Kronjuwel der Karibik

Begegnung  am Meeresgrund:  Auge in Auge mit einer riesigen Wasserschildkröte.
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Begegnung am Meeresgrund: Auge in Auge mit einer riesigen Wasserschildkröte.

Die Vulkaninsel St. Lucia zählt zu den Kleinen Antillen und lockt mit weißen Palmenstränden und üppigem Regenwald

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18. Mai 2013, 03:59 Uhr

Castries | St. Lucias Schönheit zu beschreiben, braucht Worte voller Anmut und Romantik. Wer diese 661 Quadratkilometer umfassende Insel für Europa entdeckte und ihr den Namen der Heiligen Santa Lucia verlieh, ist strittig. Das mag irgendwann ab 1502 oder später gewesen sei. Fakt ist jedoch, dass das Eiland ein wahres Meisterwerk der Natur ist. Nicht ohne Grund wird es wegen seiner faszinierenden Landschaft auch als "Kronjuwel" der Karibik bezeichnet.

Einem Postkartenidyll gleichend, erheben sich steil aus der Karibischen See die Zwillingskegel, die Deux Pitons: der 736 Meter hohe Petit Piton und der Gros Piton mit 798 Metern. Dabei handelt es sich um zwei erloschene, gigantisch empor ragende Vulkane zu Füßen der früheren Hauptstadt, dem 1746 gegründeten Soufriere. Sie gelten als das Wahrzeichen der Inselkette der Kleinen Antillen, die sich von Puerto Rico im Norden bis hin zu den Küsten Südamerikas erstreckt. Diese beiden Majestäten begrüßen Leuchttürmen gleich, alle Neuankömmlinge, egal wie sie anreisen, ob mit dem Flugzeug oder Schiff.

Wendet man den Blick auf die Regenwaldberge, kann man zwischen zwei Berghängen Rauch wahrnehmen. Dort dampft der "Drive-In-Vulcano" von Sulphur Springs, wo Schwefelpfützen blubbern und gasen. Für die indianischen Ureinwohner war es ein heiliger Ort, dem man Opfer brachte. Im D`or Nature Historical Park sowie bei Choiseul gibt es einige dieser Relikte: Petroglyphen - Fels ritzungen der Arawak, die vor 1200 Jahren die Insel besiedelten. Sie gaben ihr den Namen Iouanalao - Land des Leguans. Die Kariben (800 n. Chr.) nannten es Hewanorra. Von den Europäern ausgerottet, kündet heute nur der "Hewanorra International Airport" von der indianischen Zeit.

Unweit vom Vulkan entspringt der warmes Mineralwasser führende Diamond River. Aufgrund seiner heilenden Wirkung ließ Frankreichs Sonnenkönig Ludwig der XIV. für seine Soldaten im Flusstal Bäder bauen. Die Brigands - von den Idealen der französischen Revolution beeinflusste Sklaven - zerstörten Ende des 18. Jahrhunderts das Bad. 1923 unweit der alten Ruinenstätte neu entstanden und jüngst saniert, kann man heute dort gegen ein Entgelt wieder baden. Von hier ist es nur ein Spaziergang zum Diamond Wasserfall. Wer ihn glitzernd erleben möchte, sollte mittags vor Ort sein, da er meist verschattet ist. Nicht weit davon gibt es einen zweiten Wasserfall: den Toraille. Das Wasser in seinem Pool ist erfrischend und eine Wohltat nach einer Wanderung im Edmont Forest Reserve im Regenwald von Fond St. Jacques, wo der National vogel, die Blaumaskenamazone heimisch ist.

Die reizvolle Landschaft um Soufriere macht die Region attraktiv für den Tourismus. Während es im Bereich der Stadt zahlreiche familiäre Hotels gibt, entstanden auf den Höhenzügen Nobelresorts in spektakulärer Lage. Zu ihnen gehören eigene "Traumstrände" wie der Zuckerstrand von Jalousie Plantation oder der von Anse Chastanet, Treffpunkt für Tauchexkursionen und Schnorchler. Für kleine Kinder ist das Baden dort eher ungeeignet, da das Wasser bereits nach wenigen Metern tief wird. Das Gros der Strandliegen ist den Gästen der gehobenen All-Inclusive-Hotels vorbehalten. Wer sich aufmerksam in den Gassen von Soufriere umschaut, erkennt, dass Armut für etliche Einheimische bestimmend ist und dieser "Luxustourismus" nur wenigen von ihnen zugute kommt.

Auf dem Weg in den Norden zur Rodney Bay, dem touristischen Hauptzentrum, kann man auch abseits der Hauptstraße Interessantes finden, etwa die Forestry Division bei Union. Dort gibt es einen Wanderpfad durch den Regenwald, der auch für Ungeübte leicht zu bewältigen ist. Eindrucksvolle Urwaldbäume lassen erahnen, welchen Pflanzen-Reichtum es auf den Inseln der Region gab. Sieht man von den Vögeln ab, waren die Inseln arm an größeren Landtieren. Die Käfige im Mini-Zoo von Union sind zwar nicht besonders ansprechend, aber man kann sehen, welche größeren Arten der Fauna heimisch sind. Es sind nur vier: Leguan, Aguti (Nager), Boa constrictor und Landschildkröten. Wem das Glück der Sichtung des St. Lucia-Papageis auf seinen Exkursionen versagt blieb, der kann ihn hier sehen.

Der touristische Schwerpunkt der Insel liegt im Norden an der Rodney Bay von Gros Islet. Fast drei Kilometer feinsandiger Strand erstreckt sich dort von der Reduit Beach bis nach Pidgon Islet. In den letzten Jahren ist in Reduit rege gebaut worden, ein Gesundheitszentrum und Einkaufsmärkte kamen hinzu. Es gibt Yachthäfen, Duty-Free-Shops, etliche Restaurants und Hotels. Für die Badegäste bestehen diverse Vergnügungen: Jetskis brausen übers Meer, Bananen und Sofas flitzten über Wellen, Motorboote heben Fallschirme in die Luft. Auch wenn die Strandliegen der Hotels ihren Urlaubern vorbehalten sind, gibt es genug Platz zum Sonnen für den, der dort nicht logiert. Die Liegenanbieter freuen sich über jeden, der kommt und eine Liege für 20 Ostkaribische Dollar - umgerechnet etwa 5,70 Euro - mietet. Der Sonnenschirm ist gratis.

Von hier aus lohnt sich ein Besuch des Pigeon Island National Parks. Einst Siedlungsplatz der Ureinwohner, wurde die Halbinsel im 16. Jahrhundert zum Domizil von Piraten. Während der französischen und britischen Scharmützel um die Herrschaft auf St. Lucia kam 1778 Fort Rodney hinzu. 1909 entstand eine Walfangstation, 1940 hatten die Amerikaner hier eine Marinebasis. Die Ruinen des Forts sind geblieben, ebenso die Überbleibsel der Station der Walfänger. Ein Museum informiert über die Geschichte der indianischen Besiedlung sowie der kolonialen Eroberung.

In Reduit boomt der Pauschaltourismus. Wer Party mag, fährt Freitagabend nach Gros Islet zum Straßen-"Jump Up" - eine der wenigen Möglichkeiten für die Inselbewohner, selbst an den Touristen zu verdienen, denn meist haben diese "All-Inclusiv" gebucht. Diese Urlaubsform benachteiligt nicht nur die Einheimischen, man entzieht sich damit auch dem Flair des Insellebens mit seinen freundlichen Menschen.

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