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Kampf um den ewigen Frühling - Veranstalter setzen auf Kanaren

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Berlin (dpa/tmn) - Im kommenden Winter richten sich alle Blicke auf die Kanaren. Die deutschen Reiseveranstalter werben massiv für Fuerteventura und Co. Das liegt vor allem daran, dass der Hauptkonkurrent der Kanaren - Ägypten - schwächelt.

Berlin (dpa/tmn) - Im kommenden Winter richten sich alle Blicke auf die Kanaren. Die deutschen Reiseveranstalter werben massiv für Fuerteventura und Co. Das liegt vor allem daran, dass der Hauptkonkurrent der Kanaren - Ägypten - schwächelt.

Es sind aggressive Töne, die man aus der Reisebranche normalerweise so gar nicht kennt. «Alltours nimmt der Konkurrenz auf den Kanaren Hotels ab und senkt die Preise», meldete der Duisburger Reiseveranstalter bei der Vorstellung seiner Winterkataloge. «Es wird einen heftigen Wettbewerb auf den Kanaren geben», prophezeit Vertriebsgeschäftsführer Dieter Zümpel von Alltours. Der Nachbar Schauinsland Reisen will seinen «Marktanteil weiter ausbauen», FTI in München setzt ebenfalls auf die Inselgruppe im Atlantik. Das Branchenmagazin FVW spricht schon vom «Kampf um Kanaren-Idylle».

Warum ausgerechnet die Kanaren? Die Antwort ist einfach: Die Inseln des ewigen Frühlings sind mit einer Flugzeit von rund fünf Stunden aus Deutschland gut erreichbar. Sie bieten auch im Winter viel Sonne - und Urlauber fühlen sich dort sicher. Das kann man vom Winter-Konkurrenten Ägypten derzeit nicht behaupten. Angesichts der politischen Unruhen werden es sich viele Deutsche überlegen, ihren Urlaub am Roten Meer zu buchen. Von den Unruhen in Kairo war dort bislang allerdings nichts zu spüren.

Es ist nicht das erste Mal, dass das nordafrikanische Land Probleme hat. Die Kanaren waren zuletzt immer dann beliebt, wenn Ägypten schwächelte. So weist die Statistik des Spanischen Fremdenverkehrsamtes nach hohen Zuwächsen für die Kanaren im Jahr 2011 für 2012 einen Rückgang auf. Gran Canaria lag 4,5 Prozent, Lanzarote 4,6 Prozent und Fuerteventura 6,8 Prozent im Minus. Parallel dazu legte Ägypten zu.

Nun sind also wieder die Spanier am Drücker. Daran haben die deutschen Reiseveranstalter aus der zweiten Reihe einen großen Anteil. Vor allem die Anzahl der Flüge bauen sie mit Chartermaschinen kräftig aus. Das war auch dringend nötig. Nachdem die Airlines - allen voran Air Berlin - ihre Kapazitäten auf die Kanaren zurückgefahren hatten, blieben etliche Betten auf den Kanaren leer.

Alltours bietet nun deutlich mehr Vollcharter-Maschinen als bisher. So wird zum Beispiel Fuerteventura montags und samstags von fast allen deutschen Abflughäfen angesteuert. Germania, Air Berlin und Germanwings sind dabei die wichtigsten Partner. Auch Schauinsland Reisen wird die Flugkapazitäten nach eigenen Angaben deutlich aufstocken. Die Duisburger kooperieren dabei mit Air Berlin und Tuifly. Neu im Angebot sind zum Beispiel Nonstop-Flüge mit Air Berlin nach Teneriffa-Nord.

FTI hat sich mit Sun Express allein 23 Charterflüge pro Woche gesichert. «Flüge auf die Kanaren werden wieder Veranstaltergeschäft», bringt FTI-Chef Dietmar Gunz die Entwicklung auf den Punkt. Von einer «Renaissance der Vollcharter» auf den Kanaren schreibt das Magazin FVW.

Bei den Hotels gab es auf den Kanaren nie die großen Probleme. Dennoch gehen Alltours, FTI und Schauinsland auch hier noch einmal in die Offensive. Alltours spricht ganz offen davon, der Konkurrenz Häuser abgenommen und die Preise dort gesenkt zu haben. Zahlenmäßig gab es bei den Duisburgern jedoch eher einen Rückgang an Hotels. Von mehr als 270 Häusern auf den Kanaren ist bei Alltours die Rede, 279 genau waren es im Vorwinter. Schauinsland hat das Angebot an Hotels mit 313 Häusern nach eigenen Angaben «massiv aufgestockt». Doch nicht nur an der Quantität, sondern auch an der Qualität habe man gearbeitet. Verschiedene Häuser bieten zum Beispiel speziell für Schauinsland-Gäste reservierte Bereiche. Auch Thomas Cook bietet im Winter mehr Hotels auf den Kanaren an.

Etwas über den Scharmützeln von Alltours und Co. steht Tui. Deutschlands größter Reiseveranstalter ist auch auf den Kanaren Marktführer. Vor allem in der kalten Jahreszeit sind Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa unverzichtbar. «Die Kanaren sind im Winter mit Abstand das wichtigste Ziel», so Sprecherin Susanne Stünckel. «Es gibt neben Ägypten kein anderes Ziel, wo ich mit so kurzer Anreise eine so gute Sonnengarantie bekomme.» Die Hotelanzahl auf den Kanaren ist bei Tui relativ konstant im Vergleich zum Vorjahr: 37 Häuser auf Gran Canaria, 35 auf Teneriffa, 20 auf Fuerteventura, 13 auf Lanzarote und 5 auf Gomera.

Auf den ersten Blick verwunderlich erscheint bei dem Ansturm auf die Kanaren der im April angekündigte Rückzug von Tui von La Palma. Derzeit habe Tui auf der kleinen Kanareninsel 8 Hotels im Angebot. Man wolle sich auf die großen Inseln konzentrieren, hieß es damals zur Begründung.

Auch Markus Leutner, der bei Thomas Cook für die Kurz- und Mittelstrecke zuständig ist, sieht in den Kanaren eine bedeutende Destination. Dafür gebe es zwei Gründe: «Wegen Ägypten überlegen sich derzeit viele, ob sie lieber auf die Kanaren fahren.» Außerdem profitierten die Kanaren vom ausgeweiteten Kreuzfahrtgeschäft.

Wie in vielen anderen Regionen der Welt setzen die Veranstalter auch auf den Kanaren auf exklusiv angebotene und stark differenzierte Hotels. Rund ein Drittel der 270 Hotels von Alltours sind auf dem deutschen Markt ausschließlich bei den Duisburgern buchbar. Auch Tui hat zahlreiche exklusive Häuser auf den Kanaren - allen voran derzeit noch 6, bald 7 sogenannte Leuchtturmhäuser der eigenen Marken Robinson, Magic Life, Sensimar, Tui best family und Puravida.

Der Wettbewerb der Veranstalter und zusätzliche Flugkapazitäten haben offenbar auch für stabile Preise gesorgt. Einen Rückgang um 2 Prozent stellt FTI in Aussicht, stabile Preise verspricht Alltours. Bei den DER-Touristik-Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg geht es ebenfalls um zwei Prozent nach unten.

Vor allem im Winter sind die Kanaren bei den Deutschen beliebt. «Aber wenn die Menschen wüssten, dass das Klima so ausgeglichen ist, würden sie auch im Sommer hinfahren», sagt Thomas-Cook-Manager Leutner.

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erstellt am 17.Aug.2013 | 11:33 Uhr

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