben nur auf Borneo. Auf dieser alten ehemaligen Festlandmasse haben sie sich zusammen mit den Orang Utans entwickelt. Manchmal sieht man sie hoch oben auf Bäumen am Strand sitzen und Nahrung suchen. Andere Affen, Langschwanzmakaken, wandern in größeren Trupps den Strand entlang, durch die Mangroven, zwischen denen Schlammspringer, seltsame an Land und im Meer lebende Fische mit großen Glupschaugen, robben und die Männchen kleiner Winkerkrabben ihren Weibchen mit einer gewaltig großen Schere zuwinken. Aber hoch oben an kahlen Bäumen gibt es kleine fingerlange Echsen mit Flughäuten, die sie durch die Luft gleiten lassen. Unter ihnen wandern ihre großen Verwandten, die Monitorechsen, durch die Ufervegetation. Für Vogelkundler ist hier in Bako überall etwas zu entdecken, und die Schmetterlinge, die in den buntesten Farben und Formen durch die Gegend schweben, begeistern mit ihrer unendlichen Vielfalt. Waldschweine wälzen große Löcher, in denen sich Frösche tummeln, während darüber riesige Aufsetzerpflanzen wuchern und manch prächtige Orchidee aus dem Grün lugt. Morgens sitzen die Makakenaffen auf dem Dach und gucken kopfüber auf die Terrasse.
Bako war ein Erlebnis. Auf dem Rückweg sah man Delfine dem Boot folgen, weiße Reiher säumten die Mangrovenwälder. Dann war das Dorf am Fluss erreicht.

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