Folge 28 : Jhon Paguns schöne Töchter

Auf seinem Weg in den Norden nach Malinau reiste Armin Püttger-Conradt nach Pimping, ein Dayakdorf. Dort begrüßten ihn malerische Charaktergestalte.

Avatar_shz von
26. Juli 2011, 12:27 Uhr

Wieder fahren George und ich den Bahau-Fluss entlang, diesmal flussab. Das Longboot durchschneidet rasend die Stromschnellen, in denen wir auf dem Herweg schwer zu kämpfen hatten. Auf dem Kayanfluss wird es ruhiger, und wir genießen Reis und Fleischstückchen auf einem felsigen Vorsprung. Nashornvögel fliegen über dem Fluss, und Affen sitzen in den Bäumen. Die tief eingeschnittenen gewundenen Schluchten des Bahau liegen hinter uns. In Tanjung Selor ist die gemeinsame Reise mit George zu Ende. Die letzten Urlaubstage will er fischend in Tarakan verbringen, ehe er auf seiner Plantage weiterarbeiten muss. Ich reise auf meinem Weg in den Norden nach Malinau nach Pimping, einem Dayakdorf, wo ein Freund von George lebt. Dort quartiere mich bei Jhon Pagun in seinem Haus ein. Zunächst begrüßen mich malerische Charaktergestalten sachlich nüchtern, wie Dayak eben so sind, dann kommt Jhon, ein jugendlicher Playboytyp so Ende dreißig, und wir versuchen auf indonesisch zu radebrechen. Zum Glück kann sein Bruder recht gut Englisch, was alles erleichtert.
Jhon hat unglaublich schöne Töchter, wovon die jüngste immer flirtbereit ist, mit einem Lächeln, das einen glatt umhaut. Wir haben einige interessante Tage geplant. Wir besuchen eine Kokosplantage in der Nähe. Hier im Norden sind die Einschläge noch nicht so gewaltig wie in anderen Ecken Kalimantans, trotzdem bekommt man einen Eindruck der Folgen für den Primärwald, der unwiederbringlich verloren ist, und ausgelaugte Flächen roter fruchtloser Lehmerde hinterlässt, wo nur über Düngemittel noch was wächst. In langen Reihen stehen in feucht gehaltenen Trögen die kleinen Pflänzlinge, und weit über Berg und Tal zieht sich die Plantage der Palmenbäume dahin. Die Palmen werden so lange genutzt, wie die Nüsse bequem geerntet werden können. Dann werden sie abgeholzt und neue gepflanzt. Ein Arbeiter verdient etwa 15 Euro am Tag, für hiesige Verhältnisse gerade akzeptabel. Die Regierung fördert die Neuansiedlung von Plantagen und die damit verbundene Urwaldverdrängung in weiten Teilen Kalimantans, mit verheerenden Folgen für das Weltklima. Ich verhalte mich neutral, und so bekomme ich Kaffee und Kuchen, und man berichtet mir von den großen Bossen in Djakarta, denen die Pflanzungen gehören, und von Umweltschutz natürlich nichts verstehen. Aber der Reinverdienst ist offensichtlich enorm.
(shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen